Von breitem Schotterweg bis Trampelpfad, am Waldrand mit Blick aufs offene Feld oder mittendrin. Ob alte Eiche oder junger Tulpenbaum: Der Waldlehrpfad Wildberg zeigt auf, was Wald alles bedeuten kann. Ein Erlebnisbericht.
Von wegen Wald ist Wald – der Waldlehrpfad Wildberg lehrt vor allem, dass mit dem Begriff „Wald“ eine riesengroße Vielfalt verbunden ist. Der Wildberger Wald stellt, so lese ich auf einem der Schilder des Lehrpfads, in Sachen Vielfalt dabei noch eine Besonderheit dar.
So seien im mitteleuropäischen Wald sehr viele Baumarten verloren gegangen, in Amerika oder Asien beispielsweise haben viel mehr Baumarten überlebt. „Im Raum Wildberg werden seit 1955 solche verloren gegangenen Baumarten wieder eingebürgert. Der Wildberger Wald stellt somit innerhalb Deutschlands eine Besonderheit dar“, lese ich weiter auf dem Schild.
Der Lehrpfad beginnt am Ortseingang Wildbergs am Welzgraben. Von der Robinie, deren fein gefiederte eiförmige Blätter ich ein Stück über der dazugehörigen Infotafel an einem wiegenden Ast erkennen kann, erfahre ich, dass sie in Amerika verbreitet ist. Besonders kurios: Ähnlich wie Bohne und Erbse gehört die riesige Robinie zur Familie der Schmetterlingsblütler! Auch die Douglasie, die laut Infotafel „die am häufigsten angebaute nicht heimische Baumart“ sei, kommt von weit her: Dem Westen Nordamerikas.
Breiter Schotterweg aufwärts
Der Lehrpfad führt zunächst vom Ortseingang Richtung Nagold einen breiten Schotterweg in sehr leichter Steigung hinauf – neben der eindrucksvollen Aussicht auf wiederum bewaldete Hügel regen auch die bizarren Formationen von rotem Buntsandstein die Sinne an.
Eine Eberesche weist leuchtend rote Beeren auf, ein Mäusebussard kreist am Himmel. Rechts und links vom Weg wuchert das Drüsige Springkraut, an dem zwar hübsche und von Bienen umschwirrte pinke Blüten blühen, das aber als invasive Art gilt. Auf einigen Bäumen ist mit weißer Farbe ein Specht gesprüht, es fehlt nur ein Schild dazu: Hier wohne ich! Dann macht der Weg eine scharfe Kurve – vorbei an einer Tannenzucht, an der Marianne und Ulrich Komfort gerade zugange sind.
Tannenzucht und Fuchsbau
Die Tannen, die sie als Weihnachtsbäume selbst in Gaugenwald und ihre Tochter Stephanie Komfort am Wächtersberg verkaufen, seien eine ökologische Zucht ohne den ansonsten üblichen Einsatz von Pestiziden. Andere „spritzen das Gras runter“ statt es per Hand zu mähen, sagt Ulrich Komfort. Er zeigt mir den Eingang des Fuchs- und Dachsbaus, der laut einem Lehrpfad-Schild ganz in der Nähe liegen muss. Der Bau gehe fünf bis sechs Meter tief in die Erde, sagt Komfort. Der Bau sei ein über Jahrzehnte angelegtes System von Röhren und Kesseln, lese ich auf dem Schild.
Trampelpfad durch den Wald
Nach dem Fuchs- und Dachsbau verwandelt sich der Weg in einen richtigen Trampelpfad mitten durch den Wald. Heimische Eichen und Roteichen aus dem östlichen Nordamerika wachsen hier durchmischt, wie ich durch ein Hinweisschild erfahre. Die heimische Eiche hat rund gelappte Blätter, die Blätter der Roteiche sind spitz gelappt. Auch Waldbewohner thematisieren die Lehrschilder. Auf dem Trampelpfad sehe ich immer wieder aufgewühlte Stellen im Boden: Wildschweinspuren. Den Tieren selbst zu begegnen, ist unwahrscheinlich, da sie scheu und nachtaktiv sind, lese ich als Hinweis.
Alte Eichen
Die etwa 150 Jahre alten Eichen, die am Rande des Trampelpfads stehen, dienten Einwohnern früher nicht nur als Brenn- und Bauholz, sondern deren Eicheln auch als Mast für Schweine und die Rinde als Stoff um Leder zu gerben. Heute schützen die Eichen, die selbst keine gute Holzqualität mehr aufweisen, den angrenzenden Nadelbaumbestand, erfahre ich auf einem Infoschild.
Kniehohes Kraut
Auf einer Lichtung am Rand des Pfads sehe ich mehrere frisch gepflanzte Bäume mit merkwürdiger Blattform: Ein Tulpenbaum. Der Pfad wird etwas unzugänglicher, das Kraut wächst kniehoch. Es empfiehlt sich, bei diesem Lehrpfad eine lange Hose zu tragen. Gleichzeitig wächst mein Gefühl, ein wenig durch die Wildnis zu stapfen.
Zwischen Wald und Feldflur
Mit dem Waldrand an den der Pfad schließlich führt, ändert sich die Szenerie abermals. „Im Wechsel von Wald und Feldflur besteht einer der Reize unserer Gegend“, steht auf einem Schild. Durch eine Reihe von Obstbäumen hindurch kann ich Felder und im Hintergrund Aussiedlerhöfe sehen.
Auch im Waldbereich finde ich hier viele ausgeschilderte Bäume, deren Früchte essbar sind: Speierling, Elsbeere und Holzapfel. Wer eine häufig verwendete Heckenpflanze einmal in prachtvoll ausgewachsener Form erleben will, findet eine ausgeschilderte Hainbuche, die als Begleitbaumart von Eiche und Linde gilt. Auch die alte Eibe ist beeindruckend, deren gleichzeitig zähes und elastisches Holz früher für den Bau von Bogen und Armbrust verwendet wurde.
Pfad für Erkundungsfreudige
Manchmal ist es nicht ganz einfach, die Schilder den dahinter liegenden Bäumen zuzuordnen. Besucher des Pfads sollten auch keine Hemmungen haben, ein wenig durch kniehohes Gestrüpp zu stapfen. Für Kinder gibt es keine speziellen Angebote. Der Abwechslungsreichtum des Pfads und der Blick auf den Wald, den die Tafeln öffnen, lohnt sich aber auf jeden Fall, gerade für Erkundungsfreudige. Und nicht zuletzt schützt der Wald Wanderer auch vor Sonne, Wind oder leichtem Regen.
Nützliches zur Tour
Länge:4,4 Kilometer
Entstehung: Der Waldlehrpfad ist ein langjähriger, von Stadtverwaltung und dem Forstbetrieb erstellter Lehrpfad. Zuletzt wurde er 2019 gewartet und geprüft.
Parken: Bei Rempp Küchen oder gegenüber.
Eignung für Rollstühle und Kinderwagen: Nein
Ausrüstung: Halt gebende Schuhe/ Wanderschuhe, lange Hose
Sportliche Herausforderung: Der Abstieg ist mäßig steil, der Anstieg sanft.
Gesamtanstieg: 92 Meter
Einkehrmöglichkeit: Es empfiehlt sich, ein kleines Vesper mitzubringen.