Die Paketstation an der Auberghalle soll zur automatisierten Poststation ergänzt werden. Foto: Bohnert-Seidel

Die Deutsche Post AG will eine automatisierte Poststation bei der Auberghalle errichten. Im Gegenzug soll die Poststelle in der Meiersmattstraße aufgegeben werden.

Zu hoch seien die Kosten für den Eigenbetrieb einer Poststation, heißt es in einem Schreiben der Bundesnetzagentur. Eine Poststation mit persönlichem Bezug ist dem Ortschaftsrat von Oberschopfheim jedoch sehr wichtig. Der Wunsch von der Deutschen Post AG auf Zulassung einer automatisierten Poststation, damit die Poststelle in der Meiersmattstraße wegfallen könne, lehnte der Ortschaftsrat demnach einstimmig ab.

 

Eine ausschließlich auf Automatisierung ausgerichtete Poststelle führe zur Verschlechterung der postalischen Grundversorgung in Oberschopfheim, war sich Ortsvorsteher Michael Jäckle sicher. Eine moderne Ergänzung durch automatisierte Angebote könne sinnvoll sein, dürfe jedoch nicht den vollständigen Ersatz einer personell betriebenen Poststelle bedeuten. Hinter seiner Meinung weiß er seinen kompletten Rat. Jäckle werde an die Bundesnetzagentur in Mainz schreiben.

Dass die Automatisierung nicht mehr aufzuhalten sei, dessen sind sich alle Ratsmitglieder bewusst. Um Rücksichtnahme wird vor allem für die ältere Generation gebeten, die sich in der digitalisierten Welt nicht so gut – oder überhaupt nicht – zurecht finde.

Anbindung an den ÖPNV an die Auberghalle gibt es nicht

Und es sei davon auszugehen, dass mit der Zulassung der automatisierten Station die Poststelle in der Meiersmattstraße geschlossen werde.

Ortsvorsteher Jäckle legte Zahlen vor und betonte: „Mir wurde mitgeteilt, dass an manchen Tagen zehn, 15 oder gar 30 Personen die Poststelle besuchen.“ Allein diese Zahlen sprächen für sich. Außerdem befinde sich die vorgesehene automatisierte Station topografisch ungünstig außerhalb des Ortskerns in einer schwer erreichbaren Lage an der Auberghalle. Eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr an die Auberghalle gibt es nicht. Es sei daher nicht möglich, die Station ohne Auto oder längeren Fußweg zu erreichen und die notwendigen postalischen Angelegenheiten zu erledigen. Vor allem für mobilitätseingeschränkte Personen stelle diese Lage eine erhebliche Einschränkung dar.

Ratsmitglied Luca Simon (FW) warf ein: „Aufhalten lässt sich diese Entwicklung sicher nicht. Aber die nächste Poststelle für Oberschopfheim wäre demnach Hofweier oder Friesenheim.“ Umso wichtiger sei die Poststelle in Oberschopfheim für die Daseinsfürsorge.

Für ältere Menschen sind automatisierte Systeme eine Hürde

Jäckle erklärte: Automatisierte Systeme stellten vor allem für ältere Menschen eine Hürde dar, da sie als kompliziert empfunden würden oder Unsicherheiten in der Nutzung bestünden. Eine persönliche Ansprechperson vor Ort sei daher notwendig. „Mit der Automatisierung werden Kosten für Miete und Personal für die Post wegfallen“, weiß Jäckle.

Seit dem 1. Februar 2021 befindet sich die Postfiliale in der Meiersmattstraße 6. Es war nur ein kurzer Umzug über die Straße von Haus Nummer 7 in Nummer 6. Zuvor war sie bis 2019 von „Xavers Landmarkt“ betrieben worden. Nachdem dieser 2019 geschlossen wurde, blieb die Post erhalten. Seit 2024 befindet sich auf dem Gelände der Auberghalle eine Packstation. Diese soll nun zu einer automatisierten Poststation erweitert werden.

Mit der Automatisierung entfällt die Universaldienststelle, wie sie die Poststelle in der Meiersmattstraße 6 bislang erfüllt. Diese automatisierte Station sei zudem barrierefrei, was die Poststelle mit ihren Treppenstufen nicht sei. Alternativen im Ort wurden von der Deutschen Post AG angefragt, waren jedoch einerseits nicht geeignet – oder die Firmeninhaber zeigten kein Interesse.

Mögliche Lösung?

Ortsvorsteher Jäckle hat mit Geschäftsinhabern im Ort gesprochen und gefragt, ob sie eine kleine Postannahme einrichten würden. Nico Vollmer (CDU) schlug in diesem Zuge vor, mit dem Vorstand der Winzergenossenschaft das Gespräch zu führen, um dort eventuell eine Postannahme einzurichten. Unsere Redaktion hat direkt bei Frank Erb, Vorsitzender der WG Friesenheim, nachgefragt. Im Winzerhüs ließe sich eine Postannahme einrichten, sofern diese mit den bereits bestehenden Öffnungszeiten zu bewältigen wäre und keine Zusatzkosten für die WG bezüglich Umbaumaßnahmen anfielen, so Erb.