In Münsingen gilt man als Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien. Der dortige Bürgermeister sagt, wie es geht – und Balingen sieht gute Ansätze für die eigene Stadt.
Die Stadt Münsingen im Kreis Reutlingen präsentiert sich als absolutes Musterbeispiel in Sachen erneuerbare Energien. Aus diesem Grund war Bürgermeister Mike Münzing kürzlich zu Gast im Stadtwerkeausschuss. Dort berichtete er dem Gremium, warum Münsingen beim Thema Energiewende so gut da steht.
Seit 27 Jahren ist Münzing bereits im Amt und hat in dieser Zeit einiges in seiner Kommune bewegen können. „Nach dem Abzug der Bundeswehr in Münsingen entstand die Vision, die Energiewende, aufgebaut auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales, voranzubringen“, sagt der Münsinger Bürgermeister.
Emotionale Ebene ebenfalls wichtig
Wichtig beim Thema Energiewende sei es vor allem, nicht nur rational vorzugehen, sondern auch die emotionale Ebene zu betrachten und die Bürger teilhaben zu lassen – und das nicht nur am Entscheidungsprozess, sondern auch am Gewinn.
Die Stadt Münsingen bietet ihren Einwohnern verschiedene Modelle der Teilhabe, so dass die Bürger mitverdienen können. „Zusätzlich spülen unsere Projekte ordentlich Geld in die Haushaltskasse. Geld, dass für Kindergärten, Schulen und so weiter ausgegeben werden kann“, so Münzing.
Münsingen setzt auf eine breite Palette an erneuerbarer Energiegewinnung. Dabei kommt der Stadt zugute, dass sie über eine riesige Gemeindefläche verfügt und dazu eine der größten waldbesitzenden Kommunen in Baden-Württemberg ist.
Wind- und Solarparks tragen zur Energiewende bei
Eine Holzhackschnitzelanlage etwa versorgt unter anderem Schulen und Hallen mit Energie. „Unsere Biogasanlage speist Gas ins Stadtnetz ein und arbeitet zu 95 Prozent energieeffizient“, berichtet Münzing.
Auch Wind- und Solarparks tragen zur Energiewende in der Kommune auf der Alb bei. Seit 25 Jahren drehen sich mehrere Windräder – ohne, so sagt es Bürgermeister Münzing, Protest aus der Bevölkerung.
Balingens OB Dirk Abel zeigte sich auf Nachfrage unserer Redaktion begeistert davon, was die Münsinger über die Jahre auf die Beine gestellt haben: „Bürgermeister Münzing hat gezeigt, dass Ökonomie und Ökologie keine Gegensätze sein müssen, sondern am besten Hand in Hand gehen.“
Balinger OB sieht Ansätze, die auch in Balingen Früchte tragen könnten
Gezeigt habe er auch, dass Klimaneutralität und Energieunabhängigkeit auf kommunaler Ebene keine utopische Ziele seien, sondern „vielmehr erreichbar, wenn sie konsequent von den Bürgerinnen und Bürgern aus gedacht werden“, so Abel.
Und der Balinger OB sieht Ansätze, die auch in Balingen Früchte tragen könnten. „Für die Überlegung hinsichtlich der Windkraftanlagen in Ostdorf können wir viel mitnehmen. Zentral sind hier und generell Beteiligungsmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger, damit diese auch von den Anlagen vor Ort profitieren.“
Und weiter: „Hinsichtlich der Photovoltaik haben wir gute Beispiel für die Aktivierung und Sensibilisierung der Bürger gehört, das gilt gerade für landwirtschaftliche Flächen“, meint der OB.
Viele der Ansätze sind laut Einschätzung Abels auf Balingen gut übertragbar, „vor allem wenn es darum geht, Menschen zu gewinnen und zu überzeugen. Denn das Beispiel Münsingen zeigt, dass die Energiewende nur von unten, gemeinsam mit den Bürgern und den Unternehmen, gelingen kann“.