Bürgermeister Matthias Litterst (Dritter von links) zeichnete Andrea Fehrenbacher (von links), Franz Winterer, Klaus Winterer, Gerhard Himmelsbach und Kurt Weber für ihr großes Engagement für Schuttertal aus. Foto: Axel Dach

Der erste Frühlingsempfang in Schuttertal ist geglückt. Bürgermeister Matthias Litterst erinnerte die gut 200 Besucher an die Bedeutung einer konstruktiven Mentalität.

Der bislang wärmste und mutmaßlich auch sonnigste Tag des Jahres bot in der Bergdorfhalle Schweighausen die perfekte Kulisse für den ersten Frühlingsempfang der Gemeinde. Die hatte das Format vom Januar in den März verschoben – und das kam an, die Rathausmitarbeiter mussten sogar nachstuhlen. Der Musikverein Schweighausen eröffnete den Vormittag, bevor Bürgermeister Matthias Litterst zu einer gewohnt eindrücklichen Ansprache ansetzte.

 

Das „Mindset“: Litterst spitzte in seiner Rede einen Gedanken zu, den er schon im vergangenen Jahr geäußert hatte. „Er könnte aktueller nicht sein“, sagte er eine Woche vor der Landtagswahl und führte aus: „Wir stehen als Gesellschaft an einem Punkt, an dem nicht nur Programme, Zahlen und Schlagzeilen zählen, sondern vor allem unsere Einstellung.“ Der Bürgermeister bezog sich dabei auf das „Mindset“, also „die innere Entscheidung, ob wir uns vom Pessimismus treiben lassen – oder ob wir Verantwortung übernehmen und nach vorne schauen. Ob wir zuerst das Haar in der Suppe suchen – oder ob wir das Gemeinsame sehen und dann anpacken.“ Negatives „Mindset“, so Litterst deutlich, sei „Nährboden für die extremen Ränder“, die versuchen, die Gesellschaft zu spalten. Statt zu denken „Bringt doch eh alles nichts“, sollte man sich sagen „Wir packen das an“ – und diese Einstellung auch nachfolgenden Generationen vorleben. „Mit der richtigen Einstellung entsteht Handlungsspielraum, wo vorher nur Blockade war.“

Pflegeheim-Übernahme als Beispiel fürs richtige Mindset

Rückblick:Schuttertal hat in Littersts Augen im vergangenen Jahr in mehrfacher Hinsicht bewiesen, wie es laufen sollte: „Ein Jubiläumsjahr der Superlative liegt hinter uns – ein in mehrerlei Hinsicht historisches Jubiläumsjahr, getragen von einer besonderen Einstellung, einem besonderen Spirit“, blickte er auf 800 Jahre Dörlinbach zurück. Ganz besonders hob er die Vereine in allen drei Ortsteilen hervor, die Jahr für Jahr bei Veranstaltungen anpacken – ob es bequem ist oder nicht. Nicht aussparen durfte Litterst die Entwicklung rund um die Zukunft des Pflegeheims St. Hildegard in Seelbach. Als LitterstJonas Kenk erstmals traf, habe er ihn gefragt: „Stimmt es, dass man dieses Pflegeheim nicht wirtschaftlich betreiben kann?“ Die Antwort sei klar gewesen und ohne Zögern gekommen: „Nein, das stimmt nicht. Wir wollen das machen hier im Tal.“ „Das ist richtiges Mindset“, sprach Litterst an die Gäste gewandt, die dem anwesenden Jonas Kenk und seinem Vater Edgar Kenk sogleich einen Sonderapplaus spendierten.

Ausblick: Anschließend leitete Litterst über zu den Themen, die die Gemeinde 2026 anpacken werde. Der zweite Teil der Sanierung der Trinkwasserleitung in Dörlinbach stehe an, ein „Herzensprojekt“ sei das Mindestflurkonzept, über das die Schuttertäler Landwirte „potentere Förderungen“ für die teils schwierige Bewirtschaftung ihrer Flächen bekommen sollen. Litterst kündigte zudem die Sanierung der Schule Schweighausen, ein gärtnergepflegtes Urnengrabfeld im Bergdorf sowie die Erneuerung der Radwegbrücken im Obertal an. Ein neues Gemeindeentwicklungskonzept soll definieren: „Wie soll Schuttertal in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren aussehen?“ Ebenfalls neu: Die Gemeinde will in den Sozialen Medien präsent sein. Für die Sanierung der Sporthallen werde man Mittel aus der „Sportmilliarde“ beantragen, die Erneuerung der Sportplätze in Dörlinbach und Schweighausen habe man dank eines gemeinsamen Konzepts der beiden Vereine in die Wege leiten können. Thema Windkraft: Es seien zwar einige Vorrangflächen rund um das Schuttertal gestrichen worden, den Kampf gegen die verbliebenen werde man fortführen. „Weiter fordern wir unsere Nachbarkommunen eindringlich auf, nicht gegen unseren Willen zu planen“, schickte Litterst unter großem Applaus unter anderem Richtung Ringsheim und Kappel-Grafenhausen, die ihr Vorhaben am Streitberg vorantreiben.

