Egal wo im Kreis der Strom produziert wurde – er soll möglichst eigenverbraucht werden. (Symbolbild) Foto: TimSiegert-batcam - stock.adobe.com

Bis 2030 möchte der Kreis Calw seine eigenen Gebäude klimaneutral mit Strom versorgen. Dafür wurde nun ein neues Konzept erarbeitet. Wie das große Ziel erreicht werden soll.

Den Strom dort nutzen, wo er gebraucht wird – unabhängig davon, wo er erzeugt wurde – und so schließlich klimaneutral werden. Das ist Ziel des Landkreises Calw, der seine Energieversorgung nun neu ausrichtet. Die wesentlichen Elemente: Bilanzen, Speicher und Solarenergie.

 
Der Landkreis Calw organisiert die Energiewende neu und macht Eigenstrom standortübergreifend nutzbar. Foto: Landratsamt Calw/Mara Müssle

Weitere Anlagen befinden sich im Bau oder in der Umsetzung: auf dem neuen Feuerwehrzentrum des Landkreises, als vertikale PV-Anlage auf dem Parkplatz des Landratsamts sowie an der neuen Straßenmeisterei Würzbacher Kreuz. Zusammen erreichen diese Projekte rund 2000 Kilowattpeak. Kilowattpeak bezeichnet die maximale Leistung.

Speicher erhöhen Flexibilität

Ergänzend werden die Anlagen mit Batteriespeichern ausgestattet. Nicht sofort verbrauchter Strom wird damit zwischengespeichert und zeitversetzt genutzt.

Neu ist nicht nur der Ausbau der Photovoltaik, sondern vor allem das energiewirtschaftliche Konzept dahinter. Der von den Anlagen erzeugte Strom wird in einen gemeinsam entwickelten Bilanzkreis aufgenommen, den die ENCW führt. Damit wird der an einem Standort erzeugte Strom rechnerisch mit dem zeitgleichen Verbrauch an anderen Liegenschaften des Landratsamts verrechnet.

Strom wird bilanziell verschoben

Dieses Modell ermöglicht eine deutlich höhere Eigenverbrauchsquote, senkt den externen Strombezug und erhöht die wirtschaftliche Effizienz der Anlagen. Die ENCW übernimmt das vollständige Bilanzkreismanagement.

Foto: Landratsamt Calw/Mara Müssle

„Mit dem neuen Bilanzkreismodell gehen wir einen wichtigen Schritt hin zu einer modernen, intelligent organisierten Energieversorgung unserer kreiseigenen Gebäude. Der von uns erzeugte Solarstrom kann künftig dort genutzt werden, wo er gerade gebraucht wird – unabhängig vom Standort der Anlage“, wird Landrat Helmut Riegger in einer Pressemitteilung zitiert. „Das steigert nicht nur die Wirtschaftlichkeit unserer Investitionen, sondern bringt uns auch unserem Ziel näher, die Liegenschaften des Landkreises bis 2030 bilanziell klimaneutral zu betreiben.“

Dadurch ließen sich Lastspitzen reduzieren, Netzrückspeisungen minimieren und der Eigenverbrauch weiter steigern, erklärt das Landratsamt. Das Zusammenspiel aus Photovoltaik, Speicher und Bilanzkreis schaffe ein vernetztes, steuerbares Energiesystem auf Landkreisebene.

„Masterplan Klimaneutral 2035“ als Grundlage

Konzipiert wurde dieses Modell im Rahmen des „Masterplans Klimaneutral 2035“ des Landkreises. Die energiewirtschaftliche Strukturplanung, insbesondere das sektorübergreifende Bilanzkreismodell, wurde durch die Planungsgruppe Schnepf aus Nagold erarbeitet.

Dabei ging es nicht allein um Einzelanlagen, sondern um eine systemische Betrachtung mehrerer Sektoren: Stromerzeugung, Verbrauchsstruktur der Liegenschaften, Speicherintegration und energiewirtschaftliche Abwicklung.

Ziel ist es, die kreiseigenen Gebäude bis spätestens 2030 unterm Strich klimaneutral mit selbst erzeugtem Strom zu versorgen.

Modell mit Signalwirkung

„Das Projekt zeige, wie kommunale Eigenstromerzeugung heute organisiert werden kann: nicht isoliert pro Standort, sondern vernetzt, bilanziell optimiert und energiewirtschaftlich professionell gemanagt“, heißt es in der Pressemitteilung des Landratsamts.

„In Zeiten steigender Anforderungen an Versorgungssicherheit, Kosteneffizienz und Klimaschutz setzt der Landkreis Calw damit auf ein strukturiertes und langfristig tragfähiges Modell. Die Energiewende wird hier nicht nur umgesetzt – sie wird strategisch organisiert.“