Die Sprachnachricht, die jetzt zum Fall der Anstiftung zum Auftragsmord in Sulz kursiert, hat es in sich. Foto: Otto

Zum mutmaßlichen „Auftragsmord“ in Sulz kursiert nun eine 15-minütige Sprachnachricht, die bei den Hörern teils für Fassungslosigkeit sorgt. Wir haben die Details.

Der Fall in Sulz sorgt seit Wochen für Aufsehen – und für viele Fragen: Ein 43-jähriger Mann soll einen 35-Jährigen beauftragt haben, den neuen Lebensgefährten seiner von ihm getrennt lebenden Frau zu töten.

 

Darüber informierten Polizei und Staatsanwaltschaft Anfang Dezember, der 43-Jährige kam in Untersuchungshaft, wurde aber auf Kaution freigelassen. Zum Auftragsmord kam es nicht, der 35-Jährige hatte sich selbst an die Polizei gewandt.

Weil die Beteiligten in Sulz in der Öffentlichkeit stehen – die Ehefrau und der Lebensgefährte sind im Gemeinderat, der Beschuldigte ist als Geschäftsmann bekannt – wird der weitere Fortgang der Ermittlungen mit Spannung verfolgt. Ebenso wie jeder Schritt, den die Beteiligten jetzt machen.

Mittendrin in der angespannten Erwartung ploppt nun auf vielen Smartphones in Sulz und Umgebung über Whatsapp eine Sprachnachricht auf, die es in sich hat. Die Tondatei, die wie ein Lauffeuer die Runde macht, hört sich an wie ein professioneller Podcast – und behandelt im Detail den versuchten Auftragsmord in Sulz.

Wie eine düstere Provinzposse

„Das Ganze klingt wie Provinzposse. Und je tiefer man da reingeht, umso düsterer und absurder wird es“, sagt ein Sprecher, der sich in der Podcast-ähnlichen Sequenz mit einer Frau über den Fall „in Sulz am Neckar“ unterhält.

Allerdings: Während in der rund 15 Minuten langen Tondatei alle Namen der Beteiligten offen genannt werden, wird einleitend davon gesprochen, dass es sich bei den Quellen um „Entwürfe für eine Seriengeschichte“ und einen „Romanentwurf“ handle.

Idyll der deutschen Mittelschicht

In dem vermeintlichen „Podcast“ wird jedenfalls der Frage nachgegangen: „Wie um alles in der Welt konnte es so weit kommen?“ Die Uhr wird dann „zurückgedreht zu einem Grillabend 2022, adrette Einfamilienhäuser, gemähte Rasen, Idylle der deutschen Mittelschicht“. Ein Abend, in der die Fassade erste Risse bekommen habe, wie es heißt.

In der Tonaufnahme wird anhand von „Notizen“ ein Bild gezeichnet, in dem der Beschuldigte, gegen den wegen der versuchten Anstiftung zum Mord ermittelt wird, nicht allzu gut weg kommt. Es geht um Statussymbole, höchst private Hintergründe, eine fragile Beziehung und die „Angst vor Kontrollverlust“.

Vieles deutet auf KI bei der Umsetzung hin

Nicht nur die Stimmen der Erzähler und die ganze Aufmachung des „Podcasts“ sind derart professionell, dass vieles auf den Einsatz von KI bei der Umsetzung hindeutet. Auch manche falsch ausgesprochenen Worte wie „Seitsprung“ statt „Seitensprung“ deuten darauf hin, dass die KI an mancher Stelle Probleme hatte. Doch das ist leicht zu überhören.

Unter dem Mantel der Fiktion wird der Zuhörer so mitten in die „Auftragsmord“-Geschichte hineingezogen, die zumindest, was die Rahmenbedingungen angeht – Altersangaben, Berufe, Autos und Wohnorte – in vielen Punkten mit den Geschehnissen in Sulz übereinstimmt.

Viele Details

Auch Details wie das kommunalpolitische Engagement der Ehefrau des Beschuldigten werden genannt, ebenso wird in der „Geschichte“ nachgezeichnet, wie sie ihren neuen Lebensgefährten kennengelernt haben soll.

Beschrieben wird auch, wie die Lage im Sommer 2025 „eskaliert“ sei. Der Ehemann habe laut dieser Podcast-Geschichte letztlich nach dem Auszug seiner Ehefrau zu ihrem neuen Partner und einem Autounfall, der die Lage vollends zum Kippen brachte, zum Hörer gegriffen, um den „Killer“ mit dem Mord am neuen Lebensgefährten zu beauftragen. Und das Ganze wird dann gleich noch psychologisch eingeordnet.

„Killer“ wollte nie töten

Zurück zur Realität: Die Staatsanwaltschaft Rottweil hat gemäß dem letzten Stand der Ermittlungen betont, dass es nie einen wirklichen „Killer“ gegeben habe. Der 35-Jährige, mit dem der Beschuldigte wegen des Mordes Kontakt aufgenommen haben soll, habe nur vorgespielt, den Mord begehen zu wollen, um an das Geld zu kommen. Es habe sich um einen mittleren fünfstelligen Betrag gehandelt. Im „Podcast“ ist von einer „Anzahlung von 50 000 Euro“ die Rede.

Dilettantisches Mordkomplott?

Auch dies wird im „Podcast“ eingeordnet. Dem 35-Jährigen sei es nicht um Reue gegangen, als er sich an die Polizei wandte, er habe schlicht „pure Panik“ gehabt, heißt es da. Im moralisch-analytischen Abspann der Tondatei ist letztlich von einem „grotesk-dilettantischen Mordkomplott“ die Rede. Und auch die Gemeinschaft im Ort bekommt noch ihr Fett weg.

All das, so betonen die Erzähler, beruht auf „Notizen“ für eine ganz besondere Geschichte in Sulz am Neckar. Dass in dieser Geschichte echte Namen vorkommen, lässt viele Hörer jedenfalls ziemlich sprachlos zurück.

Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen

Wer der oder die Urheber des „Podcasts“ sind, ist unklar. Wir fragen bei der Staatsanwaltschaft Rottweil nach, ob man dort von dieser Tondatei weiß, und wie diese einzuordnen ist. Erste Staatsanwältin Sama Martina erklärt, dass die „Sprachnachricht“ bei Staatsanwaltschaft und Polizei bekannt sei. „Derzeit wird die Urheberschaft ermittelt und zudem, ob hierbei Straftaten begangen wurden“, sagt sie.

Die Ermittlungen insgesamt dauern laut Staatsanwaltschaft an, der Beschuldigte befinde sich weiter auf freiem Fuß. Und die „Sprachnachricht“ wandert derweil weiter von Handy zu Handy.