In zentraler Innenstadtlage in Lahr könnte es einen weiteren Leerstand geben: Das Feinkostgeschäft mit Bistro am Rosenbrunnen wird zum 30. September schließen. Es sei denn, es findet sich ein Interessent. Die bisherigen Betreiber, zwei Ärzte am Ortenau-Klinikum, sehen sich außerstande, dort alleine weiterzumachen.
Lutz Alexander und sein Partner Tobias Schneider, beides Ärzte im Ortenau-Klinikum, führen das Geschäft seit seiner Eröffnung vor vier Jahren. Damals wollten sie „dem Trend der allgemeinen Verödung der Innenstadt und dem Verlust der innerstädtischen Identität Einhalt gebieten“, sagt Geschäftsführer Lutz Alexander. Nun könne man das Projekt aber nicht mehr stemmen. „Nach dem unerwarteten Weggang der Geschäftsleitung und potenziellen weiteren Betreiberin des Ladengeschäfts sehen wir uns nicht mehr in der Lage, das Geschäft alleine weiterzuführen“, so Alexander.
Die Betreiber wollten ein Zeichen gegen die Verödung der Innenstadt setzen
Das Geschäft war 1920 als Feinkostladen und Zigarrenhandlung erbaut worden und wurde bis in die 1980er-Jahre als solches geführt. „Unsere Intention, im September 2020 in dem historischen Gebäude am Rosenbrunnen zu eröffnen, war es, ein Zeichen zu setzen, dass wir als Mitglieder der Lahrer Bürgerschaft aktiv gefordert sind, das weit fortgeschrittene Sterben der Innenstadt als Einkaufsmeile aufzuhalten“, betont Alexander. Leider müsse man nun allerdings resümieren, „dass wir – zwar erfreulicherweise vielgelobt – trotzdem die Einzigen geblieben sind mit unserem aktiven Tun“. Sie hätten sich von der Wirtschaft und der Bürgerschaft etwas mehr Unterstützung versprochen, „dass wir zum Beispiel anderen Mut machen können, durch Beteiligung an unserem Projekt oder Gründung ähnlicher Projekte aktiv einen Beitrag zu leisten“.
Lutz Alexander und Tobias Schneider haben laut eigene n Angaben viel Geld in die Hand genommen, um Kunden und damit Kaufkraft für die Innenstadt zurückzugewinnen. Nun sei es aber an der Zeit, dass sich ein anderer einsetzt, um das kleine Herzstück der Innenstadt am Rosenbrunnen zu erhalten. „Wir werden gern einem neuen Betreiber mit Rat und Tat zur Seite stehen, r können aber nicht mehr die gesamte organisatorische und betriebswirtschaftliche Verantwortung des sehr umfangreich gewordenen Betriebs mit seinen zwölfstündigen Öffnungszeiten alleinverantwortlich neben unseren Hauptberufen stemmen“, betonen die beiden.
Das Geschäft verbindet mehrere Aspekte – zum einen eine kleine gepflegte Gastronomie im Bistroformat, ein kleines, aber feines und ausschließlich regionales Lebensmittelangebot, ausgesuchte Manufakturprodukte regionaler Hersteller sowie Dekoartikel rund um den gedeckten Tisch. Zusätzlich sollen kulturelle Akzente gesetzt werden mit Veranstaltungen wie den sommerlichen After-Work-Events „Musik und Kulinarik am Rosenbrunnen“ und einem kleinen Glühweintreff im Winter.
Den Betreibern war es dabei wichtig, auch kleinen regionalen Erzeugern in einer 1A-Lage ein Schaufenster für ihre Produkte zu bieten. Deshalb hatten Alexander und Schneider Regalflächen zur direkten Anmietung durch die Hersteller angeboten. Der Verkaufserlös der über diese Regale umgesetzten Waren fließt wie bei einem Direktverkauf voll an die Hersteller zurück.
„Leider haben wir unser Geschäft in schwierigen Zeiten eröffnet. Zuerst mussten wir direkt nach Eröffnung pandemiebedingt wieder die Gastronomie für lange Zeit schließen, bevor wir Gelegenheit hatten, uns einen Namen zu machen. Staatliche Unterstützung erhielten wir als Lebensmittelbetrieb leider auch keine“, bedauern Alexander und Schneider. Danach machte die Rezession mit stark gestiegenen Energiepreisen dem energieintensiven Betrieb zu schaffen. Die Betreiber mussten alles alleine auffangen.
„Wir haben unseren Beitrag zu einer Verbesserung der Situation in der Innenstadt geleistet – jetzt muss ein anderer bereit sein, diesen Weg weiterzugehen und das mittlerweile gut etablierte Geschäft, das noch einiges an Entwicklungspotenzial besitzt, weiterzuführen. Wir setzen alles daran, dass es mit Schäfer’s Eck weiter geht und würden uns freuen, wenn wir miterleben könnten, wie sich dieses Projekt erfolgreich weiterentwickelt.“ Sollte sich jedoch bis zum Ende des dritten Quartals kein neuer Betreiber finden, werde man zu diesem Termin schließen müssen, so Alexander.
Was muss man können?
Ein möglicher Bewerber müsse nicht unbedingt ein Chefkoch sein, „aber ein wenig Erfahrung und Freude an guten Weinen und Lebensmitteln wäre schon von Vorteil“, sagt Lutz Alexander. Besonders aber sollte er Spaß und Freude am Umgang mit Menschen mitbringen, denn das sei es, was das Schäfer’s Eck bei seinen Stammgästen beliebt macht.