Es ist nun traurige Gewissheit, dass nichts gewiss ist über den toten Säugling in Maulburg. Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt. Wie geht es weiter?
Der Fall bewegte die Gemüter weit über Maulburg hinaus. Denn wohl kaum etwas erschüttert die Menschen so sehr wie der Tod von Kindern.
Am 10. Oktober des vergangenen Jahres war der Leichnam eines Säuglings in Maulburg gefunden worden. Am Morgen hatte eine Spaziergängerin einen nicht näher identifizierten verstorbenen männlichen Säugling aufgefunden. Was zusätzlich betroffen machte: Der Junge war in einen Müllsack verpackt abgelegt worden. Und dies an einem gerade von Familien stark frequentierten Ort, in der Nähe eines Waldspielplatzes.
Umfangreiche Ermittlungen wurden eingeleitet
Trotz intensiver kriminalpolizeilicher Ermittlungen und Hinzuziehung verschiedener Sachverständiger war es indes nicht möglich, die näheren Hintergründe des Fundes aufzuklären. Es ließ sich schon nicht feststellen, ob der Säugling lebend geboren wurde und unter welchen Umständen er gegebenenfalls zu Tode kam, teilt die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen mit.
Auch bei Aktenzeichen XY gezeigt
Dabei waren umfangreiche Maßnahmen eingeleitet worden, um den Fall zu klären. Eine Ermittlungsgruppe wurde gegründet. Die Polizei hatte kurz nach dem Fund ein Flugblatt veröffentlicht und ein Portal für anonyme Zeugenhinweise freigeschaltet. Intensive Befragungen waren durchgeführt worden. Doch bislang konnten keine ausreichenden Anhaltspunkte gewonnen werden, die zu einer verfolgbaren Straftat durch einen identifizierbaren Täter geführt hätten, erklärt die Staatsanwaltschaft nun. Auch in der ZDF-Fernsehsendung Aktenzeichen XY war der Fall vorgestellt worden. Vergeblich – trotz vieler Rückmeldungen.
Wer war die Mutter?
Auch die Suche nach der Mutter verlief im Sande. Anfangs hatten viele Menschen noch mit einer ähnlichen Aufklärung gerechnet, wie es sie bei einem weiteren erschütternden Fall in zeitlicher und räumlicher Nähe gegeben hatte: Im Februar des gleichen Jahres war in Steinen-Hüsingen ebenfalls ein toter Säugling gefunden worden. Hier hatte sich aber später die minderjährige Mutter bei der Polizei gemeldet.
Bestürzender Fall auch in Steinen-Hüsingen
Beide Fälle hatten in der Bevölkerung große Bestürzung ausgelöst. Dies galt in besonderem Maße auch für die Einsatzkräfte. Denn Fälle, in denen Kinder betroffen sind, belasten auch professionelle Kräfte am meisten, wie Fachleute auf Nachfrage bestätigen.
In der Gemeinde Maulburg ist der Fall des toten Säuglings nach wie vor stark präsent, bestätigt Bürgermeisterin Jessica Lang auf Nachfrage unserer Redaktion. „Es macht nachdenklich und traurig, dass die Geschehnisse rund um den Jungen nicht aufgeklärt werden können, dass es keinen Namen für das tote Kind gibt.“ Sie hofft, dass im Nachgang weitere Erkenntnisse doch noch zur Aufklärung des bewegenden Falles führen könnten.
Eine Gedenkstätte?
In all den Monaten bewege der Fall die Maulburger weiterhin. Immer wieder wurde sie angefragt, ob man etwas über die Mutter oder die Herkunft des Kindes wisse, erzählt sie unserer Redaktion. „Das Ganze ist ja auch an einer sehr präsenten Stelle in Maulburg geschehen“. So würden die Maulburger Spaziergänger oder Familien am Spielplatz an das tote Kind erinnert.
Es wird nun eine anonyme Bestattung geben
Ob am Fundort der Babyleiche eine Art Gedenkstätte vonseiten der Gemeinde errichtet werde, sei noch nicht geklärt. Erst habe sie den Abschluss der Ermittlungen abwarten wollen. Vielleicht könne so eine Initiative ja auch privat entstehen, zeigt sie sich offen. Und ergänzt: „Das tote Kind muss nun anonym bestattet werden.“
Sollten sich noch erfolgversprechende Ermittlungsansätze ergeben, wird das Verfahren von Amts wegen wieder aufgenommen.