Ärztin Olga Csorba (rechts) braucht in ihrem neuen Sprechzimmer kaum mehr als einen Laptop, so digital soll die Praxis laufen, meint Mednos-Geschäftsführerin Viola Behrens (links). Foto: Jansen

Die Hausarztpraxis in Gültlingen ist geschlossen und nach Sulz am Eck umgezogen – und gleichzeitig komplett neu. Von der Ärztin selbst bis zur Terminvergabe und der telefonischen Erreichbarkeit ändert sich einiges für die Hausarztpatienten. Was in der neuen Praxis alles möglich sein soll.

Die Einrichtung ist fertig, das Praxisschild hängt – Die neue Hausarztpraxis in Sulz am Eck öffnet ihre Pforten. Nicht nur der Ortsteil und die Räumlichkeiten sind komplett neu für die ehemalige Gültlinger Praxis – auch die Ärztin, Olga Csorba, startet neu in Sulz am Eck.

 

Vorher war die Allgemeinmedizin-Fachärztin neun Jahre in Aidlingen im Landkreis Böblingen als selbstständige Hausärztin. Sie wollte gerne in ein Anstellungsverhältnis. Bei der Suche fand die 45-Jährige die Mednos-Genossenschaft, die als Träger für ihre Wildberger Praxis einen neuen Mediziner oder eine neue Ärztin suchte.

Ärztin zu werden war bereits in ihrer Kindheit ein Traum, erzählt sie unserer Redaktion. Also studierte sie in Ungarn, seit zehn Jahren ist sie in Deutschland. Ihre Aidlinger Praxis ist aufgelöst.

Ärzte aus Gültlingen sind nicht mehr dabei

Ihre Vorgängerin aus der Gültlinger Praxis, Heike Buschmann-Kaspari, hatte die Praxis nur noch übergangsweise geführt. Jetzt hat sie ihre wohlverdiente Rente angetreten. Lothar Ginader, der ebenfalls tageweise in Gültlingen praktizierte, ist ebenfalls nicht mit um nach Sulz umgezogen. Er praktiziert nun wieder in Calw. Dort zieht die Praxis in der Bahnhofsstraße, die ebenfalls von Mednos getragen wird, auf den Campus hoch. Hier wird Ginader auch zukünftig anzutreffen sein. Mit in der neuen Praxis sind auch sieben medizinische Fachangestellte (MFA), die meisten waren bereits in Gültlingen dabei.

Bevor Csorba und ihr Team in Sulz starten konnten, musste die Praxis erst einmal auf Vordermann gebracht werden. Etwa wurde der alte Teppichboden entfernt, die Wände neu gemacht, Einzelteile an den Waschbecken in den Räumen neu installiert. Anders als die Praxis in Gültlingen sind die Räume in Sulz auch barrierefrei erreichbar.

Besonders die Digitalisierung soll in der neuen Sulzer Praxis vorangetrieben werden. Eine der beiden MFA mit einer VERAH/NÄPA – Qualifikation, kurz für Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis/Nichtärztlichen Praxisassistentin, kann bei Patienten Hausbesuche machen und dort auch ärztliche Arbeiten erledigen, wie Blutdruckmessen, Fiebermessen, aber auch EKG schreiben und Ultraschall.

Ärztin ist bei Behandlung zugeschalten

Die Ärztin kann derweil am PC sehen, was ihre Mitarbeiterin tut und ist zugeschalten. Für die VERAH/NÄPA-Kräfte gibt es auch ein eigenes Zimmer, wo diese der Ärztin zuarbeiten und Arbeit abnehmen können.

Schon die Terminvergabe ist digital möglich. Über das Portal „Samedi“ können Patienten online einen Termin vereinbaren. Anrufe müssen nicht mehr zu den Öffnungszeiten erledigt werden, genauso wenig müssen Patienten nur einmal anrufen und nicht immer wieder, bis sie die Praxis endlich erreichen, erzählt Mednos-Geschäftsführerin Viola Behrens.

Über die Firma Vitas wird ein „Telefonconcierge“ eingerichtet. Dieser Computer kann Telefonate annehmen, Termine vereinbaren, Rezeptbestellungen aufnehmen und aus dem aufgesprochenen Text das wichtigste herausfiltern. So werden die MFAs entlastet.

Ganz auf menschliche Interaktion müssen Patienten aber nicht verzichten, beruhigt Behrens. Es ist weiter möglich, sich per Tastendruck an MFA oder die Ärztin durchstellen zu lassen.

Krankengeschichte auf dem iPad

Das dritte Digitalisierungselement ist die elektronische Anamnese, also die Aufnahme der Krankheitsgeschichte und der medizinischen Familiengeschichte. Durch die Firma Synmedico können Patienten die Fragebögen, die bisher mit Papier und Kugelschreiber ausgefüllt wurden, direkt zu Hause ausfüllen. auch in der Praxis wird das nicht mehr auf Papier gemacht, sondern auf einem iPad.

Befunde und Anamnese können dann verschlüsselt an die Praxis gesandt werden. Gespeichert werden die Daten auch nur auf dem Server der Praxis, nicht in einer Cloud. So gelangen sie auch automatisch in die elektronische Patientenakte.