Zum neuen Jahr sorgen die guten Vorsätze in vielen Sportstätten für einen Anstieg der Mitgliederzahlen. Davon können auch (von links) Marco Knöbel, Gerd Klingler und Ahmad Alsaghrji berichten. Foto: Kassandra Lippe/Marco Knöbel

Zu Jahresbeginn sind Fitnessstudios auch in Donaueschingen so voll wie selten. Die Motivation lässt aber nach einiger Zeit nach. Wie Training stattdessen zur Gewohnheit wird.

Auch rund um Donaueschingen ist der klassische Neujahrs-Boom spürbar. „Der Trainingsanstieg zu Jahresbeginn ist bei uns klar messbar“, sagt Michael Remlinger von Prime Time Fitness Hüfingen. Doch so eindeutig der Start ist, so offen bleibt die entscheidende Frage: Hält diese Motivation an?

 

„Ob Menschen langfristig dranbleiben, hängt davon ab, ob aus der anfänglichen Motivation eine feste Routine entsteht“, betont Remlinger. Die Erfahrung zeige, dass die Motivation im Januar häufig „emotional getrieben und zeitlich begrenzt“ sei. „Ohne klare Struktur, Betreuung und realistische Ziele lässt sie im Frühjahr spürbar nach.“ Der Jahreswechsel habe dabei eine besondere psychologische Wirkung bei vielen. Dann fällt es ihnen einfacher, die Motivation zu finden. „Der Jahreswechsel ist für viele ein mentaler Reset-Knopf“, sagt Remlinger. „Menschen sind offener für Veränderungen und investieren stärker in sich selbst.“ Genau hier setze das Trainingskonzept in Hüfingen an.

Wenn die Neujahrseuphorie langsam abflacht, bleiben auch einige der neuen Trainingsbegeisterten wieder dem Sport fern. Foto: Kassandra Lippe

„Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche – Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit. Ohne Schnickschnack.“ Häufig scheiterten Vorsätze nicht am fehlenden Willen, sondern an den falschen Erwartungen. „Viele wollen zu viel in zu kurzer Zeit erreichen.“ Zeitmangel sei dabei oft nur ein Vorwand. „In der Praxis ist es eher ein Organisationsproblem. Deshalb ist zeiteffizientes Training entscheidend.“

Ein ähnliches Bild zeigt sich im TC Training Center Donaueschingen. „Im Januar merken wir einen deutlichen Aufschwung bei den Check-in-Zahlen“, sagt Studioleiter Gerd Klingler. Mit den ersten warmen Frühlingstagen flache diese Kurve jedoch ab. „Spätestens im Sommer werden die Trainingsbesuche weniger – das ist eine normale Entwicklung.“ Positiv sei, dass es keine extremen Schwankungen bei den Mitgliederzahlen gebe. „Durch intensive Betreuung gelingt es uns, viele neue Mitglieder langfristig zu halten.“

Oft zu hohe Erwartungen

Warum scheitern Neujahrsvorsätze dennoch so häufig? „Oft an zu hohen Erwartungen und am Alles-oder-nichts-Denken“, erklärt Klingler. „Wer perfekt sein will und sich keine Ausnahmen erlaubt, hält das nicht lange durch.“ Nachhaltiger seien realistische Ziele. „Man muss sich bewusst Freiräume zugestehen.“ Training müsse zudem in den Alltag passen. „Das Training sollte realistisch in den Wochenplan integriert werden – später kann man immer noch nachlegen.“

Auch bei Clever Fit Donaueschingen bestätigt sich der typische Januar-Effekt. „Der Januar-Boom ist real, aber er ist nur der Startpunkt“, sagt Studioleiter Ahmad Alsaghrji. Die anfängliche Euphorie lasse nach einigen Wochen nach – „das sehen wir überall“. Dennoch entwickelt ein stabiler Teil der Neuanmeldungen eine feste Routine. „Etwa 40 Prozent bleiben langfristig dabei“, sagt Alsaghrji. Der Unterschied liege im Mindset. „Wer Training nicht als kurzfristiges Projekt versteht, sondern als Teil seines Lebensstils, bleibt eher dran.“ Der Jahreswechsel spiele dabei eine zentrale Rolle. „Man schließt das alte Jahr ab und blickt nach vorne“, sagt er. „Der Januar steht für Neuanfang und Motivation – diese Aufbruchsstimmung ist bei uns jedes Jahr spürbar.“

Der Unterschied liegt im Mindset

Vorsätze scheiterten selten am Zeitmangel. „Es scheitert eher an falschen Erwartungen und Ungeduld.“ Nachhaltige Veränderung brauche Zeit. „Viele spüren zuerst mentale Effekte wie besseren Schlaf oder mehr Energie – wer das erkennt, bleibt motiviert.“ Um den inneren Schweinehund zu überwinden, rät Ahmad Alsaghrji dazu, den Druck herauszunehmen. „Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche reichen völlig aus.“ Training solle entlasten. „Es soll Stress abbauen, nicht neuen erzeugen.“ Hilfreich seien feste Termine, Routinen und soziale Faktoren.

Auch Marco Knöbel beobachtet zum Jahresbeginn einen deutlichen Zulauf. In seiner Kampfschule Marco’s Free Fight Club spiele die Gemeinschaft eine besondere Rolle. „Man trainiert auch im Team, in der Gemeinschaft. Das motiviert enorm.“ Entscheidend sei die Haltung zum Sport. „Sport ist keine Strafe“, betont Knöbel. „Man tut dem Körper etwas Gutes.“ Aus Motivation müsse jedoch mehr werden. „Aus Motivation muss Routine entstehen, daraus Disziplin und auch ein bisschen Kontrolle.“ Gerade wenn der Alltag stressig ist, dürfe man keine Ausreden zulassen.

Ähnliches gelte für die Ernährung. „Wir essen heute viel zu viele hochverarbeitete Lebensmittel“, sagt Knöbel. Sein Rat: „Mehr kochen, sich mit Lebensmitteln beschäftigen, wissen, was dem Körper guttut – Proteine, Gemüse, weniger Zucker.“ Disziplin schließe Genuss nicht aus. „Ein Stück Kuchen ruiniert nichts“, sagt Knöbel.

Neujahrsvorsätze

Motivationsabbruch
Der Januar ist für Fitnessstudios der mit Abstand stärkste Monat des Jahres. Nach Angaben des Branchenverbands DSSV steigen die Check-in-Zahlen zu Jahresbeginn im Vergleich zum Jahresdurchschnitt um 20 bis 30 Prozent. Gleichzeitig zeigen Studien, dass rund 50 bis 60 Prozent der Neumitglieder ihre Trainingsfrequenz innerhalb der ersten drei Monate deutlich reduzieren oder ganz abbrechen. Als entscheidend gelten die ersten acht bis zwölf Wochen: Wer in diesem Zeitraum regelmäßig trainiert, entwickelt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine dauerhafte Trainingsroutine.