Seit Januar gibt es den Eco-Markt in der Karlstraße. Inhaber Ismail Altun spricht über die Anfangsmonate, vielfältige Kundschaft und den Mut angesichts steigender Preise.
Datteln, Halva, Kreuzkümmelöl oder schier unendliche Mengen an Oliven sind nur ein paar der Dinge, die man im neuen Eco-Supermarkt in Donaueschingen findet. Vor allem Marken, die klassische Supermärkte kaum anbieten, erwarten einen hier. Der Laden hat Anfang Januar in der Karlstraße eröffnet. Er bietet nicht nur türkische, sondern allgemein mediterrane und inzwischen auch viele Produkte aus dem Balkan.
Inhaber Ismail Altun stammt aus Istanbul. Seit 22 Jahren ist er in Deutschland, hat hier eine Familie gegründet. Er betreibt noch zwei weitere Eco-Filialen in Spaichingen und Frickenhausen. Voraussichtlich im Mai soll ein vierter Standort in Oberndorf am Neckar öffnen.
„Wir müssen wachsen, um zu überleben“, sagt der 51-Jährige. Hohe Lebensmittelpreise machen seiner kleinen Supermarktkette zu schaffen.
2024 seien seine Einkaufspreise um fast 40 Prozent gestiegen, erzählt Altun beim Rundgang durchs Geschäft. Die Verkaufspreise habe er entsprechend anheben müssen. „Corona und der Ukraine-Krieg waren große Herausforderungen.“ 30 Prozent seiner Lieferanten kommen aus dem Ausland.
Mutig expandieren
Trotzdem ist er zufrieden mit dem aktuellen Preisniveau. Sein Laden biete vorrangig kleine Marken an, die er immer noch etwas billiger verkaufen könne. Damit das so bleibt, will er weiter mutig expandieren. „Ich habe das Gefühl, die Menschen sind dankbar, dass es uns gibt. Sie kommen teilweise von weit weg extra hierher.“
Jede Woche von Donnerstag bis Samstag bietet der Markt verschiedene Sonderangebote an. Großeinkäufe während dieser Angebotstage nähmen wegen der hohen Lebensmittelpreise zu, berichtet Altun.
300 bis 500 Kunden am Tag
Die Donaueschinger Filiale laufe gut, betont der Vater zweier Kinder. „Wir sind zufrieden, auch mit der Kundenanzahl.“ Zwischen 300 und 500 sind es am Tag, wobei Freitag und Samstag die stärksten Tage sind. Vor allem viele Schüler kommen ins Geschäft, aber auch ältere Leute kaufen im Eco-Markt ein.
Einer von Altuns Mitarbeitern erzählt von einer über 70-jährigen Kundin, die regelmäßig komme, weil sich in dem Gebäude schon zu ihrer Jugendzeit ein Supermarkt befand. Sie kaufe immer Süßigkeiten für ihre Enkelkinder.
Das Sortiment im Markt reicht von Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch über speziellere Produkte wie Öle, Teesorten, Oliven oder auch Kochutensilien. An türkischen Produkten biete sein Geschäft noch einmal mehr Auswahl als mittlerweile auch in größeren Supermarktketten zu finden sei, sagt Altun.
„Ein Ort der Begegnung“
Frische Zutaten und Hygiene sind ihm besonders wichtig. „Das schafft auch Vertrauen, wenn Leute sehen, wie wir hier arbeiten“, sagt der 51-Jährige. „Aber dafür müssen sie herkommen.“ Altuns Firma ist ein Familienbetrieb, der von gleich drei Familien geführt wird. Mit den Märkten wollen sie die Region von Oberndorf bis Konstanz abdecken.
Donaueschingen habe sich als Standort angeboten, erzählt Altun. Obwohl er selbst in Tübingen lebt, kennt er die Quellstadt bereits von früheren Besuchen mit seiner Familie und schätzt ihre Atmosphäre sowie die Touristen. Laufe sein Markt gut und kämen Kunden sogar von weiter weg, davon profitiere nicht nur er selbst: „Die Menschen gehen dann ja auch in die anderen Geschäfte.“
Gleichzeitig ist der türkische Supermarkt aber auch ein Treffpunkt, an dem unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. Unter der Woche kämen mehr deutsche als türkische Kunden, so Altun lachend. „Es ist definitiv ein Ort der Begegnung.“
Pachtvertrag für 15 Jahre
Essen sei immerhin Teil von Kultur und Küche beginne immer beim Einkauf. „Hier kann man sich austauschen und lernen, wie man was kocht“, sagt der 51-Jährige. Er selbst habe von Italienern viel über bestimmte Zutaten gelernt oder in Deutschland mehr über die schwäbische Küche erfahren.
Sein Pachtvertrag in Donaueschingen laufe mindestens 15 Jahre, erzählt Altun, während er durch die Gänge läuft. Er ist guter Dinge, dass der Laden sich auf Dauer halten kann. „Wir haben uns bisher stetig verbessert, trotz Herausforderungen wie Corona oder Kriege“, sagt er stolz. „Die Leute müssen uns einfach kennenlernen, müssen es ausprobieren.“
Lebensmittelpreise auf Rekordhoch
Verbraucherzentrale
Laut Verbraucherzentrale kosten Lebensmittel aktuell durchschnittlich etwa 30 Prozent mehr als noch 2021, auch wenn die Inflation sich mittlerweile verlangsamt hat. Verschiedene Faktoren beeinflussen den Preisanstieg, unter anderem gestiegene Energiekosten, internationale Konflikte, Arbeitskräftemangel oder auch Missernten durch den Klimawandel. Besonders stark angestiegen sind die Preise in den Produktgruppen Speisefette und -öle (+64,3 Prozent), Brot und Getreideerzeugnisse (+37,4 Prozent) und Fleischwaren (+35,4 Prozent).