Nahversorgung wird eine Herausforderung

Das angesprochene „Mindset“ werde man beim Thema Nahversorgung in Dörlinbach brauchen. „Die Bereitschaft vieler, eine Lösung nicht nur zu fordern, sondern Teil davon zu sein und sie mitzutragen“, sei nötig. Littersts abschließender Appell: „Gehen wir mit dem richtigen Mindset ins Tun – und bringen wir Schuttertal gemeinsam mit Mut und Tatkraft voran.“

Die Fußballer der SG Dörlinbach Schweighausen II, die Mädchenmannschaft des TTC Seelbach-Schuttertal sowie die Schuttertäler Ringer erhielten Ehrungen. Foto: Axel Dach

Ehrungen für engagierte Schuttertäler: Wer Inspiration dafür braucht, erhält diese bei fünf Menschen, die für bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet wurden. Zuerst bat Litterst „Misses Ehrenamt“, Andrea Fehrenbacher, auf die Bühne. Die Gemeinderätin ist seit 2012 Vorsitzende der Bremsdorfer Narrenzunft Dörlinbach, Kassiererin beim RSV Schuttertal, in die Organisation des „Mai hoch zwei“-Events eingebunden, „also in allen drei Ortsteilen unterwegs“, lobte Litterst. Beim Ortsjubiläum war sie Vorsitzende des Organisationskomitees, nun ist sie Mitinitiatorin des Arbeitskreises Nahversorgung Dörlinbach. Grund genug ihr, die Sport- und Kulturmedaille in Gold zu verleihen.

Es folgte „Mister Kommunalpolitik“: Kurt Weber erhielt für seine 20-jährige Tätigkeit im Gemeinderat die Ehrennadel des Gemeindetags. „Ein ganz besonders wichtiger Ratgeber“, würdigte Litterst seinen Bürgermeister-Stellvertreter.

Der Musikverein Schweighausen umrahmte den Frühlingsempfang. Foto: Axel Dach

Lange im Gemeinderat und dort „die Stimme der Gewerbetreibenden“ war Klaus Winterer. „Mir war nicht immer wohl, wenn ich den Namen auf dem Handy-Display las“, gab Litterst zu. Doch Winterer sei stets ein „offener und fairer Mitstreiter“ gewesen. Für 25 Jahre im Gemeinderat, davon 15 Jahre als Bürgermeister-Stellvertreter, und Vorstandsengagement im CDU-Ortsverband, den „Säcklistreckern“ sowie dem Radfahrverein erhielt er die Bürgermedaille.

„Bekanntester Busfahrer des Landes“ wird geehrt

Diese ging auch an Gerhard Himmelsbach, den „wohl bekanntesten Busfahrer des Landes“, wie Litterst ihn nannte. Die „lebende Legende“ war zehn Jahre Bürgermeister-Stellvertreter, der „Fürsprecher der Vereine“ im Rat, engagiert für Flüchtlinge, Befürworter der Pfarrscheune und Initiator der Sanierung dreier Buswartehäuschen, zählte Litterst auf.

Besondere Gäste in der ersten Reihe (von links): Edgar und Jonas Kenk, Sarah und Michael Moser, Bernhard und Sabine Himmelsbach. Foto: Axel Dach

Zuletzt ehrte die Gemeinde Franz Winterer, der an diesem Vormittag mit dem Musikverein Schweighausen auf der Bühne spielte, ebenfalls mit der Bürgermedaille. „Große Verdienste um den Pfarrgemeinderat“, attestierte ihm Litterst, vor allem nach dem Brand in der Kirche St. Romanus im Jahr 2004. Er war zehn Jahre Vorsitzender des Pfarrgemeinderats, zudem 26 Jahre lang stellvertretender Vorsitzender im Musikverein.

Alle Geehrten nahmen die Urkunde mit Dank entgegen, anschließend klang der erste Frühlingsempfang bei Gesprächen, Getränken und Häppchen aus. Für einige Anwesende ging es gleich weiter nach Seelbach zur Feier für den Erhalt des Pflegeheims.

Sportlerehrungen

Ausgezeichnet mit der Sport- und Kulturmedaille in Silber wurden die zweite Mannschaft der SG Dörlinbach-Schweighausen, die Jugendmannschaft des RSV Schuttertal und die U 15-Mädchenmannschaft des TTC Seelbach-Schuttertal für ihre Meisterschaften. Für ihre Erfolge im Tischtennis wurden Annika und Lena Heuberger, Evi Hummel, Amalia Keller, Emma Spannagl und Jule Dold geehrt. Die Ringer Luca Kappus, Luca Munz, Adam Mezhi, Marvin Kürz, Elias Griesbaum, Felix Himmelsbach, Bennet Schrempp, Leon Klumpp und Luan Lauer erhielten eine Auszeichnung, ebenso Hundesportler Dirk Wernet.