Das Hofgut Leo in Gresgen hat beim Landratsamt Widerspruch gegen den geplanten Windpark am Zeller Blauen eingelegt. Für den 1. April lädt die Genossenschaft alle Beteiligten und Widersprecher zum Runden Tisch ein. Ob der Widerstand zu spät kommt, ist allerdings nicht klar.
„Wir vom Hofgut Leo haben mit Sorge einen fehlenden (konstruktiven) Dialog und mangelnde Transparenz bezüglich der geplanten Windkraftanlagen auf dem Zeller Blauen festgestellt“, schreibt Thomas Hann von der Genossenschaft in einer Mitteilung. Auch sei nach oder bei öffentlichen Veranstaltungen von „Windkraftgegnern und haltlosen Gegenargumenten“ gesprochen worden, aber wenig Details zu genannten Argumenten und Hintergründen zitiert worden. Nun lädt das Hofgut zu sich zu einem runden Tisch zum Thema ein, am 1. April, ab 16 Uhr.
Wie kam es dazu?
Nachdem am 14. März das Landratsamt informiert hatte, dass der Windpark auf dem Zeller Blauen wahrscheinlich genehmigungsfähig sei, habe das Hofgut am 18. März einen Widerspruch gegen die geplanten Windkraftanlagen beim Landratsamt eingereicht. Dazu habe es bisher keine Reaktion erhalten, wie Hann auf Nachfrage unserer Zeitung sagt. Auch seien die Betreiber des Hofguts verwundert, wie es ganz ohne Einbezug der breiten Öffentlichkeit zu dieser Entscheidung des Landratsamts kommen konnte. „Nun wollen wir zum Dialog einladen, weil ich mitbekommen habe, dass keiner miteinander redet“, sagt Hann im Gespräch mit unserer Zeitung. Er sei bereits am 7. März 2024 auf Tobias Tusch von der EWS zugegangen und habe ihm einen Austausch angeboten und auch, einen runden Tisch zu organisieren. Eine Rückmeldung darauf habe er nicht bekommen, sagt Hann.
Auch Einreicher von Widersprüchen sollen gehört werden
Bei der Veranstaltung in der kommenden Woche sollen auch alle anderen Einreicher von Widersprüchen ihre Argumente vorbringen können. Auch alle Unternehmen, welche am Windpark-Projekt beteiligt sind, seien eingeladen. Das Hofgut Leo setze sich laut Hann zwar für erneuerbare Energien ein, aber „in gesundem Maß.“ Sie müssten regional eingebunden, sozial gerecht und ökologisch sinnvoll gestaltet sein. In seiner Stellungnahme vom 18. März schreibt das Hofgut: „Der geplante Windpark am Zeller Blauen bedroht unser Modellprojekt unmittelbar und er bedroht die wirtschaftliche und kulturelle Zukunft der gesamten Region.“
Hofgut Leo: Großflächige Windkraftnutzung eine Fehlentscheidung
Die Entscheidung für eine großflächige Windkraftnutzung in dieser sensiblen Landschaft sei aus mehreren Gründen eine strategische Fehlentscheidung: Sie schade den touristischen und naturpädagogischen Angeboten der Region, missachte die lokale Identität und bringe den ansässigen Bürgern und Unternehmen keinen Nutzen. Zudem werde die Landschaft zerstört. Als „maximale Belastung für Bürger, null Nutzen für die Region“ wird das Projekt beschrieben. Es fehle die Bürgerbeteiligung und die regionale Wirtschaft verliere ebenso an Attraktivität.
Ist das Hofgut zu spät dran?
Vor seinem Widerspruch habe sich das Hofgut nicht am Genehmigungsverfahren zum Windpark beteiligt. „Wir wurden einfach nicht informiert“, sagt Hann dazu. Er bleibt aber zuversichtlich auch noch zu diesem späten Zeitpunkt etwas zu erreichen: „Ich habe die Hoffnung, dass wir mit dem Runden Tisch noch etwas bewegen können.“
Vereinfachtes Verfahren ohne Öffentlichkeitsbeteiligung
Torben Pahl, Pressesprecher des Landratsamts, erläutert auf Nachfrage: „Bei dem immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren für Errichtung und Betrieb des Windparks Zeller Blauen handelt es sich um ein sogenanntes vereinfachtes Verfahren ohne Öffentlichkeitsbeteiligung.“ Gleichwohl sammle und sichte die Behörde Mitteilungen von Bürgern und prüfe diese. So werde auch das Schreiben des Hofguts auf Relevanz für das Genehmigungsverfahren überprüft. Ein Widerspruch gegen die Genehmigung sei allerdings nicht möglich. Betroffene könnten aber mit einem Klageverfahren, rechtliche Schritte gegen eine erteilte Genehmigung einleiten. Zuständiges Verwaltungsgericht in erster Instanz sei der Verwaltungsgerichtshof Mannheim, so Pahl.