Erzbischof Stephan Burger spart beim Neujahrsempfang nicht mit politischen Positionierungen.
Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger hat den Neujahrsempfang der Erzdiözese Freiburg vor rund 300 Gästen aus Politik, Gesellschaft und Kirche für ein klares Plädoyer für Toleranz und Zusammenhalt in der Gesellschaft genutzt.
„Unsere Gesellschaft scheint sich immer mehr zu polarisieren“, sagte Burger. Drei Viertel der Menschen im Land würden den öffentlichen Diskurs als zunehmend emotional und auseinanderdriftend empfinden. Es gebe wachsende Sorgen um die „demokratische Kultur und Kompromissfähigkeit“ sowie die Befürchtung, „dass alles schlechter werden wird“ in der Gesellschaft.
Zusammenhalt ist bedroht
Gleichzeitig würden Politik- und Sozialwissenschaftler zwar feststellen, dass es in Wirklichkeit etwa bei Themen wie Klimaschutz oder Zuwanderung einen breiteren positiven gesellschaftlichen Konsens gebe, als man vermuten könne. Diese Themen würden jedoch in der öffentlichen Debatte oft als „Reizthemen ausgespielt“ und entsprechend plakativ und negativ aufgeladen. Für den Bischof ist daher klar: „Die Bedrohung des Zusammenhalts ist real.“ Es erscheine ihm, als wolle man in Teilen von Politik und Gesellschaft auch über Deutschland hinaus nicht aus der Geschichte lernen. „Eines der schlechtesten Beispiele liefert hierbei die derzeitige US-Politik.“
Einen wohltuenden Gegenentwurf stelle für ihn das aktuelle Buch Der Sinn von Politik ist Freiheit über Hannah Arendt von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) dar.
Gläubige durch Reform der Bistumsstrukturen verunsichert
Analog dazu müsse auch die Kirche den synodalen Weg weitergehen, so Burger weiter: Der verstorbene Papst Franziskus habe damit zahllose Menschen einbinden können. Und sein Nachfolger Leo setze diese Entwicklung fort, wenn er betone, dass die Kirche „bei den Leidenden“ sein müsse. In der Zuwendung zu den Armen und im Thema Solidarität liege die Zukunftsfähigkeit der Kirche, so Burger sinngemäß.
Für das Erzbistum Freiburg hob der Erzbischof zudem die Bedeutung der aktuell gestarteten Neuzuschnitte der Pfarreien hervor. Viele Gläubige, aber auch Priester, seien nach wie vor verunsichert über die Reform der Bistumsstrukturen. Er sei jedoch überzeugt, so Burger, dass durch die Umgestaltung und Reduktion auf 36 Großpfarreien die Seelsorge gestärkt werden könne, da die Kleriker gleichzeitig von administrativen Aufgaben entlastet würden.