Der Erste Bürgermeister von Albstadt, Roland Schmidt, ist seit gut 100 Tagen im Amt. Foto: Bender

Roland Schmidt ist seit gut 100 Tagen als Erster Bürgermeister der Stadt Albstadt im Amt. Welche Schwerpunkte er im Bereich Bauen setzen will, berichtet er im Interview.

Mit großer Mehrheit wurde Roland Schmidt am 26. Juni vom Gemeinderat zum Ersten Bürgermeister der Stadt Albstadt gewählt. Er trat seine Stelle zum 1. September an und ist mittlerweile gut 100 Tage im Amt. Anlass genug, um mit dem 55-jährigen Familienvater ins Gespräch zu kommen. Als Baudezernent hat er in Albstadt alle Hände voll zu tun, schließlich gehören der Stadt weit über 200 Liegenschaften. Keine einfache Aufgabe in Zeiten knapper Kassen.

 

Roland Schmidt ist in der Kommunalpolitik freilich kein Unbekannter. Vor dem Amtsantritt in Albstadt leitete er ein Jahr lang das Bauamt der oberbayerischen Gemeinde Gröbenzell nahe Fürstenfeldbruck, die rund 20 000 Einwohner zählt. Zuvor war er knapp drei Jahre als Stadtbaumeister in Bad Saulgau tätig, davor vier Jahre lang in gleicher Funktion in Gersthofen bei Augsburg. Sein Weg in die Verwaltung führte ihn über ein Studium an der Technischen Universität Kaiserslautern.

Als Roland Schmidt in Albstadt gewählt wurde, versprach er dem Gremium, mit viel „Neugierde, Mut, Vertrauen und Tatkraft“ ans Werk gehen zu wollen: „Ich finde, das ist eine gute Basis, um die Stadt weiterzuentwickeln.“ Angehen wolle er alles mit Bedacht und nachhaltigem Gedanken, ließ er im Juli verlauten und lieferte gleich Beispiele. So wolle er den Fokus auf Neubauten legen und einen sinnvollen Umgang mit Bestandsgebäuden pflegen. Er sei der Meinung, dass man nicht billig bauen dürfe und sich am Markt vernünftig behaupten müsse, ließ er damals wissen. Und heute? Wie sieht es nach gut 100 Tagen im Amt aus? Wir haben nachgefragt.

Herr Schmidt, wie haben Sie sich mittlerweile in Albstadt eingelebt? Wie wurden Sie im Rathausteam aufgenommen?

Die Aufnahme bei den Kollegen, sei es in Ebingen oder in Tailfingen oder aber auch bei den Betrieben, Außenstellen und Ortsteilen war ausnahmslos offen und herzlich!

Was schätzen Sie an Albstadt und den Einwohnern?

Albstadt, seine Stadtteile und auch die Einwohner sind sehr originale, eindrückliche Charaktere. Die bewegte Geschichte, die euphorischen Hochphasen, aber auch die Niedergänge und Talsohlen im übertragenen Sinne haben sich im kollektiven Gedächtnis der Stadtgesellschaft eingebrannt und spiegeln sich im Handeln der Individuen durchaus wider. Die Menschen sind erfrischend mutig, pragmatisch und zukunftsgewandt. Und scheinen eben sehr krisenfest.

Gab es schon eindrückliche Begegnungen?

Eindrückliche Begegnungen hatte ich bereits zuhauf, ist doch die individuelle Ausprägung der Mitbürger geradezu ein „Markenzeichen“ meiner neuen Heimat.

Wo sehen Sie bei Ihrer Arbeit die größten „Baustellen“?

Hauptaufgabe wird sein, die vielen losen Enden von bereits begonnen Planungen und Überlegungen zu einem festen Seil zu „drillen“, an dem dann die Akteure der Stadtgesellschaft gemeinsam ziehen. Selbstredend dann in eine Richtung. Hier ist natürlich nicht nur die bauliche Dimension gemeint, sondern auch Kultur, Sport, Tourismus, Wohnen und vor allem auch unser Handel und das Gewerbe. Eben ein Chancenplan für Albstadt!

Konnten Sie sich überhaupt schon einen Überblick verschaffen?

Ja, ich habe bereits einen Überblick, auch wenn ich noch nicht in jeden reizvollen Winkel spähen konnte. In jedem Sinne.

Welche Erfahrungen bringen Sie aus Ihrem bisherigen Berufsleben mit?

Ich definiere meinen beruflichen „Wert“ vor allem über meine vielfältigen Erfahrungen. Sei es als freiberuflicher Ingenieur oder auch als Führungskraft in der Verwaltung. Diese Erfahrungen bilden einen ganz wesentlichen „Schatz“, aus dem ich doch sehr vieles auch hier in Albstadt verwenden kann. Jedoch birgt mein Tun in verschiedenen Kommunen durchaus auch die Chance des „Blickes von Außen“, verbunden mit dem Wissen über des „Tun der Anderen“ (welches ja nicht per se schlecht ist und hier vielleicht angewendet werden kann!).

Was sind Ihre Schwerpunkte? Was ist Ihr „Steckenpferd“ und wieso?

Schwerpunkt eins ist die ganzheitliche, multidimensionale Stadtentwicklung (der vorhin erwähnte Chancenplan). Schwerpunkt zwei ist eine Personalentwicklung in meinem Dezernat, die eine Übernahme von Verantwortung auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglicht, die den Generationen angehören, die letztendlich unsere Planungen „aushalten/bespielen müssen“. Das heißt, ich strebe eine ausdrückliche Verjüngung der Führungsmannschaft an, weil ich es für ungut halte, dass momentan vor allem „wir Alten“ bestimmen, aber „die Jungen“ unsere Entscheidungen quasi „ausbaden“ müssen. Nur, weil die ältere Generation oft in den Positionen ist, die die Entscheidungen treffen.

Mein Steckenpferd ist der Stadtraum Friedhof mit seinen vielfältigen Funktionen für die Stadtgesellschaft (Bestattung, Biotop, Aufenthalt, Freizeit, Visitenkarte, Freiluftskulpturenschau, Trauerort) sowie die sakrale Architektur dort. Meine Diplomarbeit im Jahr 1997 befasste sich mit „Urbanes Bestatten“ – Zukunftsszenarien des zukünftigen Bestattens in Deutschlands Städten.

Was kann Sie aus der Ruhe bringen?

Aus der Ruhe bringt mich öfters mal der Roland Schmidt mit seiner Beharrlichkeit.

Gibt es ein Credo, nach dem Sie agieren?

Mein Credo: Es gibt im Moment der Entscheidung kein „richtig“ und kein „falsch“. Es gibt nur die Entscheidung, die man trifft oder auch nicht. Ob richtig oder falsch weiß man vielleicht eine Millisekunde später – oder in 20 Jahren – je nachdem. Mein Lebensmotto ist ein weniger bekannter Kant´scher Imperativ: Sapere Aude – Wage zu wissen! Das Motto der Aufklärung.