Mehr als ein Jahr lang ließ sich kein Wolf mehr im Kreis Calw nachweisen. Nun machte wieder einer Beute. Wir haben zusammengestellt, wo die Tiere seit 2017 Spuren hinterlassen haben.
Auf leisen Pfoten befindet sich der Wolf seit langem im Vormarsch im Land. Und im Kreis Calw. Bemerkbar macht er sich dagegen vergleichsweise selten.
Seit im Juni 2015 das erste Exemplar tot in Mahlberg im Ortenaukreis zwischen Freiburg und Offenburg aufgefunden wurde, verzeichnete das baden-württembergische Umweltministerium insgesamt 783 gesicherte Wolfsnachweise, durchschnittlich also gut 6,5 pro Monat – im ganzen Land.
Erster sesshafter Wolf seit rund 150 Jahren
36 dieser Nachweise erfolgten im Kreis Calw, der erste im November 2017 im Gebiet von Bad Wildbad. Es handelte sich um das Tier mit der Kennung GW852m, das als erster sesshafter Wolf in Baden-Württemberg seit rund 150 Jahren in die Geschichte eingehen sollte.
Und als Raubtier, das Ende April 2018 für Aufsehen sorgte, nachdem bei einer seiner Attacken auf Nutztiere mehr als 40 Schafe umkamen.
Seitdem ist viel Zeit vergangen. 19 mal wurde GW852m bis heute genetisch nachgewiesen, bei 16 sicheren Nachweisen war eine genaue Bestimmung des Individuums nicht möglich; oft, weil es sich um Fotografien handelte.
Plötzlich wurde es still
Ein weiterer Wolf wurde im September 2023 bei Neubulach genetisch bestimmt, der den Namen GW3640m erhielt. Experten gehen davon aus, dass er aus der Alpen- oder italienischen Population stammt.
Dieses Tier befand sich jedoch möglicherweise nur auf der Durchreise; wenige Tage später wurde es in der Gemeinde Hinterweidenthal in Rheinland-Pfalz nachgewiesen.
Vor rund eineinhalb Jahren wurde es dann plötzlich still im Kreis Calw. Der letzte gesicherte Hinweis auf einen Wolf stammte aus Bad Wildbad, vom 19. Dezember 2023. Um welches Tier es sich handelte, ließ sich nicht ermitteln.
„Ob er das Gebiet weiterhin nutzt, ist uns nicht bekannt“
Fest steht: GW852m war weiter im Nordschwarzwald, Spuren fanden sich etwa im benachbarten Landkreis Rastatt bei Gernsbach oder im Landkreis Freudenstadt bei Baiersbronn. Dass das Territorium des Wolfs sich aber nach wie vor auch auf Teile des Landkreises Calw erstrecke, bestätigte das Landesumweltministerium auf Anfrage unserer Redaktion Anfang des Jahres.
Doch „ob er das Gebiet weiterhin nutzt, ist uns nicht bekannt“, hieß es damals seitens der Pressestelle. Das Monitoring mit Fotofallen oder der Suche nach Kot werde nicht flächendeckend umgesetzt. Daher seien die genauen Aufenthaltsgebiete der einzelnen Wölfe nicht immer aktuell bekannt.
Die Frage, ob GW852m den Kreis Calw mittlerweile möglicherweise meidet – zuletzt wurde das Tier im Juni 2022 in Enzklösterle sicher nachgewiesen –, stand im Raum. Nun ist sie beantwortet.
Wie das Umweltministerium dieser Tage mitteilte, gab es vor Kurzem gleich zwei Nachweise des Wolfsrüden – einer davon erfolgte sogar in einem Gebiet, wo das Tier bislang nie (sichere) Spuren hinterlassen hat: in Bad Herrenalb. Dort wurde am 18. März ein gerissenes Wildtier (Rotwild – Alttier) entdeckt, an dem der genetische Abdruck des Tieres gesichert wurde. Am 29. März fand sich Kot von GW852m bei Bad Wildbad.
Häufigste Beute: Rotwild und Rehe
Wie das Umweltministerium im Januar erklärte, ernährten sich Wölfe zu mehr als 90 Prozent von Wildtieren. Nutztiere machten nur einen geringen Anteil der Nahrung aus – allerdings einen Teil, der aus nahe liegenden Gründen am schnellsten und häufigsten von Menschen registriert wird. Die häufigste Beute seien Rotwild und Rehe.
Seit 2017 gab es 15 sichere Nachweise auf einen Wolf aus dem Gebiet von Bad Wildbad, zwölf aus Enzklösterle, jeweils zwei aus Neubulach, Simmersfeld und Neuweiler sowie jeweils einen aus Dobel, Bad Teinach-Zavelstein und Bad Herrenalb.
Neben GW852m gibt es seit Anfang des Jahres 2024 übrigens auch einen zweiten sesshaften Wolf im Nordschwarzwald: GW2672m. Dieser wurde allerdings bislang nie im Kreis Calw nachgewiesen. Dafür unter anderem mehrfach bei Forbach im Kreis Rastatt, nur wenige Kilometer von der Grenze zum Kreis Calw entfernt.