In Tuningen und Weigheim entsteht eine Agri-PV-Anlage. (Symbolfoto) Foto: dpa/Marcus Brandt

Die geplante Agri-PV-Anlage lässt sich nicht so schnell wie erhofft umsetzen. Die Flächen liegen nämlich in einem Vogelschutzgebiet – einem möglichen Lebensraum für Feldlerche und Neuntöter.

Im Juni fanden innerhalb von zwei Wochen zwei Infoveranstaltungen statt für eine geplante Agri-PV-Anlage auf drei Flurstücken mit einer Gesamtfläche von 8,5 Hektar östlich der A 81 und in der Nähe der L 492 kurz vor der Autobahnbrücke von Schura in Richtung Tuningen, eines auf Gemarkung Weigheim, zwei auf Gemarkung Tuningen, aber alle in Besitz des Bioland-Hofes Messner aus Schura. Voller Tatendrang stellte Torsten Schwarz von der „Wir.Solar“ aus Elzach das Projekt vor, noch bis zu den Sommerferien sollte eine Bürgerbeteiligung gegründet werden.

 

Mit der Baugenehmigung rechnete Torsten Schwarz im Sommer 2024. Jetzt, mehr als vier Monat später, betonte er auf Anfrage: „Das Projekt wird weiter verfolgt, wir sind auf gutem Weg.“ Die Schuld für diese lange Verzögerung hätten Feldlerchen und Neuntöter, zwei Vogelarten, die bei den artenrechtlichen Prüfungen aufgetaucht seien.

Gespräche laufen

Die Flächen für die geplante Agri-PV-Anlage liegen in einem Vogelschutzgebiet und Feldlerchen und Neuntöter seien schutzwürdige Vögel. In der letzten Woche hätten aber Abschlussgespräche mit der unteren Naturschutzbehörde stattgefunden, denn es seien Lösungen gefunden worden mit Ausgleichsflächen sowohl für die Feldlerche wie auch für den Neuntöter. Torsten Schwarz geht davon aus, dass somit die Baugenehmigung nicht mehr lange auf sich warten lässt. Die Einspeisezusage für das Umspannwerk in Trossingen liegt bereits seit Mai 2024 vor. Da aber in der Brutperiode der Vögel von März bis Juli nicht gebaut werden darf, verzögere sich der ursprünglich geplante Baubeginn von Ende 2024/Anfang 2025 auf August 2025.

Und wie sieht es mit der Gründung der Bürger-Energie-Genossenschaft aus? Die Resonanz nach den ersten Infoveranstaltungen sei gut, betont Torsten Schwarz, allerdings seien es bisher noch nicht ganz 50 Personen, die für die Gründung notwendig seien, aber es gebe viele Interessierte, die noch konkretere Details abwarten. „Wir haben für den Bau schon die ersten Angebote eingeholt, und es gibt auch schon eine genossenschaftliche Vorprüfung“.

„Neun Prozent Rendite“

Eine weitere Infoveranstaltung wolle er aber erst terminieren, wenn die Baugenehmigung vorliege, mit der er in Kürze rechne. Ganz sicher sei aber schon jetzt: „Es wird für die Beteiligten eine sehr gute Geldanlage, viel besser wie bei der Bank“. Torsten Schwarz spricht bei einer vorsichtigen Schätzung von etwa neun Prozent Rendite. Dies alles werde bei der nächsten Infoveranstaltung, die Schwarz im Dezember in Schura oder Tuningen durchführen möchte, sehr konkret. Danach soll auch noch in diesem Jahr die Genossenschaft gegründet werden.

Weitere Infoveranstaltung

Das Ziel sei, dass „viele natürliche Personen sich daran beteiligen“. Als Erstbegünstigte sieht Schwarz Personen aus Trossingen, Schura, Tuningen und Weigheim, „so etwa aus dem Fünf-Kilometer-Radius“. Als ein sehr spannendes Projekt, das für die Anleger sehr interessant sei, bezeichnet Philemon Messner die geplante Agri-PV-Anlage. Der junge Landwirt aus Schura, der Torsten Schwarz auf einer Bioland-Veranstaltung im vergangenen Jahr kennengelernt hatte, war vom Agri-PV-System sofort begeistert, so dass schon Ende 2023 der Nutzungs- und Bewirtschaftungsvertrag abgeschlossen wurde. Dass auch er Mitglied der zu gründenden Genossenschaft wird, ist für ihn keine Frage. „Ich habe schließlich alles initiiert.“

Steigender Marktanteil

Weltweit haben Agri-PV-Anlagen bereits einen Marktanteil von 50 Prozent, in Deutschland gibt es bisher erst zehn verbaute Anlagen, aber es laufen auch 100 Bauanträge. Diese Anlagen sind die Zukunft in Deutschland, so Torsten Schwarz. Mit etwa 2,60 Meter hohen „Trackern“, also dem Sonnenverlauf von Ost nach West nachgeführten Systemen mit einem rund 20 Prozent höheren Solarertrag wie bei normalen Freiflächen-PV-Anlagen, sei eine Doppelnutzung aus Landwirtschaft und Stromerzeugung möglich.

Mehr als 90 Prozent der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, der Rest sind Blühstreifen für die Biodiversität. Es müssen 66 Prozent des bisherigen Ertrages erreicht werden. Eine ganz normale Fruchtfolge ist möglich, es muss lediglich mit einer Ausreifung von fünf bis zehn Tagen später wie üblich gerechnet werden. Weitere Informationen unter www.wir-solar.de; E-Mail: info@wir-solar.de.