Ein durchschnittlicher Haushalt verbrauche im Jahr etwa 120 bis 150 Kubikmeter Wasser Foto: ©Guntar Feldmann - stock.adobe.com

Das Trinkwasser in Bad Herrenalb wird teurer – zum ersten Mal seit 2017. Das passt nicht jedem. Die Stadtwerke kontern die Kritik des Ex-Stadtbaumeisters Reimund Schwarz.

Die Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH passt den Wasserpreis an. Seit 2017 hätten die Preise für Trinkwasser trotz steigender Anforderungen stabil gehalten werden können, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtwerke. Aufgrund deutlich gestiegener Kosten sei nun „eine moderate Preisanpassung“ erforderlich.

 

Nach der Veröffentlichung meldete sich Reimund Schwarz bei unserer Redaktion. Schwarz war bis 2022 Stadtbaumeister in Bad Herrenalb.

Er ist zudem bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

In seinem Abschiedsinterview mit unserer Redaktion sagte er so unter anderem: „Es gab Gelegenheiten zur positiven Stadtentwicklung, die andere Städte mit Handkuss wahrgenommen hätten. Hier in Bad Herrenalb reicht es aus, dass eine kleine Minderheit im Vergleich zur schweigenden Mehrheit unseren Gemeinderat dazu bewegen kann, eine ausdiskutierte und begründete Planungs-Absicht wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen.“

Keine prozentuelle Steigerung benannt

Zur Wasserpreis-Erhöhung bemängelt er, dass ganz bewusst darauf verzichtet werde, „die bisherigen Preise und die daraus ergebende prozentuelle Preis-Steigerung zu benennen.“

Der reine Verbrauchspreis steige von bisher 1,88 Euro pro Kubikmeter auf 2,08 Euro, das sei eine Steigerung um 10,6 Prozent. Der Grundpreis für jede Wohneinheit beziehungsweise für jeden Hauptwasseranschluss steige von bisher 60 auf 72 Euro, ein Plus von 20 Prozent. Und der Kostenbetrag für die Zählervorhaltung steige von bisher 60 auf 66 Euro, eine Steigerung um zehn Prozent, rechnet er vor.

Reimund Schwarz im Jahr 2020 in der Baustelle des Kindergartens Rotensol (Archivbild) Foto: Gegenheimer

Alleine durch die Grundpreiserhöhung würden die Stadtwerke bei von Schwarz geschätzten etwa 5000 Anschlüssen in Bad Herrenalb rund 60 000 EUR pro Jahr mehr über die bisherigen geschätzt etwa 300 000 Euro pro Jahr für Instandhaltung und Investitionen zur Verfügung haben, schätzt Schwarz und fragt: „Ist das Leitungsnetz so marode?“

Hier stellen sich Schwarz Fragen: „Wie soll der Konsument feststellen können, ob die Stadtwerke-Kalkulatoren die Kosten ‚bewusst auf das notwendige Maß begrenzt‘ haben wie in der Pressemitteilung behauptet, wenn die bisher erzielte Gewinnspanne nicht öffentlich aufgezeigt wird?“

Die Stadtwerke Bad Herrenalb hätten zwei potente Mitgesellschafter, „die an einer lukrativen Gewinnbeteiligung interessiert sind“, schreibt der ehemalige Stadtbaumeister weiter und fragt: „Warum werden diese Kostenanhebungen den Verbrauchern nicht direkt mitgeteilt und in der Pressemitteilung nur unzureichend dargestellt?“

Das sagen die Stadtwerke zur Preiserhöhung

Ausführlich antwortet Karina Herrmann, Geschäftsführerin der Stadtwerke GmbH auf die Anfrage unserer Redaktion: „Uns ist bewusst, dass Preisänderungen grundsätzlich kritisch betrachtet werden – gerade in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen.“ Daher hätte man alles daran gesetzt, „dass wir neun Jahre die Preise konstant halten konnten“ und seien davon ausgegangen, „dass die Bürger dies positiv bewerten. Dies scheint nicht der Fall zu sein.“ Die Stadtwerke hätten die Notwendigkeit, die Preisanpassung prozentual anzugeben nicht gesehen, da die 20-prozentige Erhöhung im Jahr zwölf Euro ausmache. Alleine die Personalkosten seien seit 2017 im Tarifvertrag um mehr als 20 Prozent gestiegen, so Herrmann weiter.

Viel weniger Anschlüsse in Bad Herrenalb

Zudem stimme die Zahl der von Schwarz genannten 5000 Anschlüsse nicht, „denn wir haben 2024 im Jahresabschluss 2098 Anschlüsse testiert bekommen“. Seit 2017 hätten die Stadtwerke mehr als 2,5 Millionen Euro in die Wasserversorgung investiert – und rund 1,6 Mio Euro folgen beziehungsweise seien bereits ausgegeben für 2025 und 2026. Dazu kämen die Kosten für die Instandhaltung, aber auch für die Wassergewinnung sowie Aufbereitung.

Herrmann stellt klar: „Wir investieren nicht, weil unsere Wasserversorgung marode ist, sondern weil wir unsere Wasserversorgung zukunftssicher aufstellen.“ Daher habe man auch zur Stabilisierung der Wasserversorgung eine Wasserleitung von Bad Herrenalb nach Bernbach verlegt, um dort bei Wasserknappheit die Versorgung sicherstellen zu können.

Ein Liter Trinkwasser kostet 0,26 Cent

Ein durchschnittlicher Haushalt verbrauche im Jahr etwa 120 bis 150 Kubikmeter Wasser. Herrmann rechnet vor: „Wenn wir 150 Kubikmeter annehmen, dann sprechen wir von einer jährlichen Gesamterhöhung von 48 Euro, was circa zwölf Kisten Mineralwasser kosten ohne Pfand.“

Die Stadtwerke liefern „365 Tage im Jahr, 24 Stunden, bestes und reinstes Quellwasser in die Häuser unserer Kunden. Umgerechnet kostet den Bürger ein Liter Trinkwasser bei uns 0,0026 Euro oder 0,26 Cent“, so Herrmann weiter.

Stadtwerke arbeiten nicht gewinnorientiert

Sie betont ausdrücklich: „Die Stadtwerke arbeiten nicht gewinnorientiert, sondern kostendeckend. Jeder Euro aus den Wasserentgelten fließt in Betrieb, Qualitätssicherung, Instandhaltung und Zukunftssicherung der Wasserversorgung. Die Preisgestaltung erfolgt unter kommunaler Aufsicht und basiert auf klaren wirtschaftlichen Kalkulationsgrundlagen.“

Auch mit der Anpassung bleibe Trinkwasser „eines der preiswertesten und am strengsten kontrollierten Lebensmittel“ und man werde „weiterhin alles dafür tun, Kosten effizient zu gestalten, Prozesse zu optimieren und den Menschen in Bad Herrenalb Wasser in höchster Qualität bereitzustellen“, so Herrmann abschließend.