Wie alt ist Weilen unter den Rinnen beziehungsweise wann wurde der Ort zum ersten Mal gesichert schriftlich erwähnt? Dieser Frage ging Bürgermeisterin Silke Edele mit Hilfe des Kreisarchivars und dem Erzbischöflichem Archiv in Freiburg auf den Grund.
Eigentlich hätte Weilen 2025 sein 750-jähriges Bestehen gefeiert. Doch bevor Silke Edele gemeinsam mit Gemeinderat und Vereinen in die Planung für das Jubiläum einsteigt, musste erst einmal geklärt werden, ob Weilen tatsächlich 1275 erstmals erwähnt wurde. Zwar ist diese Jahreszahl im Ortsbuch der Gemeinde und in einigen Köpfen von Bürgern vermerkt, im Gemeindearchiv wurde jedoch eine ganz andere Jahreszahl festgehalten: 1327.
Um unzweifelhaft festzustellen, wann die Gemeinde erstmals erwähnt wurde – und damit auch die Frage zu klären, wann Weilen denn runden Geburtstag feiern kann – in diesem Jahr 750 Jahre oder in zwei Jahren eine 700-Jahr-Feier – ließ Bürgermeisterin Silke Edele Nachforschungen anstellen.
1975 gab es wohl keine Jubiläumsfeier
Sie zog Kreisarchivar Uwe Folwarczny zurate, der das Kreisarchiv durchstöberte. Die Antwort aus dem Landratsamt in Balingen kam schon am Folgetag und lautete folgendermaßen: „Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, bleiben Sie bei 1327“.
Folwarczny erklärt: Laut Ortsbuch von Josef Koch aus dem Jahr 1969 soll Weilen als Wiler 1275 erstmals im Kirchensteuerverzeichnis des Bistums Konstanz erwähnt worden sein. In dem Ortsbuch steht auch, dass 1975 eine 700-Jahr-Feier stattfinden soll. Doch diese soll es nie gegeben haben – weder findet der Kreisarchivar Informationen dazu, noch haben sich Bürger bei der Bürgermeisterin gemeldet, die sich an eine solche Feier erinnern können. Gab es etwa damals schon Zweifel?
Antwort aus Freiburg
Folwarczny verwies Edele an das Erzbischöfliche Archiv in Freiburg wo das entsprechende Schriftstück hinterlegt sein soll. Die Bürgermeisterin fragte an und erhielt nach wenigen Tagen Antwort. Dort äußerte man Zweifel, dass es sich bei dem im Kirchensteuerverzeichnis des Bistums Konstanz vermerkten „Wiler“ um das heutige Weilen unter den Rinnen handelt. Die damit beschäftigten Personen hätten in der Literatur keine Hinweise dazu gefunden. Vielmehr werde vermutet, dass es sich bei dem erwähnten „Wiler“ „mit großer Wahrscheinlichkeit um das heutige Thiergarten handelt“. Anhaltspunkte für diese Annahme gebe es in verschiedenen Schriften.
„Wiler“ passt geografisch nicht
Im Kirchensteuerverzeichnis von 1275 ist eine Route des Zehntbezugs beschrieben, die nicht auf die Lage des heutigen Weilen unter den Rinnen passt, sondern vielmehr auf Thiergarten. „Aufgrund der vorliegenden Quellen und der Literatur kann aus unserer Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass das Jahr 1275 für die erste urkundliche Erwähnung von Weilen unter den Rinnen nicht infrage kommt. Sowohl die Quellenlage als auch die Auswertung der Editionen sprechen eindeutig dagegen.“, heißt es aus Freiburg.
Nächstältere Erwähnung: 1327
Die nächstältere Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1327 und lässt weniger Raum für Zweifel: Laut Gemeindearchiv sei der Ort damals im Zinsrodel des Klosters Rottenmünster als „Wiler bei Schoemberg“ erwähnt worden.
Die Ergebnisse der Recherche teilte Silke Edele mit den Gemeinderäten in deren jüngster Sitzung. Das Gremium legte fest, dass der Ort im Jahr 1327 erstmals erwähnt wurde und somit eine Feier für 2027 vorbereitet werden kann.
2027 soll gefeiert werden
Die Planungen für das Jubiläum sind noch nicht angelaufen, erklärt Edele im Gespräch mit unserer Redaktion. Für die Vorbereitungen möchte sie die Vereine und den Gemeinderat ins Boot holen, noch in der ersten Jahreshälfte eine Projektgruppe initiieren. „Wir wollen irgendetwas für die Gemeinde machen, etwas wovon die Bürger etwas haben“.
Dank der Nachforschungen besteht nun auch kein Grund mehr zur Eile: Die Planung für die 700-Jahr-Feier kann ohne enormen Zeitdruck angegangen werden.