Beklagen kann sich Moritz Weschle beim Besuch der Landtagsabgeordneten Sandra Boser nicht – die Auftragslage seines Unternehmens in Friesenheim ist sehr gut. Foto: Bohnert-Seidel

Der Industrie geht es teilweise besser als vermutet – das wurde beim Besuch der Abgeordneten Sandra Boser beim Unternehmen Schwarzwald Holzbausysteme deutlich.

Die Auftragslage für Holzbauelemente im Mehrfamilienhausbau und im Industriegebäudesektor sowie im Bau von Schulen und Kindergärten ist gut. Klagen will Geschäftsführer von Schwarzwald Holzbausysteme (SBS) Moritz Weschle absolut nicht. Sein Unternehmen entwickele sich in den vergangenen Jahren, seit Gründung im Jahr 2020, ausnahmslos positiv. Lediglich der Einbruch in der Bautätigkeit für Einfamilienhäuser lässt ihn nicht unberührt. Der Einfamilienhausbau mache nur noch 15 Prozent seiner Aufträge aus. Das sei ein erheblicher Rückgang, der jedoch durch Aufträge bei Kindergärten und Industriegebäuden aufgeholt und mehr als ausgeglichen werde. Pro Jahr fertige das Unternehmen mehr als zehn Kindergärten – mit steigender Tendenz. Immer mehr Architekten und Bauherren wählten das Bauen von Holz und damit die Wahrung der Nachhaltigkeit. „Was gibt es Besseres als ein Gebäude mit Holz zu errichten und damit gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt tun?“, so das Credo von Weschle.

 

Aktuell baut Weschle einen Bildungscampus in Biberach

Eigens für eine innovative Fertigungsmaschine und auch für den Verpackungsservice hat er im Sommer eine neue Halle für 5,5 Millionen Euro fertiggestellt. In der neuen Halle ist auf einer Fläche von 2800 Quadratmetern „Spitzentechnologie“ aus Deutschland untergebracht. Dabei handele es sich um eine „Hundegger Portalbearbeitungsanlage“, die dem Unternehmen modernste Plattenbearbeitung ermögliche.

Aktuell baue Weschle einen Bildungscampus in Biberach. Vor zwei Jahren habe das Unternehmen in Offenburg ein Feuerwehrhaus aus Holz gebaut. Immer mehr rücke auch der Industriebau nach vorne. „Gegenüber dem Stahl- und Betonbau haben wir als Unternehmen momentan bessere Chancen“, weiß Weschle im Hinblick auf die allgemeine Wirtschaftslage. Immer mehr Aufträge kämen mittlerweile aus dem Gewerbe. Nach wie vor gebe es also Industriezweige, die investierten. „Für mich ist es ein wichtiges Signal, zu hören, dass investiert wird“, sagte Sandra Boser, MdL. Eine Kennung dafür sei für sie das Unternehmen in Friesenheim.

Bisher werde in der Holzindustrie für den Bau nach wie vor mit Nadelhölzern gearbeitet. „Wir tüfteln noch immer daran, wie wir das Hartholz verarbeiten können“, so Weschle. Harthölzer wie Buche seien im Vergleich zu Fichte und Tanne wesentlich teurer. „Dringend benötigen wir eine Baumart, die trockenheitsresistenter ist. Einen Nadelbaum wie die kanadische Tanne, die mit relativ wenig Feuchtigkeit auskommt“, sagte Weschle und ergänzte: „Die Rede ist von einer klimapositiven Waldwirtschaft.“

Zu gerne würde er ein großes Heizkraftwerk für Friesenheim bauen

Bei der Klimawende werde immer nur auf die Fahrzeuge geschaut, viel mehr ließe sich aber in der Baubranche machen. Leider gehe es Jahre bis das klimaneutrale Bauen auch in allen Instanzen ankomme.

Durch die Erweiterung erfahre sein Unternehmen 30 Prozent mehr Leistungsfähigkeit. Die Investition in die verstärkte Automatisierung sei ein wichtiger Schritt. Weschle sprach von einer besseren Vernetzung im Unternehmen. Mit dem Erweiterungsbau sei noch kein Investitionsende in Sicht. Auf lange Sicht will er ein Büro- und Verwaltungsgebäude anbauen und so schlussendlich auch die Zimmerei aus Oberweier an einen Standort in Friesenheim holen.

Für Friesenheim erkenne er zudem – vor allem im Industriegebiet – den hohen Bedarf an eigener Energieversorgung. Zu gerne würde er ein großes Heizkraftwerk für Friesenheim bauen und so den Ort mit Nahwärme versorgen. Täglich fielen im Unternehmen mindestens 20 Tonnen Abfallholz an, das er bislang noch nach Germersheim in die Spanplatten-Industrie fahre.

Das Unternehmen

Im Jahr 2020 gründete Moritz Weschle in Friesenheim das Unternehmen „Schwarzwald Holzbausysteme“ (SBS), eine Produktionsstätte für Brettsperrholz. Investiert wurden knapp sieben Millionen Euro in den Wirtschaftsstandort Friesenheim, 250 000 Euro hat es aus der Förderung „Entwicklung Ländlicher Raum“ gegeben. Die erste Halle steht auf einer Fläche von etwas mehr als 4000 Quadratmetern. Weitere 5,5 Millionen Euro wurden in diesem Jahr in die neue Halle investiert und aus dem Fördertopf „Spitze auf dem Land – Investition in Spitzentechnologie“ gab es 500 000 Euro. Das Unternehmen beschäftigt 36 Mitarbeiter und strebt für 2026 ein Umsatzvolumen von 16 Millionen Euro an.