Der Pfarrplan 2024 hat die evangelische Kirchengemeinde Tailfingen die dritte Pfarrstelle gekostet; dass sie sich im Zuge des Schrumpfungsprozess von der Erlöserkirche verabschieden würde, war beschlossene Sache. Jetzt heißt es Abschied nehmen.
Bereits im Dezember 2022 hatte der Albstädter Gemeinderat seine Zustimmung zum Kauf des Geländes zwischen Ammer- und Meisenstraße auf Langenwand gegeben, auf dem die Erlöserkirche und ihr Gemeindezentrum stehen.
Ende Januar 2023 wurde der Handel besiegelt, im April öffentlich gemacht. Wie die Stadt bekannt gab, hatte sie der Kirchengemeinde einen Nießnutz für die Zeit eingeräumt, in der die Pfarrstelle der Erlöserkirche noch existierte; damals war von 20 Monaten die Rede; Stichtag sollte der 31. Dezember 2024 sein.
140.000 Euro hat die Stadt Albstadt für den Kauf des Geländes gezahlt
Schon damals hatte die Stadt auf Anfrage des Schwarzwälder Boten erklärt, dass das Areal einer Wohnbebauung zugeführt werden solle; es blieb jedoch offen, ob dafür ein Abriss von Gottes- und Gemeindehaus erforderlich sein würde oder nicht. Die Stadt mochte sich damals auch nicht zum Kaufpreis äußern; inzwischen ist bekannt, dass er 140 000 Euro betrug. Das entsprach dem Resultat des von der Kirchengemeinde erstellten Wertgutachtens; der Nießnutz blieb allerdings auch nicht ganz unberücksichtigt.
Inzwischen hat sich einiges geändert. Pfarrer Christoph Fischer und seine Familie haben Tailfingen bereits im Oktober verlassen; seither hat die Erlöserkirche keinen Pfarrer, und sie bekommt auch keinen mehr. Der festliche „Countdown“, mit dem die Kirchengemeinde Abschied von dem sieben Jahrzehnte alten Gebäudekomplex nimmt, läuft; er soll Mitte Juli zum Abschluss kommen. Danach ist die Erlöserkirche Geschichte.
Nach so großem Baugrund schleckt sich der Planer die Finger
Fast Geschichte. Wie der Erste Bürgermeister Udo Hollauer auf Anfrage unserer Redaktion mitgeteilt hat, sieht die Stadt keine Möglichkeit, bei der Neubebauung die bestehende Gebäudesubstanz wiederzuverwerten – eine Kirche lässt sich nicht so ohne weiteres in ein Wohnhaus umwandeln.
Der Abbruch ist beschlossene Sache und vom Gemeinderat nichtöffentlich abgesegnet worden, wenngleich nicht ganz auszuschließen ist, dass es im Gremium Diskussionen geben wird, wenn die nächsten Schritte anstehen. Doch prinzipiell sieht die Linie so aus: Es wird Tabua rasa gemacht; die Erlöserkirche und ihr Gemeindesaal weichen – vermutlich – Mehrfamilienhäusern.
Mit dem Abriss des Kindergartens verschiebt sich auch jener der Erlöserkirche
Fragt sich nur wann. Momentan hat es die Stadt mit dem Abriss nicht besonders eilig – zum einen wollen er und die Neubebauung finanziert sein, und die Stadt ist bekanntlich sehr klamm. Zum anderen schließt sich jenseits der Meisenstraße ein anderes Gelände an, mit dem die Stadt etwas vorhat, nämlich das der städtischen Kindertagesstätte Ammerstraße.
Addiert man es zu den 2692 Quadratmetern bisher kirchlichen Grundes, dann kommt man auf 4900 Quadratmeter bereits erschlossenen städtischen Baugrunds – nach so etwas schleckt sich der Planer die Finger. Indes wird, anders als noch vor Jahren angenommen, der Kindergarten Ammerstraße noch gebraucht, und deshalb verzögert sich sein Abriss auf momentan nicht absehbare Zeit. Und damit auch der der Erlöserkirche.