Sieht so Roland Tralmers Vision vom Albstadt der Zukunft aus? Sein Bildschirmhintergrund zeigt Downtown New York, fotografiert von der Spitze des Empire State Building . Tralmer hat die Aufnahme selbst gemacht – an seinem 50. Geburtstag. Foto: Kistner

Der erste Arbeitstag von Albstadts neuem Stadtoberhaupt Roland Tralmer war durchgetaktet – wie auch seine nächsten Wochen. Das Zauberwort lautet angesichts der angespannten Finanzlage „Priorisieren“.

Um Punkt 8.30 Uhr trat Albstadts neuer Oberbürgermeister Roland Tralmer seinen ersten Arbeitstag im Rathaus angetreten. „Noch ohne eigenen Schlüssel, den bekomme ich erst im Laufe des Tages. Aber trotz herausfordernder Zeiten mit einer Portion Optimismus und wenig Nervosität.“ Seine erste Amtshandlung: „Ich habe alle Mitarbeiter, die mir auf dem Weg ins Büro begegnet sind, erstmal mit Handschlag begrüßt.“

 

Start in den Tag mit zwei Tassen Kaffee

Lediglich mit zwei Tassen Kaffee – Tralmer ist kein Frühstücker – sei er in den Tag gestartet, der mit internen Terminen durchgetaktet war. Eine Amtsleiterbesprechung am Nachmittag, zuvor wurden mit den städtischen Mitarbeitern die täglichen Routinen festgeleget. „Der Kalender für die nächste Wochen ist voll – trotz Pfingstferien.“ Frühe Feierabende: Fehlanzeige: „Ich werde nicht um 17 Uhr die Tür hinter mir ins Schloss fallen lassen.“ Der erste offizielle Auftritt als Albstädter Stadtoberhaupt in der Öffentlichkeit steht am Freitagabend beim Bürgerempfang der Stadt Meßstetten an.

Ein Kaltstart war der 1. Juni für Tralmer indes nicht. „Seit der Wahl am 19. März bin ich in die Grundsatzentscheidungen im Rathaus, deren Wirkung über den 1. Juni hinausgehen, eingebunden.“ Ferner habe man ihm bereits Zugänge zu den städtischen Servern verschafft.

Es wartet ein Berg an Aufgaben

Denn: Nach seinem Amtsantritt dürfe keine Minute ungenutzt verstreichen – in Albstadt gebe es genug zu tun. Da sei die angespannte Haushaltslage, die sich durch unerwartete Ausgaben bei der Sanierung der Ebinger Kirchgrabenschule und des Schulzentrums Lammerberg weiter zuspitze. Tralmer zieht es daher in Erwägung die für September geplante Haushaltsklausur vorzuziehen. Aber darüber will er sich erst mit den Gemeinderatsfraktionen verständigen.

Bürger zielgruppengerecht ansprechen

Womit das Stichwort Kommunikation gefallen ist: Bei der der Stadt Albstadt sei noch Luft nach oben. 33 Prozent OB-Wahlbeteiligung seien ein Alarmsignal; es müssten Mittel und Wege gefunden werden, die Bürger wieder für kommunalpolitische Themen zu interessieren, wenn nicht zu begeistern. Dafür will der neue OB zielgruppengerechte Kanäle nutzen. Er setzt auf soziale Medien und lässt seinen ersten Arbeitstag von Erdal Güler aus Obernheim filmen. Sein Ziel: Bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr soll die Wahlbeteiligung die der OB-Wahl deutlich übertreffen. Symptomatisch findet er, dass sich bereits beschlossene Maßnahmen zu einem seiner wichtigsten Wahlkampfanliegen – Sicherheit und Sauberkeit – bisher nicht wirklich herumgesprochen hätten. Neue Mitarbeiter seien eingestellt, und der kommunale Ordnungsdienst komme bald. „Das ist an vielen vorbeigegangen.“

Tralmers Grundsatz: „Ob Talgangbahn, Ausrichtung der Ebinger Innenstadt – deren Citymanagement GmbH noch in diesem kommen muss – oder Hallen: Ich werde mir die Argumente von Gegnern und Befürwortern anhören.“ Einen aus rein kommunalen Mitteln finanzierten Hallenneubau wird es mit ihm vorerst nicht geben; Antworten auf die Fragen nach Thalia-Theater und Festhalle sollen möglichst bald gefunden werden.

Das Themenspektrum ist gewaltig; wieder einmal bemüht Tralmer sein Mantra „Priorisieren“. Auch gewisse Standards müssten überdacht werden. „Wobei wir nicht von Wellblechhüttenniveau sprechen.“

Das Büro hat Tralmer umgestaltet. Auf dem Regal wacht der Heilige Saint-Yves – der Schutzherr der Juristen – und ein Zen-Garten zur Beruhigung Foto: Kistner

Über Tralmer wacht der Schutzherr der Juristen

All diese Themen warten in den kommenden Jahren auf Tralmer – sein Büro hat er auch für stressige Tage und schwierige Entscheidungen gerüstet. Auf dem Regal steht ein Miniatur-Zen-Garten samt Harke, mit der Tralmer in Stresssituationen den Sand bearbeitet, um sich zu beruhigen. Daneben steht ein kleiner Saint-Yves aus der Bretagne – der Heilige hält seine schützende Hand über den neuen OB, ist er doch der Schutzpatron der Juristen. Und dann liegt da noch eine Klinge, geschmiedet von Tralmers Schwiegervater – er will damit aber nur Briefe öffnen.