Der Teichhof zwischen Kalkweil und Remmingsheim ist jetzt umgeben von einer Photovoltaik-Anlage. Darunter weiden Wasserbüffel, Konikpferde und Kühe wie in einem großen Offenstall.
Die Idee, sagt Andreas Baur, hatte er eigentlich schon vor 20 Jahren: Man könnte doch die Weiden beim Teichhof mit Photovoltaik-Anlagen bestücken, die so hoch sind, dass das Vieh darunter grasen kann. So kann man das Land doppelt nutzen und es gehen weder Ackerboden noch Weideflächen für die Landwirtschaft verloren. Er sei, erzählt er, damals beim Rathaus vorstellig geworden und bei den Stadtwerken. Die hätten über seinen Vorschlag aber nur gelacht.
Weiden können weiter genutzt werden
Agri-Photovoltaik gilt als echtes Erfolgsmodell Dabei war Baurs Idee eigentlich visionär. Wenige Zeit später machte das Fraunhofer-Institut die Kombination von Solar-Anlagen mit landwirtschaftlicher Nutzung zu einem Schwerpunkt seiner Forschung. Heute gilt Agri-Photovoltaik als echtes Erfolgsmodell, sagt Joachim Blum, Geschäftsführer von Smart Solar. Die Firma mit Sitz im bayerischen Fischbachau hat sich auf Agri-PV spezialisiert. Dass Weiden und Äcker weiterhin genutzt werden können, macht es für die Firma sehr viel einfacher, Grundstücke von Landwirten zu pachten. Denn die wenigsten Landwirte sind bereit, ihre Äcker für Freiflächen-PV-Anlagen herzugeben. Aber die Pachteinnahmen zu erhalten und die Äcker und Weiden weiterhin nutzen zu können, macht für sie den Ausbau der erneuerbaren Energien auch wirtschaftlich interessant.
Pferde, Bullen und Kühe unter aufgeständerten Modulen So weiden nun beim Teichhof, zwischen Kalkweil und Remmingsheim, Pferde, Bullen und Kühe unter den aufgeständerten Modulen, die demnächst mit Sonnenlicht nachhaltigen Strom produzieren. Die Teichhofbetreiber Eva Reichert und Andreas Baur haben sechs Pferde der Rasse Konik aufgezogen. Neugierig kommen die robusten Ponys herangetrabt und inspizieren die Taschen der Besucher, die da über ihre Weide stiefeln.
Der Boden wird aufgewühlt und bleibt feucht Die Pferde sind normalerweise als Landschaftspfleger im Dienst, ebenso wie die 33 Wasserbüffel des Teichhofs. Einige Büffel grasen an diesem kühlen Frühjahrstag zwischen den Stahlträgern der Anlage. Ihre Kollegen sind derweil auf den Feuchtwiesen zwischen Rottenburg und Wurmlingen im Einsatz, wo sie das Gras schön kurz halten und sich im Schlamm suhlen. Auch das dient der Landschaftspflege, weil dadurch der Boden aufgewühlt und feucht bleibt. Das gefällt den dort angesiedelten Kiebitzen ebenso wie den Bachstelzen und Molchen.
Eine sogenannte „Trekking-Anlage“ 2,50 bis 3,50 Meter hoch sind die stählernen Stützen, die die PV-Module tragen. Es ist eine sogenannte „Trekking-Anlage“. Das heißt, die Solarmodule richten sich nach dem Stand der Sonne aus. Frühmorgens stehen sie schräg in Richtung Osten, abends in Richtung Westen. Das bringt generell eine bessere Energieausbeute. Vor allem aber passt die Stromproduktion besser zum Strombedarf. Wenn um 8 Uhr morgens das produzierende Gewerbe anläuft, geht der Stromverbrauch „raketenartig nach oben“, so Blum. Und Trekking-Anlagen können schon ab den ersten Sonnenstunden des Tages Strom produzieren, während die fest nach Süden aufgeständerten Anlagen frühmorgens noch schwächeln.
Überproduktion in der Mittagszeit In der Mittagszeit, wenn überall die Sonne auf die Module knallt, gibt es dagegen Überproduktion. Wie die meisten Solar-Unternehmer setzt auch Smart Solar beim Teichhof auf Batteriespeicher. Dort wird der Mittagsstrom zwischengespeichert, bis er nachts ins Netz geht.
Die Einspeisung läuft über einen Knotenpunkt Eingespeist ins Netz der Stadtwerke Rottenburg und der ENBW wird übrigens an einem Knotenpunkt mit Trafostation direkt beim Teichhof. Für die Investoren ist das ein Glücksfall. Denn wenn es keinen nahe gelegenen Einspeisepunkt gibt, kann das zum k.o.-Kriterium für PV-Anlagen werden. Müssten die Investoren zum Beispiel eine Erdleitung zu einem fünf Kilometer entfernten Trafo-Häuschen bauen, wird das Projekt bei Tiefbaukosten von 150 Euro pro Meter schnell unwirtschaftlich.
Die Trafostation liegt direkt neben der Anlage
Bis September soll alles angeschlossen sein Beim Teichhof liegt die Trafostation direkt überm Feldweg, wie praktisch. Der Technikplan für die Trafoblegung ist derzeit in Arbeit. Auf den Wiesen liegen die Stromkabel – noch mit losen Enden – bereit. Bis alles ausgeklügelt und umgesetzt ist, wird es wohl September werden, schätzt Blum. Dann kann die Teichhof-Anlage in Betrieb gehen.
Wetterschutz für Büffel, Kühe und Pferde Bis dahin erfüllen die PV-Schirme schonmal ihre Funktion als Wetterschutz für Büffel, Kühe und Pferde. Immer wieder, sagt Andreas Baur, werde er gefragt, wie die Tiere das denn finden, wenn da überall Stahlträger auf der Weide stehen. Irritiert sind die Tiere gar nicht, sagt Baur, im Gegenteil: „Die lieben das. Im Sommer haben sie Schatten, bei schlechtem Wetter Regenschutz.“ Und als es kürzlich kalte Nächte gab, waren die Wiesen überall mit Raureif überzogen – nur unter den Solarmodulen nicht.
Privilegiertes Bauvorhaben bei landwirtschaftlichem Hof Knapp 2,5 Hektar ist die Anlage groß – und damit klein genug, um als privilegiertes Bauvorhaben bei einem landwirtschaftlichen Hof auch ohne Bebauungsplan auszukommen. Das hat die Bauzeit deutlich verkürzt. Die Leistung der Anlage liegt bei 3,2 Megawatt Peak.
Weiden langfristig von den Teichhof-Betreibern gepachtet Die Firma Smart Solar hat die Weiden langfristig von den Teichhof-Betreibern gepachtet, erklärt Blum. Er rechnet mit einer Refinanzierung bis in 20 Jahren. Der Pachtvertrag laufe noch deutlich länger. Die Solar-Module stammen übrigens von chinesischen Herstellern. Sie haben mittlerweile einen Marktanteil von 95 Prozent, so Blum. Schade eigentlich: „Bis 2012 war Deutschland bei Solarmodulen Weltmarktführer. Dann haben wir das aus der Hand gegeben.“