Bei Notfällen helfen sich deutsche und Schweizer Retter über die Grenzen hinweg. Foto: Rolf Rombach

Basel erweitert sein medizinisches Ersthelfernetz kontinuierlich. Bereits mehr als 3000 Menschen sind als „First Responder“ für Wiederbelebungen registriert.

Der plötzliche Herzstillstand gehört sowohl in Deutschland als auch der Schweiz zu den häufigsten Todesursachen. 7000 Fälle nennt die Schweizer Herzstiftung pro Jahr, das Deutsche Reanimationsregister schätzt, dass 136.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses 2024 einen Herz-Kreislaufstillstand erlitten. Erschreckend bei den deutschen Zahlen: Bei lediglich die Hälfte der Patienten starteten Ersthelfer die Herzdruckmassage. Notwendig ist diese, wenn eine Person das Bewusstsein verliert und nicht mehr atmet. Gleichzeitig ist das Absetzen eines Notrufes über die 112 in Deutschland oder 144 in der Schweiz wichtig.

 

Region der Lebensretter

Seit 2023 werden dann bei der Meldung einer reanimationspflichtigen Person im Landkreis Lörrach mit der Freiburger Handy-App „Region der Lebensretter“ registrierte Ersthelfer im direkten Umfeld einer Einsatzstelle alarmiert.

200 Alarmierungen

Bereits 2019 startete in Basel das „First Responder“-Konzept zur Unterstützung der Sanitätskräfte. Rund 200 Alarmierungen erfolgen inzwischen jährlich auf dem Gebiet der beiden Basler Kantone, wie Céline Marchon ausführt.

Sie ist seit Januar die Leitung der „Fachstelle zur Optimierung der Rettungskette“ und war zuvor knapp sieben Jahre Geschäftsführerin der Stiftung Ersthelfer Nordwestschweiz. 17 Jahre Erfahrung im Rettungsdienst bringt die diplomierte Rettungssanitäterin, das Pendent zum deutschen Notfallsanitäter, aus der Praxis mit. „Es braucht jeden von uns“, sagte sie kürzlich bei einer Informationsveranstaltung für neue Ersthelfen“. Dabei verwies sie auf die Folgeschäden, die nach spätestens drei bis fünf Minuten im Gehirn entstehen.

Fünf Prozent überleben

Schweizweit überleben nur fünf Prozent der Betroffenen derzeit einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Wird sofort reagiert, steigt die Überlebenschance auf 30 Prozent gemäß der Zahlen des Schweizer Reanimationsregisters. Das Wichtigste: So schnell wie möglich mit der Herzdruckmassage beginnen!

Ziel der Basler ist ein Netz zu spannen aus 5000 Ersthelfern. 3000 Mitglieder hat das System bereits. Davon sind alleine 900 Kollegen der Grenzwacht registriert. „Die sind besonders schnell“, zeigt sich Marchon beeindruckt von der Statistik.

Wird der Sanitätsleitstelle eine Person ohne Atmung gemeldet, gehen neben dem Rettungsdienst rund 700 Alarme innerhalb eines festgelegten Radius um die Einsatzstelle aus. Die Empfänger bestätigen, ob sie Zeit haben oder nicht. Wenn ja, wird das Verkehrsmittel gewählt (Auto, Rad, zu Fuß) und der Computer gleicht ab, welche drei Retter am Schnellsten sind. Nur diese bekommen die Zieldaten. Sind in beiden Kantonen die Rettungsmittel im Schnitt nach neun Minuten an der Einsatzstelle, schaffen es die First Responder in viereinhalb.

Neue Interessenten

Bei der Einführungsveranstaltung für Ersthelfer begrüßte Céline Marchon kürzlich neue Interessenten. Wichtig für sie: Man muss diese Aufgabe übernehmen wollen und bei Zweifeln lieber warten. Denn die Realität bedeutet auch: In 66 Prozent der Einsätze kommt man zu den Patienten nach Hause. Manchmal treffen sie dort auf Verwahrlosung, schlechte Gerüche und im schlimmsten Fall auf eine Leiche, vielleicht auch noch Verwesung. Zwar gilt über alle Erkenntnisse die Schweigepflicht, die vor dem Ehrenamt unterschrieben werden muss, aber dennoch bekommen die Ersthelfer Unterstützung durch ein „Care-Team“. „Wir müssen auch die eigene Hilflosigkeit erkennen und anerkennen“, gibt Marchon den überwiegend jungen Menschen auf den Weg.

Nach der Kurzausbildung können die Freiwilligen ihr Helfer-Kit bekommen: Eine gelbe Warnweste mit Aufdruck sowie eine Beatmungsmaske. „Was ist, wenn ich etwas falsch mache?“, erkundigt sich eine Teilnehmerin. „Nur wenn ich nichts mache, mache ich etwas falsch“, fasst Marchon zusammen. Dies gilt aber auch für Passanten, die neben einem Notfall stehen. Für die Ersthelfer ist wichtig: Nach bestem Wissen und Gewissen vorzugehen. Denn wer nicht mehr atmet, ist dem Tod schon näher als dem Leben.