Windkraft und Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen in Hechingen: Die Planungen bei den Stadtwerken laufen. (Symbolfoto) Foto: stock.adobe.com/zhengzaishanchu

Windkraft und Freiflächen-Photovoltaik sind bei den Stadtwerken Hechingen im Blick. Betriebsleiter Markus Friesenbichler teilt mit, dass Planungen im Hintergrund laufen. Grenzen setzen der Haushalt – und die vom Regionalverband ausgewiesenen Flächen.

Auf Gemarkung Grosselfingen und Rangendingen planen die Stadtwerke Stuttgart und Uhl Windkraft aus Ellwangen sieben Windräder, in Balingen und Bitz stehen Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen in der Konzeption. Hilde Buckenmayer aus Hechingen fragte ob dieser Großprojekte in der unmittelbaren Nachbarschaft jüngst in einem Leserbrief, wo die Initiative der Zollernstadt für ebensolche bleibt.

 

Die Leserbriefschreiberin erkennt zwar das Engagement der Stadtwerke im nahezu CO₂-neutralen Neubaugebiet Killberg IV an, sagt aber auch: „Bei Projekten zu erneuerbaren Energien wie Freiflächen-PV oder Windkraftanlagen bleibt es auffallend ruhig.“ Markus Friesenbichler, Leiter der Stadtwerke Hechingen, will nicht den Eindruck aufkommen lassen, dass die Stadt Hechingen die Energiewende verschläft. Ganz im Gegenteil: „Freiflächen-Photovoltaik sind ein wichtiges Geschäftsfeld für uns.“ Intern sei die strategische Planung im Gange. „Wir sind mit unterschiedlichen Akteuren am Markt im Gespräch“, betont Friesenbichler gegenüber unserer Redaktion. Die Stadtwerke wollen vorbereitet sein, sollte sich die Chance auf die Realisierung einer solchen Anlage ergeben. Denn: „Wenn wir es machen, dann richtig.“ Daher komme es für ihn auf zwei oder drei Jahre, auch im Bezug auf die jahrzehntelange Nutzung der Anlagen, nicht an.

Stadtwerke sind an städtischen Haushalt gekoppelt

Klar sei auch, dass die Stadtwerke als kommunaler Versorger an den Haushalt der Stadt Hechingen gebunden ist und damit auch an deren finanzielle Leistungskraft. Daher seien die Ressourcen begrenzt, auch mit Blick auf das Neubaugebiet Killberg IV, in das die Stadt insgesamt 44 Millionen Euro gesteckt hat. Stadtwerke-Chef Friesenbichler möchte nochmals betonen: „Killberg IV ist im Bereich Erneuerbarer Energien nach wie vor ein Vorzeigeprojekt.“ Gäste aus ganz Europa, darunter Hochschulen und Fachfirmen, kommen nach Hechingen, um sich die innovative Wärmeversorgung anzuschauen. Diese zollen den Stadtwerken laut Friesenbichler zumeist Respekt, dass eine Stadt in der Größe Hechingens sich an solch ein umfangreiches Projekt gewagt hat.

Ziel: Wertschöpfung in der Region halten

Anders ausgedrückt: „Die Stadtwerke tun viel für die Energiewende.“ Wichtig ist Friesenbichler auch der Rahmen, in welchem Freiflächen-PV-Anlagen gebaut werden. Oberstes Gebot sei, dass die Anlagen einen regionalen Mehrwert schaffen. Der produzierte Ökostrom solle an Firmen in der Region verkauft werden, um die Wertschöpfung vor Ort zu halten.

Regionalverband weist Flächen für Anlagen aus

Abgesehen davon, sind die Stadtwerke nicht befugt, Freiflächen-PV-Anlagen allerorts zu bauen. Der Regionalverband Neckaralb legt in seinen Raumnutzungskarten fest, welche Flächen infrage kommen. Davon gibt es in Hechingen eine Fläche zwischen Golfplatz und Weilheim, östlich von Stetten sowie zwischen Stetten und der B 27 als auch zwischen B 27 und B 32. Auch wenn derzeit ortsfremde Investoren auf der Suche nach Gebieten für ihre Anlagen sind, setzt sich Friesenbichler zum Ziel: „Wir wollen die Flächen in Hechingen nicht Dritten überlassen.“

Das gleiche gilt für Windenergie: In Hechingen weist der Regionalverband lediglich eine kleine Fläche für Windkraft östlich von Weilheim aus. Sonst können – Stand jetzt – an keinem anderen Ort in Hechingen Windräder gebaut werden. Den finalen Entwurf der Raumnutzungskarte soll im Oktober 2025 vorliegen.

Bürgerbeteiligung wird nicht ausgeschlossen

Und noch eine weitere Komponente spielt ganz aktuell eine Rolle: die Koalitionsverhandlungen in Berlin. Je nach Ausgang der Regierungsbildung kann sich Friesenbichler vorstellen, dass es nochmals Änderungen bei den Vorgaben gibt, spricht er doch aus über 20 Jahren Erfahrung im Energiesektor.

Auf den in orangener Farbe schraffierten Flächen hat der Regionalverband Flächen für Windkraft ausgewiesen. Foto: ©Landesamt für Geoinformation undLandentwicklung Baden-Württemberg /Kuhn

Und: Wenn die Stadtwerke in Großprojekte investieren, dann sei auch eine Bürgerbeteiligung denkbar: „Alle Optionen liegen auf dem Tisch.“ Verbindliche Zusagen – die Stadtwerke sind schließlich ein Wirtschaftsbetrieb – will Markus Friesenbichler aktuell aber noch nicht geben.

Solarpark auch auf Gemarkung Sickingen geplant – Windkraft kommt in Gemeinderat

Stadtwerke Tübingen investieren
 Ein Freiflächen-Photovoltaik-Projekt planen die Stadtwerke Tübingen auf den Gemarkungen Bodelshausen und Sickingen. Der Ortschaftsrat Sickingen befasst sich in seiner kommenden Sitzung am Montag, 7. April, mit dem Aufstellungsbeschluss, der Bauausschuss der Stadt Hechingen behandelt die Thematik am Mittwoch, 9. April.

Solarpark auf neun Hektar
Der Solarpark soll auf Höhe der Firma Zahnrad Ott an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Sickingen und Bodelshausen auf neun Hektar entstehen, wie Stadtsprecher Thomas Jauch informiert. Die Stadt Hechingen ist an diesem Vorhaben nicht beteiligt.

Windkraft noch dieses Jahr Thema
 Jauch erklärt zudem, dass sich auch der Gemeinderat Hechingen noch in diesem Jahr mit dem Thema Windkraft befasst. Dazuhin investiere die Stadt in viele kleine Projekte, um den Ausbau Erneuerbarer Energie voranzutreiben. Die Stadt hat entsprechend der Photovoltaik-Pflicht des Landes Baden-Württemberg, beispielsweise auf ihren Neubauten der vergangene Jahre grundsätzlich eine PV-Anlage installiert. Dies betrifft unter anderem die Erweiterung des Kindergarten Sickingen, die Erweiterung des Kindergarten Fürstin Eugenie und den Neubau der Asylunterkunft in der Ermelesstraße. Dies wird sich laut Jauch fortsetzen, zum Beispiel beim geplanten Erweiterungsbau der Grundschule am Schlossberg.