Der Geschäftsführer des Jobcenters Landkreis Sigmaringen, Matthias Frank, Pressesprecher Rolf Gehring, der Vorsitzende der Geschäftsführung, Markus Nill, und der Geschäftsführer des Jobcenters Zollernalbkreis Jörg Würfel (von links) vor der Agentur für Arbeit Albstadt Foto: Vera Bender

Die Zahl der Bürgergeldempfänger geht zurück, Jugendliche sind heiß umworben und in der Metall- und Elektrobranche werden Fachkräfte entlassen.

Gute wie schlechte Nachrichten hatten die Experten in Sachen Arbeitsmarktlage im Zollernalbkreis bei der Vorstellung der Jahresbilanz für das abgelaufene Jahr 2025 im Gepäck. Im Pressegespräch nahmen der Vorsitzende der Geschäftsführung, Markus Nill, der Geschäftsführer des Jobcenters Landkreis Sigmaringen, Matthias Frank, und der Geschäftsführer des Jobcenters Zollernalbkreis, Jörg Würfel, gemeinsam mit Pressesprecher Rolf Gehring die aktuellen Zahlen und Trends in den Blick. Was dabei auffällt, ist die Zunahme der Arbeitslosigkeit im versicherungspflichtigen Bereich, sprich ohne Berücksichtigung von sogenannten Minijobs.

 

Zum Jahresende 2025 erreichte man im Bereich der Agentur für Arbeit Balingen einen vorläufigen Höchststand von knapp 8000 Arbeitslosen, wobei die Geschäftsstelle in Albstadt den höchsten Zuwachs mit 9,5 Prozent verzeichnet, im Gegensatz zu Balingen mit 5,6 Prozent oder Sigmaringen mit 1,6 Prozent. Der Landkreis Sigmaringen gehört ebenfalls zum Bereich der Balinger Arbeitsagentur, konnte aber durch hohe Zuwächse im Bereich der Bundeswehr stark profitieren, während in Albstadt die Insolvenzen zum Tragen kommen.

Höhere Chancen durch Bildung

Geschäftsführer Markus Nill setzte die vorgelegten Zahlen allerdings in Relation zu jenen aus den Landkreisen Reutlingen und Tübingen, die seit diesem Jahr ebenfalls zur fusionierten Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen gehören und damit nach Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim die zweitgrößte Flächenagentur in Baden-Württemberg bilden.

In Reutlingen liegen laut Agenturchef die Arbeitslosenzahlen bei etwa 12 Prozent, wobei die Auswirkungen von Stellenstreichungen bei Bosch noch nicht berücksichtigt seien. Die momentan schlechte wirtschaftliche Lage bildet sich also deutlich auf dem Arbeitsmarkt ab.

Während in den stark exportabhängigen Branchen Metall und Elektro Fachkräfte entlassen werden, sucht man in anderen nach wie vor händeringend nach solchen. Medizin, Pflege, Erziehung und auch das Handwerk seien hier beispielhaft genannt. Während Helfer, also ungelernte Kräfte, die eben am schnellsten von wirtschaftlichen Flauten betroffen sind, gerade eher Schwierigkeiten hätten, eine Anstellung zu finden, seien die Chancen bei denjenigen, die zu Aus- und Weiterbildung bereit seien, deutlich höher, erläuterte Jörg Würfel. Auffällig ist bei den Statistiken auch, dass es mehr Stellen gibt, die sich im Teilzeitbereich bewegen. In den letzten Jahren wurden mehr Stellen aufgeteilt, die sich aber immer noch im sozialversicherungspflichtigen Bereich bewegen und nicht etwa in Minijobs umgewandelt wurden. Gute Chancen haben laut den hiesigen Experten nach wie vor die Jugendlichen, denn noch immer übersteige die Zahl der gemeldeten offenen Ausbildungsplätze jene der unversorgten Bewerber etwa um das Dreifache.

Und auch hier merkt Markus Nill mit Blick auf Schulabbrecher an: „Bildung und Weiterbildung sind der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit.“ Das zeigen auch die sehr positiven Tendenzen im Bereich der Integration in den Arbeitsmarkt.

Im Zollernalbkreis gebe es zwar momentan wieder deutliche Zuwächse von Geflüchteten aus der Ukraine, dennoch hielten sich die Bezüge laut Jobcenter auf gleichbleibendem Niveau, weil viele in Arbeit gebracht werden konnten und können. Müssten Flüchtlinge nicht teils zwölf Monate auf Deutschkurse warten, dann könnte die Integration noch schneller voranschreiten, verdeutlichte auch Matthias Frank. Die Entwicklung der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, sprich Bürgergeldempfänger, geht deutlich zurück, zeigen die vorgelegten Zahlen. Angesprochen auf sogenannten Leistungsbetrug konnten Würfel und Frank vermelden, dass die Zahl der Totalverweigerer verschwindend gering sei. Hinter jedem Leistungsempfänger steht letztlich ein Schicksal: Krankheitsprobleme, mangelnde Sprachkenntnisse oder Alleinerziehende.

Keine großen finanziellen Einsparungen durch die Änderung beim Bürgergeld

Entgegen einzelner Meinungen werde die geplante Bürgergeld-Veränderung nicht zu großen finanziellen Einsparungen führen, verdeutlichten die Arbeitsmarktexperten. Doch der vorgelegte Gesetzentwurf zur Grundsicherung beinhalte effektive Mittel zur Verhinderung von Missbrauch – ohne dabei die Falschen treffen zu wollen, wie alle Gesprächspartner versicherten. Dennoch wird den Beratern voraussichtlich ein wirksames Mittel in Form von Leistungsminderung bei Arbeitsverweigerung oder Terminverweigerung an die Hand gegeben. Außerdem erhoffen sich die Geschäftsführer durch die Arbeitgeberhaftung bei Schwarzarbeit ebenfalls positive Ergebnisse, da der Arbeitgeber laut Gesetzentwurf für rechtswidrig erbrachte Leistungen der Arbeitsagentur haftet, wenn er die Beschäftigten nicht ordnungsgemäß anmeldet.