Wie haben Lahrerinnen das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt? Zum Frauentag hat das Stadtmuseum eine Ausstellung eröffnet, die sich damit beschäftigt – und mit „Frau Reichspräsident Louise Ebert“.
Tatsächlich hat Ebert, Witwe des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert, zwei Jahre am Rande des Schwarzwaldes gelebt und das Kriegsende hier erlebt. Die Fotoausstellung „Frau Reichspräsident Louise Ebert“, zusammengestellt von der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, ist Teil der Ausstellung im zweiten OG des Museums. Stadthistorikerin Elise Voerkel hat die Wanderausstellung um Erinnerungen von Zeitzeugen und Fotografien vom Ende des Zweiten Weltkrieges ergänzt. Die Ausstellung wurde am Sonntag in Verbindung mit dem Frauentag am Samstag eröffnet.
Ebert kam nach Lahr zu ihrer Schwiegertochter, als ihre Berliner Wohnung 1943 ausgebombt wurde. Voerkel stellte Erinnerungen des späteren Lahrer OBs Philipp Brucker vor, wonach Ebert hier noch 1947 ihren 70. Geburtstag mit Enkeln gefeiert haben soll. Die Historikerin hält es allerdings für wahrscheinlicher, dass Ebert Ende 1945 nach Heidelberg gezogen ist – wo sie noch bis zu ihrem Tod im Jahr 1955 lebte. Es sei aber durchaus möglich, dass sie zu ihrem runden Geburtstag 1953 nach Lahr zu Besuch kam.
Die Kuratorin der Ausstellung Patricia Reister erläuterte, wie sich die Frau des Reichspräsidenten in dessen Amtszeit von 1919 bis 1925 und danach präsentierte – vor allem als Witwe des ersten deutschen demokratisch gewählten Staatsoberhauptes. Erinnerungen persönlicher Art gibt es kaum. Dafür erzählt ein aufschlussreiches Zitat Eberts von ihrem Verständnis für die erste deutsche Republik. Danach sei sie während der Amtszeit ihres Mannes gerne gesehen und eingeladen worden. Später sei es am Ende der Weimarer Republik genauso wie zu Beginn der jungen Bundesrepublik wichtig gewesen, auch da zu erscheinen, „wo es gut ist, gesehen zu werden“.
OB Markus Ibert nimmt in Begrüßung Bezug auf die Aussöhnung mit Frankreich
In einem Teil der Ausstellung wird zudem dokumentiert, welchen Anfeindungen ihre Familie durch das Amt ihres Ehemannes Friedrich Ebert ausgesetzt war.
OB Markus Ibert erinnerte ans Ende des Zweiten Weltkrieges, der sich am 8. Mai zum 80. Mal jährt. Gerade die Besatzungsmächte haben damals neue und wichtige Werte vermittelt. Ibert erwähnte die Aussöhnung mit Frankreich, die in und für Lahr wichtig war. Damit begann eine Zeit, die in Europa für Frieden und Wohlstand sorgte. Daher bedauerte Ibert, wie selbstverständlich es sei, dass gerade jetzt „diese Werte mit Füßen getreten werden“. Den sprichwörtlichen Elefanten im Raum, US-Präsident Donald Trump, erwähnte Ibert nicht namentlich. Dafür zitierte er den baden-württembergischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann sinngemäß so: „Man tut manche Dinge nicht, auch wenn sie nicht verboten sind.“
Die Ausstellungen „Frau Reichspräsident Louise Ebert“ und „80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg“ mit Lebensverhältnissen in Lahr im Frühling 1945 sind zu den Öffnungszeiten des Museums im zweiten OG zu sehen. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Große Textbanner und Nachdrucke historischer Fotos sind bis einschließlich Sonntag, 11. Mai, ausgestellt.