Zwischen Menü und Bühne entfaltet sich eine Show mit historischen Wurzeln. Das Burlesque Dinner ist erstmals in Horb-Dettingen zu erleben. Das steckt hinter dem neuen Format.
Federn, Korsetts, Handschuhe – und ein Augenzwinkern: Mit dem neuen Format „Das Burlesque Dinner“ bringt der Veranstalter Engesser Marketing GmbH, bekannt durch „Das Kriminal Dinner“, eine außergewöhnliche Mischung aus Show und Kulinarik in die Region. Eine der ersten Aufführungen findet an diesem Samstag im Adler in Horb-Dettingen statt.
Die Reise führt dabei ins frühe 20. Jahrhundert, zu den Ursprüngen der Burlesque-Kunst. Zwischen drei Showakten wird ein Drei-Gänge-Menü serviert, während auf der Bühne mit Ironie, Glamour und bewusst gesetzter Erotik gespielt wird.
Über die Idee hinter dem neuen Format, über Humor, historische Bezüge und darüber, wo bewusst Grenzen gezogen werden, spricht Pauline Möhler, Sprecherin des Veranstalters Engesser Marketing GmbH, im Interview.
Wie ist die Idee entstanden, ein Burlesque Dinner ins Programm zu nehmen?
Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, ein Dinnerformat zu schaffen, das mehr ist als reine Unterhaltung. Burlesque verbindet auf besondere Weise Performance, Ästhetik und Haltung. Uns hat gereizt, diese Kunstform in einen kulinarischen Rahmen einzubetten und so einen Abend zu gestalten, der überrascht, berührt und zum Nachdenken anregt.
Viele Menschen verbinden Burlesque vor allem mit Erotik. Welche Rolle spielen Humor, Ästhetik und historische Bezüge in Ihrer Show?
Erotik ist ein Teil von Burlesque, aber längst nicht der wichtigste. In unserer Show stehen Humor, feine Ironie, starke Bilder und die historische Verwurzelung im Vordergrund. Burlesque lebt vom Augenzwinkern, vom Spiel mit Erwartungen und von einer sehr bewussten Ästhetik, die sich klar von plumper Reizüberflutung abgrenzt.
Sie sprechen von Eleganz, Provokation und dem Feiern aller Körperformen. Welche Botschaft möchten Sie dem Publikum damit vermitteln?
Wir möchten zeigen, dass Schönheit vielfältig ist und nicht normiert werden muss. Eleganz und Provokation schließen sich dabei nicht aus – im Gegenteil. Burlesque feiert Selbstbestimmung, Selbstbewusstsein und Körper in all ihren Formen. Die Botschaft ist: Du darfst so sein, wie du bist.
Das Programm führt ins frühe 20. Jahrhundert. Wie spiegeln sich diese Ursprünge konkret in Kostümen, Musik und Inszenierung wider?
Die historischen Wurzeln spiegeln sich klar in den Kostümen, den klassischen Silhouetten, dem Einsatz von Handschuhen, Federn und Korsagen wider.
Welche Künstlerinnen treten auf, und was macht ihre Darbietungen besonders oder einzigartig?
An diesem Abend wird das Künstlerinnen-Team um Sandra Steffl auftreten. Sie bringen eine eigene Handschrift mit – mal humorvoll, mal poetisch, mal kraftvoll-provokant. Diese Vielfalt macht den Abend lebendig und zeigt, wie facettenreich Burlesque sein kann.
Für wen ist das Burlesque Dinner gedacht, und an wen richtet sich die Veranstaltung ausdrücklich nicht?
Das Burlesque Dinner richtet sich an offene, neugierige Menschen, die Lust auf Kultur, Genuss und besondere Abende haben. Es ist nichts für Gäste, die eine rein erotische oder voyeuristische Show erwarten. Ebenso wenig ist es ein klassisches Comedy- oder Partyformat.
Wie reagieren erfahrungsgemäß Zuschauerinnen und Zuschauer, die zum ersten Mal eine Burlesque-Show besuchen?
Viele kommen bestimmten Erwartungen – und gehen überrascht, oft berührt und sehr begeistert. Gerade Erstbesucherinnen und -besucher schätzen die Mischung aus Humor, Stil und Respekt, die das Genre ausmacht.
Viele Menschen reduzieren Burlesque auf „nackte Haut“. Welche Bedeutung hat sie tatsächlich in Ihrer Show, und wo ziehen Sie bewusst Grenzen? Wie viel Nacktheit gibt es also?
Nacktheit ist kein Selbstzweck. Sie wird bewusst eingesetzt, angedeutet und ästhetisch inszeniert. Es gibt keine vollständige Nacktheit – vielmehr geht es um das Spiel mit Enthüllung und Verhüllung. Die Grenze liegt dort, wo der künstlerische Ausdruck verloren ginge.
Gab es im Vorfeld Bedenken oder Vorurteile gegenüber dem Format, gerade in einer eher ländlichen Region?
Ja, durchaus. Gerade deshalb war es uns wichtig, transparent zu kommunizieren, worum es bei dem Format wirklich geht. Die Resonanz zeigt aber, dass Offenheit und Neugier oft größer sind als anfängliche Vorbehalte.
Was wünschen Sie sich, dass die Gäste nach dem Abend mit nach Hause nehmen – emotional oder gedanklich?
Idealerweise nehmen die Gäste ein Gefühl von Leichtigkeit, Inspiration und vielleicht auch ein neues Bild von Sinnlichkeit mit. Wenn der Abend dazu beiträgt, offener auf Kunst, Körper und sich selbst zu blicken, haben wir unser Ziel erreicht.
Die Show
Tournee
Nach seinem Gastspiel in Dettingen am Samstag ab 19 Uhr (ausgebucht), gibt es noch „Das Burlesque Dinner“ in Gottmadingen und Schwäbisch Hall, bevor es größtenteils im Norden Deutschlands – unter anderem Hannover und Hamburg – weitergeht.
Rückkehr
Eine Rückkehr nach Dettingen ist aber durchaus möglich. „Wenn das Format gut ankommt, sind Folgetermine definitiv denkbar“, so Pauline Möhler.