Die Biogasanlagen Birkhof und Enkental können mit ihrem Heizwasser Wohnhäuser klimafreundlich mit Energie aus nächster Nähe erwärmen. Florian Oswald und sein Team wollen wissen, wer von den Sulzern auf diese nachhaltige Art umsteigen würde.
Im Sommer wurde jede Menge Erde bewegt, als die neuen Rohre zwischen der Biogasanlage Birkhof und der im Enkental verlegt wurden.
Jetzt ging es bei der Info-Veranstaltung der Birkhof Energie im Backsteinbau um ein weiteres Projekt – die Versorgung der Schillerhöhe mit Nahwärme.
Heizwasser im Pufferspeicher
In der Biogasanlage wird aus Gülle, Mist oder Grassilage Biogas, das im Blockheizkraftwerk verbrannt und so Strom erzeugt wird. So könne nachhaltiger Strom auch bei Windstille oder in der Nacht produziert werden, erklärt Geschäftsführer Florian Oswald.
Während das Biogas in den charakteristischen großen Kuppelspeichern drei Tage lang gelagert werden könne, kommt das bei der Kühlung gewonnene Warmwasser in Pufferspeicher und kann nun zur Nahwärme genutzt werden.
Fossiles Heizen wird teuer
Das 75 Grad warme Heizwasser gelangt per Leitung direkt an die Häuser. „Da braucht es nur eine Pumpe und einen Wärmetauscher“, schildert Oswald die technischen Einsparungen gegenüber einem Öl- oder Gaskessel. Das abgekühlte Wasser fließe dann wieder zurück ins Blockheizkraftwerk
„Ab 20245 wird es keine fossilen Anlagen mehr geben“, blickt er nach vorne. Stattdessen werde der CO₂-Preis, der aktuell noch bei etwa 50 Euro liege, drastisch steigen – Schätzungen zufolge auf über 300 Euro. „Öl- und Gaskessel haben keine Zukunft mehr“, lautet Oswalds Fazit.
Leitung mit viel Leistung
Wie das Heizen mit dem Warmwasser funktioniert, könne man schon seit 2008 an den Schulen in der Kernstadt, der Neckar- und Stadionhalle sowie dem Freibad sehen. Das Ergebnis: 4000 Tonnen eingespartes CO₂.
Für 2026/2027 ist ein weiterer Ausbau geplant – und zwar für die Breite wie auch die Schillerhöhe. Mit der Leistung von 15 Megawatt könnte die Verbindungstrasse an der Höhe könne man etwa 1250 Haushalte – also das Achtfache der dortigen Häuser – versorgen.
Stabile Preise für ein Jahrzehnt
„Die Anfangsinvestitionen bei Nahwärme liegen bei 20.500 Euro“, nennt Oswald den preislichen Rahmen. Allerdings würde sich das Geld bei einer Amortisationszeit von etwa neun Jahren wieder rechnen.
„Für eine Pauschale können auch wir die ganzen Förderanträge stellen“, merkt Oswald an. Wenn der Vertrag abgeschlossen und die Leitung gelegt sei, habe man für zehn Jahre lang einen stabilen Preis. Eine leichte Erhöhung erfolge lediglich gemäß der Preisleitklausel, die sich etwa am Lohn- und Inflationsindex orientiert.
Vorteil Mehrfamilienhaus
„Der Kostentreiber ist eindeutig der Netzbau“, stellt der Geschäftsführer klar. Und deshalb brauche es je nach Wärmeabnahme der anzuschließenden Immobilien 40 bis 70 Prozent Anschlussdichte, damit sich die Ausgaben für das Unternehmen rechneten.
Wobei es natürlich auch Faktoren gebe, die bei der Verlegung von Vorteil seien. „Wenn wir an beiden Seiten der Straße Mehrfamilienhäuser haben, ist es günstiger, als wenn an einer Straßenseite nur Einfamilienhäuser stehen“, verdeutlicht er.
„Es braucht Dynamik“
Es müssten auch nicht komplette Straßenzüge gebaut werden, so dass man mit kleinen Maßnahmen beginnen könne, differenziert er.
„Die jüngeren Leute, die gerade neu bauen, haben alle eine Wärmepumpe, die älteren wollen vielleicht keine neue Heizanlage einbauen“, gibt ein Anwohner zu bedenken.
Ein anderer greift das auf: „Es braucht eine Dynamik. Jetzt wartet jeder, bis der andere anfängt“, beschreibt er seine Erfahrung.
Um einen Anfangspunkt zu setzen und herauszufinden, wie die Stimmung ist, werden am Ende der Veranstaltung Fragebögen zum Interesse an Nahwärme verteilt. „Sie können uns sagen, ob so ein Projekt machbar ist“, sagt Oswald.