„Gesunde Ernährung in jedem Alter“ – dass das möglich ist, hat Professorin Andrea Maier-Nöth vor großem Publikum in der Reihe „Impulse – Gesunde Stadt Albstadt“ erklärt.
„Dass Sie nur noch Gemüse essen und den ganzen Tag Sport treiben“, erwartet Andrea Maier-Nöth ausdrücklich nicht. Zumal ihrem Vortrag „Gesunde Ernährung in jedem Alter“ in der Stadtbücherei vorwiegend reifere Semester lauschten – so viele, dass Dorothee Hummel-Wagner, Organisatorin der Reihe „Impulse – Gesunde Stadt Albstadt“, mehrfach nachbestuhlen musste.
Wie sieht gesunde Ernährung in den Augen der Professorin für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaft sowie Ernährungspsychologie an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, die auf Kleinkindernährung spezialisiert ist und darin die Grundlage sieht, aus?
„Alles mit Maß und Ziel“
„Es ist nie zu spät“: Seine Ernährung umzustellen sei in jedem Alter möglich, betont die Fachfrau. „Ich esse auch mal süß und ungesund, aber alles mit Maß und Ziel!“
Achtsam genießen: „Nicht mehr am Tisch mit der Familie, sondern mit Handy oder Tablet“ in der Hand zu essen, sei „krank“, sagt Andrea Maier-Nöth unumwunden. Wer sich nicht auf sein Essen konzentriere, schnell esse und nicht gut kaue, sei nicht so schnell satt und verdaue schlechter. Es sei bekannt, dass Menschen, die beim Essen durch etwas Anderes abgelenkt seien, das Essen gar nicht wahrnähmen.
Nicht nur ungesund, sondern auch teurer
Selbst kochen: „Hochverarbeitete Lebensmittel machen krank und man nimmt mehr zu, schon weil man weniger kaut“, betont die Fachfrau. „Außerdem sind sie viel teurer.“ Sie rät dazu, regionale und saisonale Produkte selbst zuzubereiten.
Spezialfall Kleinkind: Wer seinen Kindern, wenn sie nicht essen wollten, Süßes gebe, damit sie überhaupt etwas essen, erziehe sie förmlich dazu, gesundes Essen zu verweigern, um Süßes zu bekommen. Das führe außerdem zu Nährstoffmangel. Andrea Maier-Nöth setzt sich dafür ein, „Ernährung“ als Grundschulfach einzuführen – auch damit Kinder lernten, wo Lebensmittel herkommen. Dürften Kinder selbst ihre Portionen schöpfen und gemeinsam mit anderen essen, seien sie bessere Esser – und Fett sowie Zucker nicht nötig, um sie zum Essen zu verführen.
Vielfalt auf dem Speiseplan – je früher desto besser
Abwechslung ist Trumpf: „Gesunde Vielfalt im Kindesalter ist essenziell für ein gesundes und langes Leben“ und halte die Zahl der Mikroorganismen im Darm hoch – sie unterstützten das Immunsystem, hülfen bei der Verdauung und kommunizierten gar mit dem Gehirn. Eine Langzeitstudie zeige, dass Kinder – etwa in Frankreich –, die „täglichen Wechsel und mehr Vielfalt auf dem Speiseplan bekommen, keine Allergien entwickeln, keine Verstopfungen und keine Blähungen haben“. Sie seien bessere Esser, entwickelten dennoch kein Übergewicht.
Übersäuerung: „Jede Krankheit beginnt mit Übersäuerung“, sagt Andrea Maier-Nöth und stützt damit die These von „Basenpapst“ Peter Jentschura, der jahrzehntelang die Folgen von Übersäuerung erforscht hat. Was führt zu Übersäuerung? „Stress, Ärger, Angst, tierische Eiweiße, Milch, die meisten Milchprodukte, Teig- und Backwaren, Süßspeisen, kohlensäurehaltiges Mineralwasser, Cola und Softdrinks, Kaffee, Alkohol, Nikotin und synthetische Lebensmittelzusatzstoffe.“ Säure schädige die Zellen, die dann nicht mehr funktionierten – und in der Folge der ganze Stoffwechsel. Rieche der Stuhl unangenehm, „sollten alle Alarmglocken läuten“.
„Zweimal jährlich den Darm reinigen!“
„Der Tod sitzt im Darm“: Diese These der Ernährungswissenschaftlerin erschreckte wohl manche Zuhörer. „Genauso wie außen müssen wir uns innen reinigen“, sagt sie – den Darm zweimal jährlich. Die Darmoberfläche sei so groß wie ein Fußballfeld, im Darm lebten 100 Billionen Darmbakterien, „die wir leider früh durch falsche Antibiotikagabe und Cortison zunichte machen“. Das Darmmikrobiom korreliere mit Übergewicht: „Manche essen fast nichts mehr und nehmen trotzdem nicht ab – sie brauchen wieder Darmbakterien, welche die Nahrung aufspalten.“
Das zweite Gehirn: „Als solches bezeichnet Andrea Maier-Nöth den Darm, in dem – sie erntete verblüffte Blicke – auch 90 Prozent des Glückshormons Serotonin gebildet würden. Ihr Rat an ihre Zuhörer: „Schaut Euch Euren Darm und Euren Stuhl an!“