Vor der Fasnet sperrte die Stadt in den Innenstädten von VS die Bänke ab. Nach Spott folgte der Abbau der Absperrungen – und dann eine klare Verschlimmbesserung, meint unser Autor.
Wer zu Beginn der Woche ins Städtle ging, dem fiel nicht zuerst das Blau-Weiß der Fähnle über den Straßen ins Auge, sondern viel mehr das Rot-Weiß der vielen Absperrbaken. Passanten staunten nicht schlecht: Jede einzelne Bank in den Innenstädten – genauer: entlang der Umzugsstrecken in Villingen und Schwenningen – war feinsäuberlich eingezäunt. Gleiches galt für entsprechende Spielgeräte.
Was hatte es damit auf sich? Bei großem Andrang könnten Bänke und Spielgeräte übersehen und so zu Stolperfallen werden, lautete die Begründung aus der Stadtverwaltung. Und: „Die Maßnahmen dienen dem Schutz der Fasnetbesucher und sollen eine schöne und reibungslose Fasnet sicherstellen.“
Nachvollziehbar ist der Gedanke: Wo viele Menschen unterwegs sind, wächst das Risiko. In Zeiten einer oft bemühten Vollkaskogesellschaft müssen sich Veranstalter vor Klagen nach möglichen Zwischenfällen wappnen.
Gleichzeitig sorgte die neue Ordnung bei manchem Betrachter für Verwunderung. Denn an die Stelle der Bänke traten Absperrelemente mit breiten Standfüßen – Hindernisse, die ebenfalls im Weg standen und im Gedränge zu Stolperfallen werden konnten. Mehr noch: Der bei Umzügen ohnehin teils knappe Platz wurde durch die wuchtigen Absperrungen weiter verengt. Für viele ein klarer Fall von Verschlimmbesserung. Mal ganz abgesehen davon, dass damit plötzlich jede Sitzgelegenheit in der Innenstadt fehlte – auch dann, wenn sich gerade kein Umzug durch die Stadt schlängelte.
Hämische Kommentare in sozialen Medien
In den sozialen Medien waren die Absperrungen, die erstmals in diesem Umfang umgesetzt worden waren, rasch Thema. „Villingen-Schwenningen rüstet sich für den Umzug“, hieß es dort – froh sei man, dass „die brutale Parkbank“ und „das gefährliche Kiddy Ride“ nun eingezäunt seien.
Andere sahen die Einrichtungen als „kleine Partyinseln“ unter dem Motto: „Get your own Fasnetlounge“. Mit ein bisschen Dekorationsmaterial und reichlich Getränken könne man in seiner eigenen Partybox feiern. Die Stadt dürfte angesichts solcher Ideen hellhörig geworden sein – ergeben sich da für die nächste Fasnet neue Einnahmequellen?
Sicherheitskosten steigen
Letztlich blieb bei vielen vor allem Kopfschütteln. Denn angesichts solcher Maßnahmen – egal ob der Stadt auferlegt oder aus der eigenen Amtsfeder entsprungen – braucht man sich nicht zu wundern, dass die Sicherheitskosten in das Unermessliche steigen und Veranstalter irgendwann abwinken.
Die Absperrungen stehen damit exemplarisch für eine Entwicklung, die Veranstalter seit Jahren beschäftigt: Sicherheitsauflagen werden detaillierter, umfangreicher – und teurer. Die Frage ist nur, wo die Grenze verläuft zwischen notwendiger Vorsorge und übertriebener Absicherung.
Standfüße als große Stolperfalle
Offenbar blieb die Diskussion nicht ungehört. Am Mittwochmorgen folgte die Order: Die Absperrungen sollten wieder verschwinden – zumindest teilweise. Und so lieferte selbst der Rückbau die nächste Pointe. Die Bank ist nun wieder zugänglich, das Absperrelement steht trotzdem noch davor, und die wuchtigen Standfüße liegen als Stolperfalle frei im Laufweg. Das ist die nächste Stufe der Verschlimmbesserung – und lässt einen ratlos zurück.
Hinweis der Redaktion: Am Mittwochnachmittag lässt die Stadt erklären, dass es im Zuge der Absperrmaßnahmen zu Missverständnissen bei der Umsetzung gekommen sei. Die komplette Absperrung der Bänke sei nicht geplant gewesen. Am Mittwoch habe man deshalb diese Umsetzung korrigiert. Dass die Bänke an der Umzugsstrecke hinsichtlich eines möglichen Zurückfallens von Menschen gesichert werden, sei nach Rücksprache mit einem Experten erfolgt.