An diesem Samstag wird Ernst Reiser 85 Jahre alt. Fast 40 Jahre lang saß er für die Freien Wähler im Gemeinderat von VS und machte sich einen Namen als der „streitbare Landwirt aus Nordstetten“.
Noch sehr gut auf den Beinen und klar im Kopf, ist Ernst Reiser dankbar für das „Glück, das ich bisher hatte, gesund so alt zu werden“.
Mit zwei Brüdern wuchs Ernst Reiser im elterlichen Anwesen auf, in dem er mit seiner Frau Hildegard bis heute lebt. Michael, einer seiner zwei Söhne, dessen Frau und drei von fünf Enkeln wohnen in der Nachbarschaft.
Täglich sitzt die ganze Familie gemeinsam beim Mittagessen, was Ernst Reiser sehr genießt, denn, sich mit jungen Menschen zu umgeben, auch das halte ihn fit, sagt er. Der Landwirtschaftsmeister hilft seinem Sohn, der den viehlosen Betrieb 2002 im Nebenerwerb übernahm, noch so oft er kann.
Kramer ist sein bester Freund
»Ich fahre gerne Traktor und freue mich, wenn es wieder losgeht«, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: „Mein 11 PS-Kramer ist mein bester Freund, der widerspricht mir nicht.“ Zudem erledigt er sowohl in seinem, als auch im Haus des Sohnes anfallende Hausmeistertätigkeiten.
Besonderes Jahr 1980
Das Jahr 1980 sollte für ihn ein besonderes werden, stellten sich hier doch gleich mehrere Weichen für seinen weiteren Lebensweg. Arnulf Wunderlich von den Freien Wählern sprach Ernst Reiser an, ob er nicht für einen Posten als Gemeinderat kandidieren würde. Und da sein Vater Otto einst für die unabhängigen Bürger im Stadtrat saß, entschied sich der Sohn ebenfalls für den Einstieg in die Kommunalpolitik.
Er wurde auf Anhieb gewählt und sollte ab 1990 bei den folgenden vier Kommunalwahlen unter allen Kandidaten stets Stimmenkönig werden. Obwohl nach eigenen Aussagen ein überaus friedliebender Mensch, der sich immer auf sein Bauchgefühl verließ, konnte er im Gemeinderat hin und wieder mal laut werden, gibt er zu, nämlich dann, wenn „vorne schön g’schwätzt und hintenrum anders gehandelt wurde“. Denn: „Unehrlichkeit, Hinterhältigkeit und Ungerechtigkeit konnte ich noch nie ertragen.“ 1985 wurde Ernst Reiser auch in den Kreisrat gewählt. 2019 kandidierte er schließlich für kein Ehrenamt mehr und begab sich in den kommunalpolitischen Ruhestand.
Bei den Wuescht
1980 war auch ein wichtiges Jahr für sein närrisches Engagement. Der Wueschtgruppe der Historischen Narrozunft lieferte er Nordstetter Stroh und durfte dafür einmal als Gastwuescht mitlaufen. Der damalige Wueschtvatter Georg Bauer schätzte die »große Klappe« des Neuzuganges und Reiser durfte bleiben.
Geburtstag beim Ball
Wenn in wenigen Tagen die Villinger Fasnet beginnt, wird man bei den Umzügen auf den dienstältesten Wuescht Ernst Reiser treffen, vorausgesetzt „meine Tagesform und das Wetter passen“, schränkt er ein.
Seinen Geburtstag wird er als Besucher des Zunftballes in der Neuen Tonhalle beschließen, eine Familienfeier muss noch warten. Das Jahr 2025 soll für Ernst Reiser auch ein besonderes werden. Noch vor Ostern will er die Geschichte seines 762 erstmals – „und vor Villingen“– erwähnten Nordstettens in vier Bänden veröffentlichen.