Freuen sich über die Eröffnung der Bäckerei in Vöhrenbach (von links): Sarah Schmid (Geschäftsführerin der Bäckerei Schmid aus Bräunlingen), Maria-Magdalena Winker (Inhaberin der neuen Bäckerei Ox und Korn) und ihr Mann Stephan Winker. Foto: Josef Winker

Entgegen dem Trend, dass das Angebot auf dem Land weniger wird, wurde nun in Vöhrenbach eine Bäckerei eröffnet. Die Betreiberfamilie Winker erklärt, warum. Sie führen auch den Gasthof zum Ochsen, der in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum feiert.

Die Familie Ketterer hat den „Ochsen“ vor 150 Jahren, nämlich im Jahr 1875, erworben und führt diesen Ort der Gastlichkeit nunmehr in fünfter Generation, sagt Inhaberin Maria-Magdalena Winker, geborene Ketterer.

 

Der „Ochsen“ befindet sich zentral in Vöhrenbach im Kälbergässle 5. Benachbart dazu konnten die Winkers im Jahr 2019 das Haus Kälbergässle 1 erwerben. Dort im Erdgeschoss hat jetzt, am vergangenen Samstag, die Bäckerei eröffnet, Inhaberin ist ebenfalls Frau Winker.

Doch wie kam es zum Entschluss, den zusätzlichen Aufgaben, die mit dem Betrieb von Gaststätte mit Hotel verbunden sind, noch eine Bäckerei hinzuzunehmen?

Bäckerei an diesem Standort hat Tradition

Im Kälbergässle 1 habe es schon „seit Urzeiten“ eine Bäckerei gegeben, knüpft Maria-Magdalena Winker an die Tradition an. Noch bis Ende vergangenen Jahres habe die Bäckerei Tritschler dort eine Filiale unterhalten, den Pachtvertrag aber zum Jahresende beendet. „Wir haben verschiedene Gespräche geführt, aber keinen Nachfolger gefunden“, beschreibt die 35-Jährige die Herausforderungen. Von verschiedenen Seiten sei zu hören, dass Bäckereien zu kämpfen hätten, es Insolvenzen und Schließungen gebe. Als Gründe vermuten sie und ihr Mann Stephan Winker gestiegene Energiekosten, höhere Mindestlöhne aber auch höhere Fahrtkosten, die bei der Auslieferung der Backwaren an die Filialen durch gestiegene Spritpreise entstünden.

Davor wollten die beiden nicht kapitulieren. Vor allem aus zwei Gründen. So sollte ein Leerstand vermieden werden. Außerdem spüren die beiden auch eine Verantwortung gegenüber den Menschen vor Ort, ein solches Angebot bereit zu halten. So sei die Bäckerei mittlerweile die einzige in Vöhrenbach. Es gebe zwar noch Backwaren in den Lebensmittelgeschäften und Tankstellen, aber als eine „reine Bäckerei“ eben nur diese. Sie firmiert als “Ox und Korn“, wobei der „Ox“ sich an den Gasthofnamen „Zum Ochsen“ anlehne.

Kooperation mit Bäckerei Schmid

Die Backwaren werden jedoch nicht vor Ort gebacken. Es gebe eine Kooperation mit der Bräunlinger Bäckerei Schmid, die ihre Waren in Demeter-Qualität fertige, erklärt Winker. Neue Arbeitsplätze entstünden ebenfalls. Zwei Arbeitskräfte seien gefunden, eine dritte werde noch gesucht. Bei der Reinigung werde auch auf Synergieeffekte mit dem „Ochsen“ gesetzt und das dortige Team mit einbezogen.

Der „Ochsen“ unter Regie der Familie Ketterer kann in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiern. Tatsächlich ist das Gebäude noch älter. So ist auf der Homepage des Gasthofs nachzulesen: „Am 28. Februar 1244 von den Grafen von Freiburg gegründet, ist der ‚Ochsen’ der älteste Gasthof in Vöhrenbach.“

Was die Gastronomie und Hotellerie angeht, ist Vöhrenbach noch mit weiteren Einrichtungen gesegnet. Neben dem „Ochsen“ gebe es noch den Gasthof Kreuz, die „Waldrast“, den „Engel“ und den „Eckhof“. Winker sieht diese Betriebe nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung. So hätten die Gäste in Vöhrenbach mehrere Möglichkeiten zur Einkehr und zur Übernachtung. Das erhöhe die Attraktivität insgesamt.

Übernachtungsbereich „momentan rückläufig“

Wobei der Übernachtungsbereich „momentan rückläufig“ sei, räumt Winker ein. Über mögliche Gründe könne nur spekuliert werden, vielleicht spiele eine wirtschaftliche Rezession in verschiedenen Branchen eine Rolle, wodurch weniger gereist und übernachtet werde. „Aber wir sind noch auf einem guten Niveau bei den Übernachtungen“, bekräftigt sie. Möglicherweise kehre nach den übernachtungsstarken Jahren nach der Pandemie auch einfach nur wieder mehr Normalität ein.

Der Restaurantbetrieb im „Ochsen“ sei überraschenderweise gewachsen. Eventuell bedingt auch durch Schließungen anderswo, vermutet Winker.

Nach und nach soll das Angebot in der benachbarten Bäckerei erweitert werden, erwähnt Winker kleinere Mahlzeiten zum Frühstück oder Mittagessen. Die zweite und dritte obere Etage nutzen die Winkers für sieben weitere Hotelzimmer. Somit konnte der „Ochsen“ seine Übernachtungskapazitäten von 14 auf jetzt 21 Zimmer steigern.

Maria-Magdalena Winker und ihr Mann Stephan Winker blicken zuversichtlich in die Zukunft. Mit ihren beiden Kindern im Alter von drei und sechs Jahren eröffnet sich die Möglichkeit für eine Fortsetzung der Familientradition. Aber über ihre berufliche Zukunft müssten ihre Kinder selber entscheiden. Und da sei noch Zeit, merkt sie an.