Das Gewerbegebiet Sulzhau in Freudenstadt soll erweitert werden. Ein angrenzender Wald muss dafür weichen. Das geht aber nur, wenn dafür ein ökologischer Ausgleich geschaffen wird. Einen neuen Wald an anderer Stelle pflanzen will die Stadt aber nicht.
Manche Leute finden ja, dass Kommunalpolitik eine eher trockene Angelegenheit ist. Doch bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag war davon nichts zu spüren. Denn diesmal ging es für die Stadträte in den Wald – und das bei strömendem Regen. Innerhalb kürzester Zeit war das ganze Gremium pitschnass.
Trotzdem wollte kein Stadtrat den sogenannten Waldbegang verpassen. Denn es ging um ein wichtiges Thema: die Erweiterung des Gewerbegebiets Sulzhau. Das Vorhaben ist nicht unumstritten. Denn für die geplante Erweiterung müsste ein angrenzendes Waldstück komplett gerodet werden.
Diesmal ging es aber nicht um die Frage, ob die Erweiterung sinnvoll ist. Denn bereits im April hatte der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, einen entsprechenden Bebauungsplan aufzustellen. So ging es diesmal vor allem um das Thema, wie die großflächige Rodung ausgeglichen werden kann.
Ökopunkte sind teuer
Eine Option wäre es, auf dem freien Markt ausreichend Ökopunkte zu kaufen. Doch das könnte teuer werden. „Der Peis pro Ökopunkt liegt bei uns in der Region etwa bei einem Euro“, erklärte Forstbereichsleiter Björn Waidelich. Aber auch zwei oder drei Euro pro Ökopunkt seien denkbar.
Günstiger könnte es daher sein, wenn die Stadt selbst für eine Ausgleichsmaßnahme sorgt. In der Regel fordere die Forst BW dann, an anderer Stelle eine entsprechend große Waldfläche aufzuforsten, erklärte Waidelich.
Doch: „Bei uns ist das nicht so einfach machbar“, meinte Waidelich. Schließlich bestehe die Gemarkung bereits zu 67 Prozent aus Wald. Und: „Wir wollen unsere Schwarzwaldtäler nicht zupflanzen.“
Eine Alternative wäre daher, die Ausgleichsmaßnahmen innerhalb des Stadtwalds vorzunehmen. Wie so etwas aussehen könnte, kann am Steinbruch Lauterbad besichtigt werden. Das Kuriose dabei: Hier wurden Bäume gefällt, um die Ökopunkte zu erwirtschaften. Dadurch soll das Wachstum seltener Pflanzenarten gefördert werden.
Waidelich zeigte sich optimistisch, dass auch diesmal ein Ausgleich im Stadtwald möglich sein wird: „Ich bin guter Dinge, dass wir das schaffen werden.“
Doch wie ökologisch wertvoll ist eigentlich der Wald, der für das Gewerbegebiet gerodet werden soll? Diese Frage brachte Stadträtin Beate Gaiser (FWV) auf.
„Das tut immer weh“
Waidelich erklärte, dass es sich um einen zweischichtigen Fichten-Tannenwald handelt. Die Wertigkeit würde er in einer eher mittleren Kategorie einordnen. Waidelich gab aber auch zu: „Für mich als Förster ist jeder Wald schön. Das tut immer weh.“
Auch wollte Gaiser wissen, ob es bereits Interessenten gibt, die auf der neuen Gewerbefläche bauen wollen. Das konnte Stadtbaumeister Thomas Gärtner bestätigen, die ersten Interessenten ständen schon in den Startlöchern. „Der Bedarf kommt“, versicherte Gärtner.
Offensichtlich kein Interesse, die Erweiterung in Frage zu stellen, hatte Stadtrat Herrmann John (FWV). Er machte klar, dass er keinen Grund sieht, die Sinnhaftigkeit der Rodung zu diskutieren.
Es sei schon lange geplant gewesen, das Gewerbegebiet an dieser Stelle zu erweitern. „Jeder, der im Gemeinderat ist, weiß das seit 15 Jahren.“ Danach gab es keine Wortmeldungen mehr.