Mit stehendem Applaus belohnten die Zuhörer in der voll besetzten Philipp-Matthäus-Hahn-Kirche die Akteure der ersten Albstädter Bach-Nacht. Foto: Karina Eyrich

Bei der ersten Albstädter Bach-Nacht haben die Gäste in der Philipp-Matthäus-Hahn-Kirche nicht nur viel über den Meister aller Klassen gelernt, sondern tolle Musik gehört.

So viele Zuhörer hätte Hans-Jörg Roth, Initiator, Moderator und Motor der ersten Albstädter Bach-Nacht, selbst nicht erwartet: Die Philipp-Matthäus-Hahn-Kirche saß voll, im Schiff wie auf der Empore, denn die Crème de la Crème der Musiker aus Albstadt huldigte dem Meister aller Klassen, dem vielleicht größten Genie der Musikgeschichte.

 

„Dass man so schön singen kann, hätte ich heute Mittag noch nicht gedacht“, sagte Roth über Sopranistin Johanna Maute, eine der vielen Solisten, zu denen auch die Organisten Bernd Koch, Oliver Geiger und Rudolf Hendel – er brachte sein Cembalo mit – gehörten. Hans-Peter Merz war außerdem als Dirigent im Einsatz, als der SchmEyBach-Chor und das SchmEyBach-Ensemble brillierten: Mit Schmiecha und Eyach hat Albstadt bekanntlich zwei Bäche – daher der Name – und im Logo der Bach-Nacht, die nach einer Neuauflage ruft, hatte Anette Ganter diese auch optisch untergebracht.

Die Solisten ragten heraus

Weitere Solisten ragten heraus: Tenor Gunnar Schierreich, Cellistin Friederike Beuchel, Gayle Meintel an der Oboe, Andreas Conzelmann, Tobias Schick, Markus Gloksin und Charly Bitzer an den Trompeten, Jutta Maute an der Violine und Bettina Leichtle, die auf ihrer Querflöte die Gigue aus der Bartita c-Moll BWV 997, das wunderschöne „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur BWV 1068 und die Badinerie aus der Orchestersuite Nr. 2 in h-Moll BWV 1067 interpretierte, drei der bekanntesten Stücke Johann Sebastian Bachs, der als „junger Wilder“ Kontraste zum „Wohltemperierten Klavier“ komponiert hatte.

(Fast) alle Akteure sind Albstädter Eigengewächse

Kein Wunder, dass Roth sich wunderte, „wie man so schnell spielen kann“, als Mirjam Schumacher im Wechsel mit Rudolf Hendel am Cembalo mit ihrer Blockflöte zauberte. Sie war die einzige Akteurin, die nicht aus Albstadt kam, sondern aus dem „Vorort“ Bitz, wie Roth augenzwinkernd verkündete. Alle anderen: Eigengewächse. Alle? Nicht ganz: Den großartigen Cellisten Gregor Babica kennt Roth aus seiner Münchener Zeit. Er hatte am meisten zu tun am Samstagabend, veredelte viele Stücke mit seinem ebenso gefühlvollen wie technisch brillantem Spiel und verbreitete Wärme in der violett erleuchteten Kirche mit drei wunderschönen Sätzen aus der Cello Suite Nr. 4 in es-Dur BWV 1010, die das Publikum mit „Bravo“-Rufen kommentierte.

Einen wichtigen Beitrag zum Gesamtkunstwerk leisteten außerdem die Blechbläser des Ensembles „Messingrüssel“, in dem der Jüngste die Tuba, das größte Instrument, spielte, und die Ökumenische Blockflötengruppe von St. Elisabeth, die als einziges Ensemble gesagt hätten: „Wir machen mit“, verriet Roth. Obwohl Bach nie etwas für Blockflöten geschrieben habe.

So servierten die Akteure in drei Blöcken, zwischen denen die evangelische Kirchengemeinde die Gäste am Buffet verwöhnte, Bachs schönste Musik in ihrer ganzen Bandbreite und Hans-Jörg Roth teils kuriose Informationen dazu. „Er tobt seine Liebe zu Bach regelrecht aus“, kommentierte Jens Boss von der evangelischen Kirchengemeinde. „Wir alle kannten Bach, aber jetzt kennen wir ihn noch viel besser.“

Der stehend spendierte Applaus eines hingerissenen Publikums war die Antwort auf Roths Aufforderung: „Wenn es Ihnen gefallen hat, bestärken Sie uns, dass es eine zweite Bach-Nacht geben soll.“ Das Applausometer schlug mit Wucht durch die Decke – aus der Nummer kommt Roth nicht mehr raus ohne Neuauflage.

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