Auf Plakaten ist sie bereits nicht zu übersehen, ab Samstag fährt die Hermann-Hesse dann „in echt“ durch den Kreis Calw. Foto: Verena Parage

Die reaktivierte Strecke nach Weil der Stadt wird am Samstag eröffnet, tags darauf verkehren die Züge dann laut Fahrplan. Ein Mammutprojekt geht zu Ende. Ein Grund zu feiern.

Jahrzehntelanges Planen und jahrelanges Bauen haben ein Ende: Die Hermann-Hesse-Bahn (HHB) geht am Samstag, 31. Januar, in Betrieb. Ab Sonntag, 1. Februar, fährt sie dann laut Fahrplan und verbindet Calw mit Weil der Stadt und damit über die Schiene mit der Region Stuttgart. Das wird am Samstag gebührend gefeiert. Bis es so weit ist, war es aber ein langer Weg. Die Zahlen sprechen für sich. Wir haben Fakten zur HHB zusammengetragen.

 

1872 fährt die Württembergische Schwarzwaldbahn von Stuttgart über Leonberg und Weil der Stadt nach Calw. Mehr als 100 Jahre besteht die Verbindung in den Nordschwarzwald – bis zum 27. Mai 1983. Damals fährt der letzte Personenzug zwischen Weil der Stadt und Calw. 1989 wird der Streckenabschnitt endgültig stillgelegt.

1994 kauft der Landkreis Calw diesen Abschnitt. Seit 2001 laufen Untersuchungen, wie sich die Strecke reaktivieren lässt.

2015 fällt der Startschuss für die Reaktivierung. Danach gibt es viel zu tun.

3: So viele Tunnel passiert die HHB. Zwei davon gibt es aus früheren Zeiten – den Hirsauer- /Welzbergtunnel und den Forsttunnel bei Althengstett. Neu gebaut wurde der 498 Meter lange Tunnel am Hacksberg zwischen Ostelsheim und Weil der Stadt-Schafhausen. Er verkürzt die Fahrzeit, zusammen mit 820 Metern Neubaustrecke, um vier Minuten.

Bis zu 100 Stundenkilometer schnell unterwegs

700 Tonnen wiegt der Kran, der am 25. Mai 2024, dem Calwer „Brückentag“, die Fußgängerbrücke auf den ZOB-Turm hebt. Über sie gelangen die Fahrgäste nun am Calwer Bahnhof zum Bahnsteig der HHB.

60 dürfte eine der Lieblingszahlen der HHB-Fans im Kreis Calw sein. Denn so viele Minuten brauchen Fahrgäste künftig dank der neuen Verbindung über die Schiene nur noch nach Stuttgart. Die 60 taucht übrigens noch einmal auf: Zunächst verkehrt die HHB nämlich im Stundentakt.

100 Stundenkilometer schnell können die Züge auf der Strecke fahren.

2800 Fahrgäste in etwa werden pro Tag erwartet. Die einfache Fahrt kostet von Calw nach Weil der Stadt für einen Erwachsenen 6,10 Euro. Kinder von sechs bis 14 Jahren bezahlen 4,30 Euro.

Fledermäuse prägen das Vorhaben

240 Millionen Euro kostet die Hesse-Bahn. Rund 85 Millionen Euro davon müssen allein für den Artenschutz ausgegeben werden. Das bringt uns zur nächsten Zahl.

1000. So viele Fledermäuse sind im Hirsauer Tunnel und im Forsttunnel zu Hause. Für das Projekt eine große Herausforderung. Denn die Menge an Tieren macht die Tunnel nach Angaben des Nabu Baden-Württemberg zu den „bedeutendsten Überwinterungs- und Schwärmquartieren für Fledermäuse im süddeutschen Raum“. Etwa 700 Tiere aus neun Arten überwintern demnach im Hirsauer Tunnel, „rund 300 Tiere aus zehn Arten im Tunnel ,Forst’“. Damit das möglich bleibt, waren umfangreiche Maßnahmen nötig – etwa eine Tunnel-im-Tunnel-Lösung.

2026: Auch nach der Inbetriebnahme, der reguläre Fahrplanbetrieb startet am 1. Februar, sind Meilensteine zu erwarten. So soll die Bahn wohl ab April im 30-Minuten-Takt fahren. Voraussichtlich ab Juni verlängert sich die HHB-Strecke bis nach Renningen.

Das Programm zur Eröffnung der HHB

Von einem „historischen Moment“
 spricht Landrat Helmut Riegger anlässlich der Eröffnung der Hermann-Hesse-Bahn. Der Kreis Calw lädt seine Bürger deshalb am Samstag, 31. Januar, zum Mitfeiern ein.

Unterwegs
Am späten Vormittag fährt die HHB durch die Region. Um 11 Uhr ist feierliches Einfahren in Heumaden, kurze Ansprachen folgen. Um 11.30 Uhr wird der Zug in Althengstett in Empfang genommen, um 12.10 Uhr in Ostelsheim. Bürger sind an allen Stationen eingeladen, dies mitzuerleben.

Bahnhofsfest
Dasselbe gilt für das große Bahnhofsfest, das am Samstag, 12 bis 16.30 Uhr, in Calw stattfindet. Dort gibt es Programm für Jung und Alt mit Musik, Infoständen und Mitmachangeboten. Ab 14.30 Uhr können zudem die Triebwagen der HHB besichtigt werden.