Dilek Akdeniz (rechts) kann sich auf Susann Lehmann und die anderen Mitarbeiter verlassen. Foto: Cools

Dilek Akdeniz ist nun seit mehr als 100 Tagen Erste Beigeordnete der Stadt Oberndorf. Wie ist ihre Bilanz bisher? Wir haben mit ihr gesprochen.

Kaum war Dilek Akdeniz im Amt, wartete die erste Herausforderung auf die da noch frischgebackene Erste Beigeordnete der Stadt Oberndorf: neue Vorgaben zur Grundsteuer. Und die nächste sollte mit den Haushaltsberatungen gleich folgen.

 

Anfängliche Befürchtungen, die Arbeit als Erste Beigeordnete könnte im Vergleich zur früheren Arbeit bei der Polizei vielleicht etwas eintönig sein, waren damit schnell passé.

„An jedem Tag gibt es eine neue Überraschung. Manchmal muss ich mich nahezu stündlich auf neue Themen oder Probleme einlassen“, sagt die 38-Jährige, die in ihrer Freizeit Schlagzeug spielt, Sport treibt, reist und malt.

Kennenlernen und vernetzen

Neben der Bewältigung der Herausforderungen im Alltag lag der Ersten Beigeordneten erst einmal eines am Herzen: alle Organisationseinheiten im Rathaus kennenzulernen und sich mit den Kollegen zu vernetzen.

Und auch außerhalb des Rathauses konnte man Dilek Akdeniz schon oft begegnen – etwa beim Besuch des Bürgermeisters in den Ortschaftsräten. „Bei diesen jährlichen Besuchen möchte ich auch künftig immer dabei sein“, kündigt die Erste Beigeordnete an. Unabhängig davon könne man sie natürlich auch so jederzeit kontaktieren.

Parallelen zur Polizeiarbeit

Nach mehr als 100 Tagen im Amt sagt die Mutter eines zwölfjährigen Sohns über ihre neue Arbeitsstelle: „Ich bin glücklich, diesen Schritt gewagt zu haben“.

Und manches sei ihr bereits aus der Zeit bei der Polizei bekannt, das Ablagesystem beispielsweise. „Behörde ist eben Behörde“, sagt sie lachend.

Ihr Master im Bereich Public Administration habe sie gut auf die jetzige Stelle vorbereitet. Wenn aber doch noch etwas unklar sei, könne sie die Mitarbeiter im Rathaus stets löchern. „Die sind in ihren Bereichen echte Fachkräfte. Das hilft enorm.“

Was ihr ebenfalls aus der Zeit bei der Polizei zugute komme: die Erfahrung, sich schnell auf neue Situationen einstellen zu müssen und lösungsorientiert zu arbeiten.

Digitalisierung fortführen

Was die 38-Jährige 2025 in Oberndorf gern antreiben möchte, ist die Digitalisierung. Da sei man, was Dienstleistungen für den Bürger angehe, schon weit. In der Kämmerei könnte ein vollständig elektronischer Rechnungsworkflow zur Erleichterung der Arbeit beitragen und auch mehr mobiles Arbeiten ermöglichen, sagt sie.

Zu Dilek Akdeniz’ Aufgabenbereich zählen neben den Finanzen aber auch die Eigenbetriebe, die Wirtschaftsförderung, die Gebäudeverwaltung und die Liegenschaften unter anderem.

So strikt, wie es der Geschäftsverteilungsplan vorsehe, seien die Themenbereiche aber oft nicht zu trennen. Beim Thema Liegenschaften stehe man beispielsweise oft in engem Kontakt zu den Mitarbeitern aus dem Bereich Hochbau. Starre Strukturen aufzubrechen und zur Bildung eines großen Gesamtteams beizutragen, liegt der 38-Jährigen am Herzen.

Ausgleich ist schwierig

Eine der größten Herausforderungen, die sie auch im kommenden Jahr begleiten wird, ist der Haushaltsplan – genauer gesagt: der Ausgleich des Ergebnishaushalts. Von Bund und Land bekomme man viele Pflichtaufgaben aufgedrückt, beispielsweise die Ganztagsbetreuung an Grundschulen, und erhalte aber nicht ausreichend Mittel zur Finanzierung.

Da helfe es ungemein, Global Player in Oberndorf zu haben. Diese ließen sie positiv in die Zukunft blicken, sagt Akdeniz. Bestehende und neue Unternehmen für den Standort Oberndorf zu begeistern und Erweiterungen zu ermöglichen, sei eine wichtige Aufgabe.

Ein gut bestelltes Feld hinterlassen

Insgesamt profitiere sie bei ihrer Arbeit ungemein davon, dass ihr Vorgänger Lothar Kopf die Finanzen unter Kontrolle gehabt und ihr ein „gut bestelltes Feld“ hinterlassen habe, sagt Dilek Akdeniz. Kopf sei ein „Macher-Typ“ gewesen. Das gefalle ihr. Sie wolle an diese Performance anknüpfen und sei sehr dankbar für das in sie gesetzte Vertrauen.

Die Chance, frisch dabei und dadurch noch nicht „betriebsblind“ zu sein, wolle sie nutzen, um Abläufe in Nuancen zu optimieren. „Was aber nicht heißt, dass ich überall meinen Stempel aufdrücken muss.“

Acht Jahre sind kaum genug

Genug zu tun hat Dilek Akdeniz allemal. „Acht Jahre im Amt klingen erst einmal lang. Um begonnene Projekte zu vollenden, ist das aber eigentlich wenig Zeit“, findet sie. Allein die Talplatzsanierung und das Thema Hochwasserschutz würden viele finanzielle und personelle Ressourcen im Rathaus binden.

Da komme dann auch die zweite große Herausforderung ins Spiel: der Personalmangel. „Effizienz und Dynamik sind nur möglich, wenn wir eine schnelle Stellenbesetzung schaffen“, ist sie überzeugt. Sie hofft, dass so manche Lücke 2025 gefüllt werden kann.

Gemeinsam für die Stadt

Das Thema wertschätzende Mitarbeiterführung ist Dilek Akdeniz wichtig, wie sie sagt. Was das angehe, so habe sie sich viel von den Führungskräften im Oberndorfer Polizeirevier abgucken können. Das Miteinander dort sei beispiellos gewesen.

Daher ist eine weitere Hoffnung für 2025, dass im Rathaus in Oberndorf wie bisher weiterhin freundlich und transparent kommuniziert wird und Teamverständnis und Zusammenhalt weiter gestärkt werden können – motiviert von dem einen gemeinsamen Ziel: das Beste für die Stadt zu erreichen.