Mit einer Ehrenamtskarte will das Land Baden-Württemberg ehrenamtliches Tun würdigen. Über deren Einführung vor Ort entscheiden die Stadt- und Landkreise. Foto: Marijan Murat/dpa

Das Land Baden-Württemberg möchte ehrenamtliches Engagement mit einer Ehrenamtskarte würdigen. Wie steht das Landratsamt im Zollernalbkreis zu dem Angebot?

Ehrenamtliches Engagement will das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg mit einer sogenannten Ehrenamtskarte würdigen. In einer Pressemitteilung informierte das Landesministerium jüngst, dass „fast alle kreisfreien Städte und weiteren Landkreise“ derzeit die Einführung einer solchen Karte, die es ab sofort auch digital per App geben soll, planen. In den Pilot-Landkreisen Calw und Ostalb sowie in Freiburg und Ulm können Ehrenamtliche bereits eine solche Karte beantragen.

 

Voraussetzung ist ein freiwilliges und unentgeltliches Engagement, das mindestens 200 Stunden im Jahr in einer Organisation für das Gemeinwohl oder mindestens 100 Stunden in einem gemeinwohlorientierten Projekt umfasst. Inhaber der Ehrenamtskarte erhalten beispielsweise ermäßigten Eintritt in ausgewählte Museen, Galerien oder Theater.

Widerspruch zu Ministerium

Ob auch der Zollernalbkreis plant, eine solche Ehrenamtskarte einzuführen, wollte unsere Redaktion von der Pressestelle des Landratsamtes wissen. Die klare Antwort: Nein. Sprecher Steffen Maier widerspricht in Teilen auch der Presseinformation des Landesministeriums. Er betont: „Im Zollernalbkreis ist – wie im Übrigen in der Mehrheit der Landkreise in Baden-Württemberg – die Einführung der Ehrenamtskarte derzeit nicht vorgesehen.“ Nach Angaben des Landratsamtes, das sich auf aktuelle Informationen des Landkreistags bezieht, würden derzeit nur vier von 35 Landkreisen und acht von neun Stadtkreisen die Einführung einer Ehrenamtskarte vorbereiten.

Argumente, die gegen die Einführung einer Ehrenamtskarte sprächen, gebe es zuhauf – „und sie überwiegen die Argumente, die dafür sprechen“, heißt es von Seiten der Kreisbehörde weiter. Einerseits, so Maier, werde mit der Ehrenamtskarte ein weiteres „bürokratisches Monstrum“ geschaffen, andererseits sei die dauerhafte Finanzierung durch das Land nicht gesichert. Der Tenor: Eine Ehrenamtskarte belaste zusätzlich die Städte und Gemeinden sowie die Ehrenamtlichen selbst.

Finanzielle Belastung

Beispielsweise erwartet das Land von Stadt- und Landkreisen, die eine Ehrenamtskarte einführen, dass eine Anlaufstelle für die Ehrenamtskarte vor Ort geschaffen wird. Damit einher geht Personalbedarf für beispielsweise die Verwaltung, Ausstellung und Personalisierung der Ehrenamtskarten sowie die datenschutzkonforme Pflege der Daten. Die damit verbundenen Personal- und Sachkosten müssen die Kommunen tragen und würden deren zumeist angeschlagenen Haushalte weiter belasten.

Das Land wiederum fördert die Landkreise mit verschiedenen Sachmitteln wie den Betrieb einer App für die Ehrenamtskarte sowie einem Personalkostenzuschuss – aber lediglich für die Jahre 2025 und 2026.

Frage der Gerechtigkeit

Neben den finanziellen Folgen sieht das Landratsamt auch eine potenziell ungerechte Behandlung der Ehrenamtlichen als Schwachpunkt des Konzepts. Die Kreisbehörde spielt damit auf die Frage an, wer eine solche Ehrenamtskarte erhält. Das Land formuliert hierfür nämlich bestimmte Kriterien. Unter anderem müssen Berechtigte ihren ehrenamtlichen Einsatz im öffentlichen Raum verrichten, also nicht im privaten oder familiären Umfeld; der Dienst hat zudem freiwillig und gemeinschaftsbezogen zu erfolgen und darf nicht auf materiellen Gewinn ausgerichtet sein.

Dies bedeutet, dass viele Bereiche des freiwilligen Engagements von vornherein von den Vergünstigungen der Ehrenamtskarte ausgeschlossen sind. Hauptsächlich seien dabei die Bereiche der häuslichen Pflege und des bürgerschaftlichen Engagements zu nennen wie alle Formen der Nachbarschafts- und Haushaltshilfe – sprich einkaufen, kochen oder putzen für Menschen mit Beeinträchtigungen oder Senioren. Unter anderem mit dieser Begründung hat der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in dessen Kreistagssitzung eine Beschlussempfehlung gegen die Einführung einer solchen Ehrenamtskarte gegeben, auf die auch das Balinger Landratsamt hinweist.

Idee ist „gut gemeint“

Fazit des Landratsamts: „Die Idee der Ehrenamtskarte ist aus unserer Sicht gut gemeint, aber schlecht gemacht. Und es bestehen bereits ausreichend Möglichkeiten, ehrenamtliches Engagement anzuerkennen und zu honorieren“.