Das Karussell sorgt auf dem neuen Spielplatz für schwindelerregenden Spaß. Foto: Priestersbach

Mit dem Bau eines inklusiven und barrierefreien Spielplatzes hat der SV Vollmaringen ein echtes Herzblut-Projekt umgesetzt. Am Samstag wurde der neue Platz zum Toben und Spielen eröffnet – und direkt von den Kindern in Beschlag genommen.

Groß war die Resonanz am Samstag bei der offiziellen Einweihung des inklusiven Spielplatzes in Vollmaringen. Als das obligatorische Band durchschnitten war, stürmten zahlreiche Kinder „ihren“ neuen Spielplatz neben dem Sportgelände mit seinen inklusiven und barrierefreien Spielgeräten.

 

Musikalisch umrahmt von den Vollmaringer Musikanten standen zunächst der Baubericht und Grußworte auf dem Programm. Für SV-Vorstandsprecher Ulrich Schick zeigte das große Interesse an diesem sonnigen Oktobernachmittag, dass „wir mit diesem Projekt den Nagel auf den Kopf getroffen haben“.

In seiner Rückschau bezeichnete er den Handlungsbedarf für das in die Jahre gekommene „Zügle“ auf dem bestehenden Spielplatz als Initialzündung für die Errichtung eines inklusiven Spielplatzes.

Etliche bürokratische Hürden gemeistert

Fahrt nahmen die Planungen dann auf, als der Sportverein auf Leader-Heckengäu aufmerksam wurde – das EU-Förderprogramm zur Stärkung ländlicher Gebiete. Zwar mussten etliche bürokratische Hürden gemeistert werden und Ulrich Schick sprach von einen „Bürokratie-Dschungel“. Durch den sich der SV-Ehrenvorsitzende Jürgen Kistner und Kassier Ludwig Krespach allerdings erfolgreich durchgekämpft hatten.

Toll toben lässt es sich auf der Lok. Foto: Priestersbach

Denn Ende letzten Jahres lag der Förderbescheid über 127.000 Euro vor und im Frühjahr fand der erste Spatenstich statt. Nach der gut halbjährigen Bauzeit, so Ulrich Schick, könne man nur noch stolz sein auf dieses Projekt, auf die Unterstützer, Sponsoren und auf die Macher, die es umgesetzt haben.

„Das ist wirklich ein Herzblut-Projekt“, zeigte sich Jürgen Kistner vor allem darüber stolz, dass sich der Verein dieser Aufgabe gestellt hat – obwohl der Bau eines inklusiven Spielplatzes eigentlich nicht die Aufgabe eines Vereins sei. Doch gebe es ja eine fast 40-jährige Partnerschaft mit der Lebenshilfe. Froh zeigte sich der Ehrenvorsitzende auch darüber, dass der gesteckte Kostenrahmen von 285.000 Euro eingehalten – oder eventuell sogar unterschritten werde.

Gleichzeitig sprach er von einer tollen Gemeinschaftsleistung, denn das Projekt sei von allen Akteuren toll unterstützt worden. Eine fast schon „unglaubliche Leistung“ bescheinigte er der sechsköpfigen „kleinen Arbeitsgruppe“, der neben ihm noch Klaus Illiger, Ludwig Krespach, Norbert Nesch, Ulrich Schick und Steffen Schmidt angehören. Insgesamt wurden während der Planungs- und Ausführungszeit rund 4100 freiwillige Arbeitsstunden geleistet.

„Dieses bürgerschaftliche Engagement verdient allerhöchsten Respekt“, unterstrich Christian Böpple von Rottenburger Büro Freiraumconzept, dass man gemeinsam „die beste Lösung erarbeitet und das große Thema Inklusion umgesetzt hat“.

Das Band wird gleich durchgeschnitten – und der Spielplatz eröffnet. Foto: Priestersbach

So seien alle Elemente auf dem Spielplatz barrierefrei erreichbar, und wenn noch die vier geplanten Baumpflanzungen abgeschlossen sind, werde der Spielplatz auch entsprechend beschattet. Für Garten- und Landschaftsbauer Norbert Müller war es jetzt nicht alltäglich, einen inklusiven Spielplatz zu bauen – und er sprach von einer „super Zusammenarbeit während der Bauphase“.

Bürgermeister Breitling: „Ein beispielgebendes Projekt“

Bürgermeister Hagen Breitling war erfreut, dass man bei „bestem Spielplatzwetter etwas ganz Besonderes einweihen kann“. Denn auf diesem Spielplatz könne „inklusive Gemeinschaft“ gelebt werden – und darauf könne Nagold richtig stolz sein. Der SV Vollmaringen habe sich bereits seit vielen Jahren auf das Thema Inklusion ausgerichtet, und jetzt für die Region ein „beispielgebendes Projekt“ verwirklicht. Bezeichnend für Vollmaringen sei es aber ebenso, dass „die Akteure die Ideen mit umsetzen – denn genau so muss es sein“.

Wie die Regierungspräsidentin Sylvia Felder einräumte, musste im Regierungspräsidium Karlsruhe zwar viel geprüft werden. Doch dafür konnte aus den EU-Mitteln auch ein schöner Zuschuss von 127.000 Euro bewilligt werden. Gleichzeitig dankte sie dem SV Vollmaringen und seinen Mitglieder dafür, was hier vollbracht wurde. „Das ist wirklich vorbildlich“, betonte sie vor allem mit Blick auf die jahrzehntelange Inklusionsarbeit des Sportvereins.

„Unser Dorf ist geprägt vom Ehrenamt und inklusiver Zusammenarbeit“, machte Ortsvorsteher Daniel Steinrode deutlich. Für die Lebenshilfe Oberes Nagoldtal unterstrich Susanne Spatschek, dass mit dem Bau des inklusiven Spielplatzes Akzente gesetzt wurden – und hier in Vollmaringen „dürfen wir Inklusion erleben“.

Anschließend wurde der Spielplatz von Pater Peter Leonhard, Petra Ganz und Cornelia Seegers gesegnet – und für die katholische Kirchengemeinde kündigte Walter Volz eine Spende über 1000 Euro an.