Die Ankündigung der Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald aus Stuttgart sorgt für allerlei Irritationen im Nationalparkrat.
Das Geburtstagsgeschenk kam noch rechtzeitig zum zehnjährigen Bestehen des Nationalparks Schwarzwald – aber es fiel eine Spur kleiner aus.
Um 1500 Hektar Fläche soll der jetzt 10 000 Hektar große Nationalpark erweitert werden, um eine Anbindung zwischen dem bislang getrennten Nord- und Südteil des Parks zu schaffen, kündigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) Anfang der Woche an. Zuvor war noch von einer Erweiterungsfläche von etwa 2900 Hektar die Rede, um die Lücke zwischen den beiden Parkteilen zu schließen.
Aber auch die Präsentation des Geschenks hat nicht allen gefallen.
Scharfe Kritik aus Kreisen und Gemeinden
„Das jüngste Vorgehen des Landes bei der Erweiterung des Nationalparks stößt auf deutliche Kritik der betroffenen Gemeinden und Landkreise“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Landräte Klaus Michael Rückert (Freudenstadt) und Christian Dusch (Rastatt) sowie der Bürgermeister Robert Stiebler (Forbach) und Michel Ruf (Baiersbronn). Man habe die Wichtigkeit der inhaltlichen Beteiligung, besonders der ansässigen Bevölkerung eingefordert, wurde jedoch von Seiten des Umweltministeriums und Nationalparks enttäuscht, kritisieren die Kommunalpolitiker.
Vor allem Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) zog dabei den Unmut auf sich: In einer Pressemitteilung des Staatsministeriums hatte sie erklärt: „Die im Nationalparkrat vertretenen Kommunen haben sich einstimmig für eine inhaltliche und räumliche Erweiterung des Parks ausgesprochen.
Michael Ruf: Keine Zustimmung des Nationalparkrats
Der Eindruck, dass der Nationalparkrat oder gar sein Vorsitzender bereits einer Erweiterung des Nationalparks zugestimmt habe, sei schlichtweg falsch, kritisiert der Baiersbronner Bürgermeister Michael Ruf auf Anfrage unserer Redaktion. „Weder mir noch den anderen Mitgliedern des Rats liegen bisher eine konkrete Karte, ein Abgrenzungsvorschlag oder sonstige Unterlagen vor, die eine fundierte Entscheidung ermöglichen würden,“ erklärt er.
„Es gibt derzeit nichts, dem man hätte zustimmen können,“ sagt Ruf, und unterstreicht die Bedeutung einer offenen und ehrlichen Kommunikation gegenüber den Bürgern, insbesondere wenn es um weitreichende Projekte wie die Erweiterung des Nationalparks geht. „Solche Spekulationen und widersprüchliche Aussagen schaden dem Vertrauen der Menschen vor Ort und führen zu unnötiger Verunsicherung.“
Ruf stellt auch klar, dass er die Sorgen der Bürger hinsichtlich des Verlusts von Wirtschaftswald und den Auswirkungen auf die Region sehr ernst nimmt. „Der Nationalpark kann ein wertvolles Instrument für den Schutz der Artenvielfalt und den nachhaltigen Tourismus sein. Aber das gelingt nur, wenn die Belange der Bevölkerung und der regionalen Wirtschaft im Fokus stehen und nicht übergangen werden.“ Die Kommunen in der Nationalparkregion hätten sich daher in Bezug auf die Erweiterung des Parks lediglich offen gezeigt, aber „unter der klaren Bedingung, dass die Interessen der Menschen vor Ort berücksichtigt werden“.
Diese Zusagen würden jedoch bislang fehlen, und es liege in der Verantwortung der Nationalparkverwaltung und des Umweltministeriums, diese Zusicherungen klar und verbindlich zu kommunizieren, so Ruf. „Für ein Projekt, das die Region in dieser Weise betrifft, muss es von Anfang an eine umfassende Beteiligung aller relevanten Akteure geben – insbesondere der Bürger. Wir müssen sicherstellen, dass eine eventuelle Erweiterung des Parks sowohl ökologisch als auch ökonomisch tragfähig ist und den Bedürfnissen der Gemeinden gerecht wird“, fordert Ruf.
Umweltministerin Thekla Walker lenkt ein
Auf diese Kritik reagiert Umweltministerin Thekla Walker auf Anfrage unserer Redaktion sofort. „Ich bin sehr dankbar für den einstimmigen Beschluss vom 3. Mai 2023, in dem der Nationalparkrat sich offen gezeigt hat für eine Gebietserweiterung in einer kompakten Form und für einen sinnvollen Lückenschluss zwischen den bisherigen Gebietsteilen. Mir ist bewusst, dass dieser Beschluss unter dem Vorbehalt steht, dass die Belange der dort lebenden Bevölkerung hinreichend berücksichtigt werden“, erklärt Walker.
Diese Berücksichtigung sowie die endgültige Form der Gebietserweiterung gelte es nun gemeinsam mit der Region konkret auszugestalten. Die Einigung der politischen Spitzen der Regierungskoalition schaffe dafür die Voraussetzung.
„Ich freue mich darauf, in der nächsten Nationalparkratssitzung mit den Mitgliedern die nächsten Schritte zu beraten“, so Walker.
Wolfgang Schlund: Verlauf der Grenzen noch nicht geklärt
Als Naturschützer hätte sich Nationalparkleiter Wolfgang Schlund eine größere Erweiterungsfläche für den Park gewünscht, aber „es ist ein Wurf, der uns in die richtige Richtung bringt“, sagt er. Auch für Schlund ist es wichtig, dass das Thema nun zügig im Nationalparkrat und -beirat besprochen wird, um ein Konzept für die Umsetzung der Erweiterung zu entwickeln. Schon in der nächsten Sitzung des Nationalparkrats soll erörtert werden, welche Auswirkungen die Parkvergrößerung für die betroffenen Flächen haben könnte. Auch mit den Anrainern will er zeitnah das Gespräch suchen: „Wir wollen konstruktiv und offen miteinander reden.“
Noch ist nicht endgültig geklärt, wie die Grenzen des Nationalparks Schwarzwald künftig verlaufen werden. Fest steht jedoch, dass der verbindende Korridor vom bisherigen Süd- zum Nordteil des Parks östlich der Gemeinde Hundsbach verlaufen wird und die dortigen Karseen und Hochlagen beinhalten soll. Für das Langenbachtal will die Nationalparkverwaltung die Einrichtung eines Managementgebiets entlang der dortigen Straße vorschlagen und mit den Anrainern besprechen.
Die Schritte bis zum Abschluss des Projekts
Und was bedeutet die Parkerweiterung für die Personalausstattung des Nationalparks? „Wir werden schauen, wie wir mit dem vorhandenen Personal hinkommen – und da bin ich vorerst mal zuversichtlich, denn wir haben ein gutes Team“, sagt der Parkleiter.
Zum 1. Januar 2026 soll das Projekt Erweiterung Nationalpark Schwarzwald abgeschlossen sein. Zuvor werden die neuen Außengrenzen erarbeitet, Gespräche mit angrenzenden Flächenbesitzern geführt, die Ergebnisse und die Beschlüsse des Nationalparkrats an die beteiligten Ministerien weitergeleitet und schließlich das Gesetzgebungsverfahren eingeleitet, erklärt Schlund.