Neben den Duschen wurden auch zwei Gemeinschaftsküchen saniert. Beim Besichtigungsrundgang (von links): Tobias Burkhardt, Eva Bezecna, Wolfgang Günther und Landrat Klaus Michael Rückert. Foto: B. Schwarz

Fast ein Jahr ist es her, dass Landrat Klaus Michael Rückert am unteren Marktplatz als Schirmherr die Aktion „Auf die Dusche, fertig, los“ der Erlacher Höhe zugunsten des Heims für wohnsitzlose Männer eröffnete. Jetzt war Zeit für eine Zwischenbilanz.

Und die stimmte in der Gefühlswelt von „positiv überrascht“ bis „sehr dankbar und hoch zufrieden“. Es ist eine ungewöhnliche Aktion, die von vornherein nicht unbedingt Erfolg versprach.

 

Die Erlacher Höhe – eine Einrichtung der Diakonie – will mit Spendengeldern zwölf der 14 Duschen im Wohnheim für wohnsitzlose Männer in der Freudenstädter Rappenstraßen fachmännisch sanieren. Zwei Bäder wurden bereits mit Mitteln aus der Glücksspirale hergerichtet, die restlichen zwölf sollen mit dem Geld aus Aktionen und Spenden saniert werden.

Das Ziel ist sportlich gesteckt: Bis Sommer 2024 soll alles geschafft sein, sollen 150 000 Euro, 12 500 Euro pro Bad, verbaut sein. Vier Bäder sind jetzt fertig. Rund 70 000 Euro sind verbaut.

Bäder sind seit 56 Jahren in Betrieb

Zwei Etagenküchen, aus Eigenmitteln finanziert, wurden gleichzeitig modernisiert, bilanzierte Projektleiterin Eva Bezecna von der Erlacher Höhe. Dazu waren auch Landrat Rückert und Tobias Burkhardt von der Volksbank gekommen, die sich als eine Art Hauptsponsor engagiert.

Die Bäder, alle mit WC, hatten die Erneuerung dringend nötig, sie sind seit 56 Jahren in Betrieb, zunächst im Hotel, später im Wohnheim. Das alles erfüllt Wolfgang Günther, Leiter der Erlacher Höhe in Freudenstadt, mit großer Dankbarkeit. Er zeigte sich „positiv überrascht“ über die Spendenfreudigkeit aus der Region, denn ein Heim für Wohnsitzlose sei nun mal „total unspektakulär“.

Die Spenden kamen zu gut 76 Prozent von Privatleuten einschließlich einer Erbschaft, zu 21 Prozent von Firmen vom Weltunternehmen bis zum Nachlass auf Handwerker-Rechnungen, und zu drei Prozent aus eigenen Aktionen wie dem Einsatz des Marktwagens „Windrädle“ oder dem Verzicht der Mitarbeiter aufs Weihnachtsgeld.

Gleichzeitig, so Klaus Michael Rückert, lenke die Aktion die Aufmerksamkeit auf die Probleme von Wohnsitzlosen auch in ländlichen Regionen. Als großartig erachtete er den hohen Anteil der Privatspenden. Dies zeige, dass viele Menschen offen seien für soziale Probleme.

Eine Frage der Menschenwürde

Einzelzimmer mit eigenen sanitären Anlagen den Wohnsitzlosen zur Verfügung zu stellen, sei auch eine Frage der Menschenwürde und Anerkennung als Teil der Gesellschaft. Das meinte auch Tobias Burkhardt, der die weitere Unterstützung der Volksbank zusagte. Die Erlacher Höhe leiste gute und wertvolle Arbeit in der Region. Ein besonderes Dankeschön ging an die Firma Hansgrohe in Schiltach, die alle Armaturen kostenlos liefert.

Ein wenig zögerlich zeigt sich Günther beim Blick in die Zukunft. Steigende Zinsen und Preise, die aktuellen Verhältnisse in der Baubranche und die allgemeine Geldknappheit würden die Fortsetzung der Aktion gefährden. Die Erlacher Höhe wolle die Sommerpause zum Nachdenken darüber nutzen, ob sie es wagen kann, in der zweiten Jahreshälfte die Sanierungsarbeiten fortzusetzen und ob es denn dazu ausreichend finanzielle Hilfen geben werde.

So kamen Günther die Bitten von Landrat Rückert und Bankfachmann Burkhardt gerade recht, die Bevölkerung und Firmen aufriefen, mit den Spenden nur nicht nachzulassen.