Polizei und Rettungskräfte eilten in die Villinger Hammerhalde – dort hatte eine Mutter ihre Kinder und dann sich getötet. Foto: Marc Eich

Alle Fragen zur Familientragödie in Villingen werden wohl nie vollständig beantwortet. Doch die Staatsanwaltschaft gibt nun Details zu den Hintergründen bekannt und erläutert, warum die Mutter erst ihre Söhne und dann sich selbst getötet haben könnte.

Den 4. Februar wird man in der Villinger Hammerhalde so schnell nicht vergessen. An diesem Abend rasten mehrere Streifenwagen, Rettungswagen und ein Notarzt zu einem Einfamilienhaus in der Straße „Am Affenberg“ – denn ein Familienvater hatte dort einen grausamen Fund gemacht.

 

Der 45-Jährige entdeckte, als er um kurz vor 18 Uhr nach Hause kam, seine gleichaltrige Ehefrau und seine beiden Söhne (14 und 16 Jahre alt) – alle drei waren leblos. Die Rettungskräfte konnten nur noch ihren Tod feststellen. Schon früh erhärtete sich der Verdacht, dass die Mutter zunächst ihre Kinder und anschließend sich selbst umgebracht hatte.

Die ersten Untersuchungen bestätigten diesen Umstand, wie das Polizeipräsidium und die Staatsanwaltschaft Konstanz am darauffolgenden Morgen in einer gemeinsamen Pressemitteilung kundtaten. Demnach wiesen sowohl Mutter als auch die Kinder Stichverletzungen auf. Die Tatwaffe – ein Messer – fanden Kriminalbeamte vor Ort.

Der Kombi steht unberührt im Carport

Noch in der Nacht sicherte die Kriminaltechnik sämtliche Spuren am Tatort und an den Leichen, die daraufhin zur Rechtsmedizin gebracht wurden, um sie dort zu obduzieren. Auch am nächsten Tag durchsuchten Kriminalbeamte das Gebäude und sammelten Hinweise. Alle Puzzleteile des Familiendramas setzten die Ermittler in der Folge zusammen. So konnte man sich ein Bild der schlimmen Tat machen.

Das war vor drei Wochen. Am Haus hat sich seitdem augenscheinlich nichts verändert. Die Rollläden sind weiterhin heruntergelassen, der Kombi steht offenbar unberührt im Carport. Das Leben der vierköpfigen Familie ist aus dem Haus gewichen, die Zeit dort scheint stillzustehen – während sie drumherum weitertickt.

„Wahnhaftes Erleben“ der Frau

Auch bei den Ermittlern. Und diese konnten hinter den Kulissen etwas Licht ins Dunkel bringen, wie Andreas Mathy, Sprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert. Er macht dabei deutlich, dass diese Tat auch an den erfahrenen Kriminalbeamten nicht spurlos vorüber ging – es sei überaus tragisch, dass die Mutter und die beiden Jungs tot sind, so Mathy.

Was sich die Menschen in diesem Zusammenhang fragen: Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Der Staatsanwalt erklärt, dass den Ermittlungen zufolge psychische Probleme die Tat ausgelöst haben. „Wir wissen natürlich nicht genau, was im Kopf der Frau vorging bei der Tat“, so Mathy. Aber: „Es muss sich um ein wahnhaftes Erleben gehandelt haben.“ Anders ließe sich das grausame Geschehen nicht erklären.

Keine Hinweise auf 45-jährigen Vater

Und der Staatsanwalt macht in diesem Zusammenhang ebenso sehr deutlich: Es gebe „überhaupt keine Anhaltspunkte“, dass der 45-jährige Vater in irgendeiner Form an dieser Tat beteiligt war. Wilde und völlig haltlose Spekulationen mündeten unter anderem in ein Tiktok-Video mit frei erfundenen Tatsachen, die gar eine okkulte Tat hinter der Tragödie vermuteten. Alles Unsinn, darin sind sich die Ermittler einig. Vielmehr wurde in der Folge geprüft, ob sich der Urheber des Videos strafbar gemacht hat.

Wie es der Mutter gelungen ist, ihre beiden Jungs – offenbar am Morgen des Tattags – zu überwältigen, wollen die Ermittler nicht mitteilen. Denn aufgrund der Persönlichkeitsrechte und der Tatsache, dass dieses Tötungsdelikt wegen des darauffolgenden Suizids nicht in einer öffentlichen Anklage münden wird, werden sich die Ermittlungsbehörden nicht weiter zu den Geschehnissen äußern.

Anmerkung der Redaktion

Berichterstattungen über Suizid
In der Regel berichten wir nicht über Suizid – es sei denn, die Tat erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Hilfe gesucht?
Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie bei der Telefonseelsorge unter 0800/1110111 oder 0800/1110222 und unter www.telefonseelsorge.de. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: www.suizidprophylaxe.de.