Zahlreiche Ostelsheimer kamen zum ersten Neujahrsempfang der Gäugemeinde in die Festhalle. Foto: Jeanette Tröger/Picasa

Zur zweifachen Premiere – erstmalig Neujahrsempfang in der Gäugemeinde und der erste des im vergangenen Jahr gewählten Bürgermeisters – platzt die Gemeindehalle sprichwörtlich aus allen Nähten.

Ostelsheim hat laut Rathauschef Ryyan Alshebl einen Neujahrsempfang genauso verdient wie andere Gemeinden. Die Bürgerschaft habe das Recht darüber informiert zu werden, was Gemeinderat, Bürgermeister und Verwaltung im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht und für das neue Jahr geplant haben.

 

Personalstrategie scheint aufzugehen

„Ich bin geflasht, mit so viel haben wir nicht gerechnet!“, sagte Alshebl zu Beginn seiner Ansprache. Der von der Stubenmusik musikalisch umrahmte Neujahrsempfang stelle „das Minimum eines gesunden Demokratieverständnisses“ dar und solle den „unmittelbaren Kommunikationsweg“ zu ihm persönlich nicht aushebeln. Der Schultes blickte sowohl zurück als auch voraus auf gesellschaftliche und kommunalpolitische Höhepunkte. Beispielsweise das Fleckenfest zwei Wochen nach seinem Amtsantritt oder den Tag der offenen Tür in der Kita. Hier sprach Alshebl die „Personalstrategie“ an, mit der Gemeinderat und Verwaltung auf den Personalmangel und die damit einhergehenden Kürzungen des Betreuungsangebots reagierten.

Wald- und Naturkindergarten in Planung

Er könne als Erfolg vermelden, dass der Negativtrend in Sachen Personal bereits gebrochen werden konnte. Zudem wird die Personalstrategie von Studierenden der Verwaltungshochschule Kehl als Forschungsprojekt begleitet. Die Gemeinde wolle nicht nur eine verlässliche und qualitative Betreuung gewährleisten, sondern auch eine vielfältige. Deshalb werden sich Verwaltung und Gemeinderat mit dem Projekt eines Wald- und Naturkindergartens beschäftigen, blickte Alshebl in die Zukunft.

Fragebogen zur Gemeindeentwicklung liegt bald im Briefkasten

Er ging auf die beschlossene kommunale Wärmeplanung ein, mit der die Potenziale für örtliche Wärmenetze ausgelotet werden. Ein entsprechender Antrag bei der KfW ist gestellt, so der Rathauschef. Ein langfristiger Gemeindeentwicklungsplan, das Integrierte Gemeindeentwicklungskonzept IGEK, soll die wesentlichen Zukunftsaspekte der Gemeinde konkretisieren. Ein ausführlicher Fragebogen wird den Bürgern in Kürze zugestellt. Er wird Grundlage fürs Konzept sein, das bis Jahresende 2024 fertig sein soll.

Erstmalig fand im vergangenen Dezember ein Ostelsheimer Weihnachtsmarkt statt, bei dem „vor allem die Vereine bewiesen haben, dass ohne ihr bedingungsloses ehrenamtliches Engagement nichts in dieser Gemeinde läuft“, bedankte sich Alshebl bei allen ehrenamtlich engagierten Bürgern im Ort. Es soll kein einmaliges Event bleiben.

Bürokratie verzögert „Norma“-Bau

Wann Baustart für den „Norma“-Markt sei oder ob er überhaupt noch komme, sei er vielfach gefragt worden. „Wenn wir in einem Wort zusammenfassen wollen, was den Bau bislang am meisten verhindert hat, dann lautet dieses magische Wort: Bürokratie.“ Doch „nach dieser beschwerlichen Reise“ dürfen sich die Ostelsheimer noch im Januar auf den Spatenstich freuen. Die Erdarbeiten haben bereits begonnen und laut Plan soll der Markt noch dieses Jahr öffnen. Das Publikum quittierte diese Information mit großem Applaus.

Die Hermann Hesse-Bahn, das Areal Gärtnerei Kienzle, eine kommunale, gemeinnützige Begegnungsstätte waren weitere Punkte, zu denen der Schultes Stellung nahm. Und viel Applaus erntete er für ein weiteres ÖPNV-Projekt. Denn aus Ostelsheimer Sicht konnte landkreisübergreifend eine historische Vereinbarung erreicht werden. Ab Januar 2025 wird der Bus im Stundentakt zwischen Ostelsheim und der Universität Stuttgart Campus Vaihingen fahren und Ostelsheim somit die erste Gemeinde im Landkreis Calw sein, die eine direkte Anbindung an die Landeshauptstadt bekommt.

Lob für den „Chancenergreifer“

„Sie sind ein Chancenergreifer“, würdigte Staatssekretär Thomas Blenke den jungen Rathauschef. Er ziehe den Hut vor dessen Engagement. Alshebls Wahl habe Ostelsheim international bekannt gemacht. „Unsere Demokratie ist im Stress“, sagte der Landespolitiker mit Blick auf die kommende Kommunal- und Europawahl und appellierte wie Alshebl zuvor an die Besucher, zu kandidieren und zur Wahl zu gehen: „Überlassen wir das Land nicht den Spaltern.“ Den „großen Applaus“ nehme er nicht für sich, sondern für das Anliegen.