Eine Seilbahn überquert in Koblenz den Rhein. Ist das auch ein Transportmittel für Nagold? Foto: Heiko Hofmann

Bekommt Nagold eine Seilbahn auf den Eisberg? Was utopisch klingt, ist eine ernsthafte Prüfung wert – findet unser Kommentator.

Eine Seilbahn auf den Eisberg? Man kann sie jetzt schon hören, all die Skeptiker und Dauer-Bruddler. Bis jetzt jedenfalls wurde noch jeder Gedanke an eine Seilbahn in Nagold wahlweise als utopisch, gesponnen oder größenwahnsinnig abgetan.

 

Schade eigentlich, denn die Idee hat Charme. Vor allem aber hat sie es verdient, einmal wirklich ernsthaft in Betracht gezogen zu werden.

Nichts anderes will der CDU-Antrag – eine ernsthafte Prüfung des Seilbahn-Gedankens. Und das sollte sich die Stadt auch leisten. Denn noch kann niemand sagen, wie effektiv so eine Seilbahn überhaupt wäre, ob ein Betrieb technisch und finanziell darstellbar wäre. Doch genau diese Fakten braucht es, um den Seilbahn-Gedanken wirklich und ergebnisoffen zu Ende führen zu können.

Ausblicke ins Tal und auf die Schwarzwaldhöhen

Das Potenzial ist da: Nicht nur touristisch wäre die Strecke vom Nagolder Bahnhof aus zum Eisberg eine Attraktion. Die Ausblicke ins Tal und auf die Schwarzwaldhöhen wären mit Sicherheit fantastisch.

Aber auch ganz praktisch als Baustein im örtlichen ÖPNV ist eine Seilbahn interessant – gerade in einer Zeit, in der sich der Busverkehr aus verschiedenen Gründen immer schwerer tut und in der Schüler in Nagold sogar mit Taxis zum Schwimmunterricht gefahren werden müssen, weil schlicht kein Busunternehmer den Job machen kann oder will.

Keine Frage: Auch Schüler könnten mit einer Seilbahn problemlos zur geplanten neuen Dreifeld-Sporthalle auf dem Eisberg transportiert werden. Und es gibt weitere Ziele: der Kletterpark, die wunderschöne Eisberg-Spazier-Runde, der Dirtpark, der Fahrrad-Trail, das Baseballfeld der Mohawks, die Inline-Arena des VfL Nagold. Und was spricht eigentlich dagegen, auch im Wohngebiet Kernen ein oder zwei Haltstellen einzurichten?

Und was ist mit der S-Bahn?

Besonders spannend wird die Seilbahn aber, wenn man in Richtung Gäu und auf den INGpark blickt. Der Industrie- und Gewerbepark auf dem Eisberg boomt. Ein Unternehmen nach dem anderen zieht es auf die Höhe zwischen Nagold und Jettingen. Das sind unzählige Arbeitsplätze, und es werden immer mehr. Den INGpark elegant mit Nagolds City zu verbinden ist da eigentlich Pflicht. Womöglich mit einer modernen Seilbahn?

Vielleicht kann die Seilbahn sogar entscheidend sein, um bei der seit Jahrzehnten viel geforderten und doch nie realisierten Schienenverbindung in Richtung Herrenberg und Stuttgart endlich einmal wirklich voranzukommen. So gilt die Überwindung des Höhenunterschieds von der Gäufläche ins Nagoldtal schon immer als eines der größten Kosten-Hindernisse für Nagolds S-Bahnpläne. Wie wäre es also mit einem Bahnhofsknotenpunkt auf dem Eisberg? Ein Ort, an dem Seilbahn und eine neue (S)-Bahnverbindung nach Herrenberg aufeinandertreffen?

Utopisch? Gesponnen? Größenwahnsinnig? Vielleicht, aber irgendwie auch ganz schön smart.