Auf in den Kampf gegen das das Bürokratiemonster: Die Horber Stadtverwaltung hat einen anderen Weg gefunden, die Fachkräfte-Not in Kitas abzumildern. (Symbolbild) Foto: freshidea - stock.adobe.com

Das Sozialministerium wollte mit dem „Erprobungsparagraphen“ die Fachkräfte-Not an Kitas lindern. Weil das Horb zu kompliziert war, entwickelte es ein anderes Modell. Warum der Horber Kniff funktioniert und der des Landes (bisher) offenbar nicht.

Im Zusammenhang mit der Kinderarzt-Krise und der Fehlplanung des Bundes bei der Umfahrung Hohenberg prägt Horbs OB Peter Rosenberger (CDU) das Wort „Behördenirrsinn.“ Im Kita-Bereich zeigt das Rathaus jetzt, dass man es besser drauf hat als in der Ministerialbürokratie der Landesregierung.

 

Es geht um den sogenannten „Erprobungsparagraphen“. Er trat am 9. Dezember 2023 in Kraft. Auf der Homepage der Landesregierung heißt es: „Der sogenannte Erprobungsparagraf ist ab 9. Dezember 2023 geltendes Recht. Damit können Träger von Kindertageseinrichtungen passende Lösungen entwickeln und erproben, um den Bedürfnissen der Kinder, Eltern und des Kita-Personals gerecht zu werden.“

Damit wollte die Landesregierung Modelle ermöglichen, dass auch Nicht-Fachkräfte in der Kita tätig sein dürfen. Problem nur: Die Regelung ist viel zu kompliziert. Unter anderem wird ein „intensiver Beteiligungsprozess“ gefordert. Zwischen Eltern, Personal und dem Träger.

Horb setzt gleich auf Spielgruppen

Horb ging es lieber pragmatischer an. Die Idee des Rathauses: Wir richten einfach für die Nachmittagsbetreuung Spielgruppen ein. Da werden die Kinder dann von Müttern oder anderen Nicht-Fachkräften betreut. In den Räumlichkeiten der Kita. Kostet die Eltern 56 Euro Gebühr im Monat.

Der Trick: Für solche Spielgruppen, die nicht mehr als 9,5 Stunden die Woche dauern dürfen, braucht es keine Betriebserlaubnis durch die Aufsicht – den „Kommunalverband für Jugend und Soziales“ (KVJS). Und weil die Räumlichkeiten, in denen das stattfindet, ohnehin schon vom KVJS die Genehmigung haben, gibt es hier auch keinen Bürokraten- und Regulierungs-Stress.

Das Horber Modell – besser als Erprobungsparagraf?

Jetzt sagt Fachbereichsleiter Robert Hermann: „Den Erprobungsparagrafen wenden wir nicht an. Wir machen unser Modell bisher unterhalb der Voraussetzungen. Damit fahren wir sehr gut im Vergleich zu anderen Kommunen, die damit gescheitert sind.“

Patrick Seidler, Kita-Verantwortlicher im Rathaus: „Es ist immer vom Offenburger Modell die Rede. Doch das hat die Aufsicht – der Kommunalverband für Jugend und Soziales – schon längst wieder einkassiert. Nach unserem Modell gibt es immer mehr Nachfrage im ganzen Land.“

Rathaussprecherin Inge Weber: „Wir sind mit mehreren Städten und Kommunen im engen Austausch, die unser Modell auch implementieren wollen.“

Auch die Eltern sind sehr zufrieden mit dem Angebot. Die Rathaussprecherin: „Wir haben bis jetzt nur positive Rückmeldungen zur Nachmittagsbetreuung erhalten. Nach der ersten Umfrage im Frühjahr 2024, die wir bei Eltern und Fachkräften durchgeführt haben, haben wir das Modell nochmals verfeinert. Im Moment werden an den ehemaligen drei Ganztags-Standorten (Nordstetten, Talheim, Bildechingen) 35 Kinder betreut. Die Tendenz ist steigend.“

Kommt der „Besser-Erprobungsparagraf“ jetzt aus Horb?

Patrick Seidler, Kita-Verantwortlicher im Rathaus, bei der Einbringung des Kita-Bedarfsplans für das Jahr 2024/25: „Aus dem Konzept der ehemaligen Spielgruppen, was wir aus dem Fachkräftemangel entwickelt haben, haben wir inzwischen das Horber Betreuungsmodell entwickelt.“

Laut der Drucksache 170/2024 ist das Rathaus dran, jetzt auch eine 15-stündige wöchentliche Nachmittagsbetreuung in der Woche durch Nicht-Fachkräfte zu entwickeln.

Seidler schreibt: „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind eingehalten und mit dem Landesjugendamt abgestimmt.“ Von komplizierten Beteiligungsprozessen ist hier nicht mehr die Rede.

„Die Ministerialbürokratie soll die Kommunen mal machen lassen“

Offenbar hat der Horber Weg besser funktioniert als der Erprobungsparagraf. Schritt eins: Erst Spielgruppenbetreuung. Schritt zwei: Personal in Zusammenarbeit mit den Kita-Beschäftigten zu entwickeln und fortzubilden. Schritt drei: Praxis und Rückmeldung der Eltern.

Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner (CDU) sagt dieser Redaktion am Rande des Jahresinterviews: „Die Ministerialbürokratie soll die Kommunen einfach in Ruhe machen lassen. Dann kommt wenigstens was Gutes raus.“