Nagold hat in Sachen erneuerbarer Energien noch viel Potenzial. Das verrät schon ein Blick auf die vielen energetisch ungenutzten Dächer dieser Stadt.
Enttäuschend fielen die aktuellen Zahlen rund um die Klimabilanz von Nagold aus. Vor allem im Vergleich zu den Durchschnittswerten des Landes hinkt Nagold hinterher.
Will man das ändern, kommt dem Ausbau der erneuerbaren Energien eine besonders wichtige Rolle zu. Wie steht es also aus um die Potenziale für erneuerbare Energien in Nagold?
Jörg Scholtes von der Netze BW GmbH präsentierte die Bilanz dem Nagolder Gemeinderat. Grundlage ist unter anderem der Energieatlas des Landes Baden-Württemberg. Und der sieht in Nagold vor allem bei der Nutzung der Dachflächen für Photovoltaiklangen noch immenses Potenzial.
17 Prozent des Dachpotenzials sind in Nagold erschlossen
Nur 17 Prozent des Dachpotenzials hatte Nagold bis zum Juli dieses Jahres erschlossen. Theoretisch wurde bei den Dachflächen für Nagold eine mögliche Leistung von 143 000 kWp berechnet.
Zur Einordnung: kWp steht für Kilowatt-Peak und ist die Maßeinheit für die maximale Nennleistung einer Photovoltaik-Anlage. Mit dem aktuellen Anlagenbestand kommt Nagold auf eine Leistung von 23 782 kWp.
Viel größer sind die Potenziale bei der Photovoltaik aber mit Anlagen auf Freiflächen oder so genannten Agri-PV-Anlagen.
Bei den Freiflächenanlagen kommt Nagold auf 364 Hektar an möglichen Flächen ohne Restriktionen. Weitere 929 Hektar werden als mögliche Flächen – aber mit Restriktionen – aufgeführt.
In der Summe wäre es laut dem Netze BW-Bericht also möglich, Anlagen mit einer Gesamt-Leistung von insgesamt 958 000 kWp zu errichten. Blickt man nur auf die Flächen ohne Restriktionen sinkt der Wert auf 270 000 kWp – also dennoch fast doppelt so viel wie bei einer Nutzung aller Dachflächenpotenziale.
Agri-Solaranlagen ermöglichen weiterhin eine landwirtschaftliche Nutzung
Eine weitere Möglichkeit der Photovoltaiktechnik sind Agri-PV-Anlagen. Diese Agri-Solaranlagen sehen auf den Flächen auch weiterhin eine landwirtschaftliche Nutzung vor. Dabei gibt es unterschiedliche Typen, unter anderem die „aufgeständerte Variante“, unter der die Flächen noch weiter bewirtschaftet werden können.
Ganz unabhängig vom Anlagentyp sind im Energieatlas für Nagold 2260 Hektar an Potenzialfläche vorhanden, die sich für Agri-Solaranlagen eignen würden. „Das entspricht 88 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche“, heißt es in dem Bericht von Scholtes. Die mögliche Leistung wäre enorm: Von 3616 Megawattpeak ist die Rede, also in kWp ausgedrückt: 3 616 000 Kilowatt-peak.
Energieatlas sieht auch für Windkraft Standorte vor
In der Theorie hat Nagold auch Potenziale für die Windenergie. Auf 395 Hektar Flächen in Nagold besteht nach Angaben des Energieatlas die Möglichkeit 31 Windkraftanlagen zu errichten. Hinzu kämen demnach weiter 20 Anlagen auf „bedingt geeigneten Flächen“.
Soweit zur grauen Theorie. Zur Wahrheit gehört aber auch: Sowohl gegen Windkraftanlagen als auch Freiflächenanlagen ist der Widerstand deutlich größer als gegen Dachflächenanlagen.