Freuen sich, in der alten Baumer-Fabrik in der Dauchinger Straße in Schwenningen eine Heimat für den Rage Room gefunden zu haben: Thomas und Francesca Zinner. Foto: Mareike Kratt

Teller und Tassen an die Wand schlagen, Tastaturen mit einem Baseballschläger zerstören – und dadurch den Kopf frei bekommen: Das ist im Rage Room in Schwenningen erlaubt.

Die Kiste mit diversen Utensilien aus Glas und Porzellan sowie mit einer alten Tastatur und einem ausrangierten Telefon steht auf dem Boden des kargen Kellerraums. Wer ihn mit Schutzanzug, Helm, Brille und Handschuhe betritt, der darf sich an der Kiste bedienen und mit den Hilfsmitteln, die an einem Haken an der Wand hängen – Hammer, Baseball- und Golfschläger – nach Belieben zerstören – oder die Gegenstände einfach selber auf den Boden werfen und an die dicken Betonwände, die teils zusätzlich mit Holzbrettern verstärkt sind, schlagen, bis sie in alle Einzelteile zersprungen sind.

 

Rage Room, übersetzt Wutraum, heißt das, was Francesca Zinner zusammen mit ihrem Mann Thomas in den vergangenen Wochen und Monaten in den Kellerräumen der ehemaligen Baumer-Fabrik in der Dauchinger Straße auf die Beine gestellt und mit dem Namen „Stress Ade“ getauft hat.

Kontrolliertes Zerstören

Denn was zunächst nach Vandalismus klingt, soll vielmehr die Möglichkeit für die Besucher sein, angestaute Wut, Aggression und Stress beim kontrollierten Zerstören abzubauen. „Wie gut wäre es, wenn ich jetzt alles gegen die Wände schlagen könnte“: Dieses Verlangen spüre man sicherlich immer mal wieder, erklärt Francesca Zinner – so auch sie selber. Überrascht sei sie gewesen, dass das Konzept eines sogenannten Rage Rooms tatsächlich existiert, und sei sofort Feuer und Flamme dafür gewesen. So sei aus einer fixen Idee im vergangenen Jahr Stück für Stück das gemeinsame Herzensprojekt mit ihrem Mann entstanden.

Thomas Zinner zeigt, was hinter dem Konzept des Rage Rooms steckt. Foto: Mareike Kratt

Dafür mussten die passenden Räumlichkeiten her – eine Hürde, die erst nach langwieriger Suche in VS und Umgebung genommen werden konnte. Vor allem wegen des potenziellen Lärms und der daraus resultierenden Auflage, nicht zu nah an der Innenstadt zu sein, seien mehrere attraktive Immobilien nicht infrage gekommen, blickt Thomas Zinner zurück.

Fabrik als perfekter Ort

Im alten Fabrikgebäude an der Dauchinger Straße hatte das Ehepaar Glück. Die ehemaligen Lagerräume in einem Kellertrakt schienen wie gemacht für den Wutraum, auch wenn bis zur nun anstehenden Eröffnung noch einiges gemacht und umgebaut werden musste, so Thomas Zinner. So sind unter anderem Wände eingezogen, ein zweiter Fluchtweg oder auch Sanitäranlagen eingebaut worden. Große Unterstützung hat das Ehepaar dabei von der Eigentümerfamilie Binefeld erhalten.

Die Utensilien, die den Besuchern zum Zerstören zur Verfügung gestellt werden, sind im Übrigen alles ausrangierte Waren, die sich das Ehepaar aus familiären Altbeständen oder über Kleinanzeigen zusammenstellt und in einem separaten Raum lagert.

Premiere in VS

Wenn der letzte Feinschliff erledigt ist, kann es am kommenden Freitag endlich losgehen. Dass Potenzial für das Konzept, das in der näheren Umgebung Premiere feiert – die nächsten Rage Rooms sind in Immendingen beziehungsweise Stuttgart – vorhanden ist, davon ist Francesca Zinner überzeugt.

Denn Anlässe gebe es heutzutage genügend: Da ist der reine Stressabbau, da ist die angestaute Energie, die rausgelassen werden muss. Da sind aber auch ernstere Anlässe: „Zeug schlucken zu müssen“, stets das erforderliche Maß an Selbstbeherrschung in Situationen zu zeigen, in denen man eigentlich anders reagieren möchte, das erzeuge oftmals Unzufriedenheit, Frustration oder auch Wut. Das alles wiederum benötige ein Ventil, „um alles rauszulassen“, erklärt die Unternehmerin.

Adrenalin wird freigesetzt

Eine Freundin des Ehepaars darf an diesem Abend den Rage Room erstmals testen. „Jetzt bin ich glücklich“, sagt sie nach der rund 20-minütigen, recht anstrengenden Einheit, in der sie sich hinter verschlossener Tür beim Zertrümmern von Vasen und Gläsern richtig auspowern konnte. Stehe man währenddessen unter Strom, so dass Adrenalin freigesetzt wird, fühle man sich danach viel befreiter, zieht die Frau Resonanz.

Nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für Teams, die ihn „rein zum Spaß“ nutzen, haben Francesca und Thomas Zinner den Wutraum ausgelegt. Und auf den derzeit bestehenden Raum, der für eine vier- bis fünfköpfige Gruppe ausgelegt ist und für Einzelpersonen durch eine mobile Trennwand geteilt werden kann, möchten sie künftig künftig sogar noch aufbauen und, wenn alles gut läuft, ihr Konzept auf weitere Räume im Keller ausweiten. Sogar Kinder sollen – in rein spielerischer und kreativer Form – dabei mit einbezogen werden, verrät die Inhaberin von „Stress Ade“.

Der neue Rage Room in Schwenningen

Stress Ade
Der Wutraum „Stress Ade“ eröffnet am Freitag, 14. November, in der Dauchinger Straße 58. Termine für Einzelpersonen und Teams können in verschiedenen Paketen auf der Homepage https://stressade-vs.de/ gebucht werden.