606 Meter lang, 444 Tonnen schwer – die Hängebrücke „Neckarline“ in Rottweil steht kurz vor der Eröffnung. Projektleiter Roland Haag lüftet vor Ort noch ein paar Geheimnisse.
Auch bei trübem Wetter und eher ungemütlichen Temperaturen gibt es am Dienstag beim Vor-Ort-Termin auf der neuen Hängebrücke in Rottweil strahlende Gesichter: Die Brücke ist fertig, das ganze Drumherum ist auf der Zielgeraden, die große Eröffnung steht bevor.
Projektleiter Roland Haag hat dem überregionalen Interesse Rechnung getragen und zu einem letzten Info-Termin vor der Eröffnung eingeladen. Am Donnerstag, 23. April, wird das Band zur Hängebrücke offiziell durchschnitten, von 24. bis 26. April ist dann die Öffentlichkeit eingeladen, die Brücke beim großen Eröffnungsfest selbst zu erleben.
Für Haag ist es nach der „Wildline“ in Bad Wildbad und der „Blackforestline“ in Todtnau die dritte Brücke, die Investor Günter Eberhardt gebaut und die er als Projektleiter von Anfang an begleitet hat. Und auf die Frage, welche für ihn denn nun die schönste sei, verrät er: „Es ist diese hier, die Neckarline in Rottweil.“
Direkt in die Innenstadt
Dazu tragen für ihn zwei Dinge entscheidend bei: Zum einen die geschwungene S-Form, die die Hängebrücke ganz besonders macht, und zum anderen ihre Lage. „Es ist ein besonderes Projekt, hier führt die Brücke direkt in die Innenstadt“, sagt Haag. Und das in Zeiten, in denen immer mehr Innenstädte auszusterben drohen. Die „Neckarline“ bringe Leben in die Innenstadt, gebe Impulse für Handel und Gastronomie.
Und die Brücke selbst wiederum lebt auch von der sagenhaften Stadtkulisse Rottweils, die sich dem Besucher vom höchsten Punkt der Brücke aus eröffnet.
Diese Lage ist es auch, die die Entwicklung der Brücke schwierig machte. Haag erinnert an die ersten Pläne vor rund zehn Jahren, als die Brücke 900 Meter lang werden und bis zum Testturm führen sollte, getragen von zwei Stützen im Neckartal. An die Planänderungen, die Herausforderungen des Bebauungsplans und des Denkmalschutzes, die unter anderem dafür sorgten, dass der Andockpunkt der Brücke auf der Stadtseite nun ganz am Rand des Bockshofs liegt.
Zahlen und Fakten
Dort lüftet Haag gleich noch ein „Geheimnis“ unter der Erde und hebt eine Klappe an: Unter dem Brückeneinstieg wurde ein Keller gebaut, hier sind die Tragseile mit jeweils zwölf Ankern 28 Meter in die Tiefe eingebracht und fangen so die immensen Kräfte auf. Auf der anderen Seite ist dafür der 60 Meter hohe Pylon zuständig.
Und beim Gang über die 60 Meter hohe Brücke zeigt sich: Wenn mehrere Leute drauf sind, dann wackelt es doch ganz schön. Der Brückensteg besteht aus 172 einzelnen Elementen mit einer Länge von jeweils 3,50 Metern. Allein die Tragseile haben ein Gewicht von 108 Tonnen, die ganze Konstruktion wiegt rund 444 Tonnen.
Maximal 400 Besucher auf der Brücke
Ausgelegt ist die Brücke für eine Tragkraft von sage und schreibe 1486 Personen. Aber: „Wir lassen maximal 400 Besucher auf die Brücke“, stellt Haag klar. Jeder Besucher soll den Gang über die Neckarline schließlich auch genießen können. Im Schnitt wolle man die Zahl der Personen auf der Brücke bei rund 300 Personen gleichzeitig einpendeln, nur zur Stoßzeiten können es mehr werden, so der Projektleiter. 13,50 Euro kostet ein Ticket hin und zurück, Kinder zahlen elf Euro, es gibt außerdem Gruppentarife.
Die Bauphase selbst sei nun „sensationell gut“ verlaufen, freut sich Haag mit Blick auf die zurückliegenden 13 Monate. Insgesamt seien rund 450 Personen am Bau beteiligt gewesen, alle hätten super professionell als Team zusammengearbeitet und großes geleistet. Und Investor Günter Eberhardt spricht von einem „Lebenstraum“, der sich hier erfüllt.
Nicht nur die Erfahrungswerte vom Bau der Brücken an den anderen beiden Standorten flossen in Rottweil ein, man weiß nun auch beim Betrieb, auf was es ankommt. Die Erwartungen sind groß: Man rechne mit 100.000 bis 150.000 Besuchern im Jahr. Laut Haag liegen die Investitionskosten bei rund zwölf Millionen Euro. Man kalkuliere mit drei Prozent Gewinn im Jahr, der in die Refinanzierung fließe.
Lebensdauer „mindestens 50 Jahre“
Eine interessante Frage ist auch: Wie ist denn die Lebensdauer eine solchen Hängebrücke? Haag sagt, das seien „mindestens 50 Jahre, eher mehr“. Und er fügt schmunzelnd hinzu, dass er davon ausgeht, dass die Rottweiler Hängebrücke irgendwann selbst unter Denkmalschutz gestellt wird.
Am Eröffnungswochenende wartet übrigens auch für jene, die sich nicht über das Bauwerk trauen, ein buntes Programm. Am 26. April ist außerdem verkaufsoffener Sonntag. Alle Infos zum „Brückenfest“, auch zum Parken in Rottweil, gibt es hier.