Die Partybranche ist risikobehaftet. In den letzten Jahren mussten deutschlandweit viele Clubs ihre Tanzflächen dicht machen. Foto: Pixabay/Pexels

Die Expressguthalle in Schwenningen, das „Top 10“ in Balingen oder das „WOM“ in Hechingen – sie alle stehen exemplarisch für ein anhaltendes Clubsterben in der Region. Manche von ihnen kehrten mit einem anderen Konzept zurück, andere jedoch verschwanden endgültig von der Ausgehlandschaft. Ein Rückblick.

Wenn über die Weihnachtstage viele Menschen in ihre Heimat zurückkehren, kommen nicht selten Erinnerungen hoch: an Heiligabende, die nach dem offiziellen Familienteil längst nicht endeten, sondern auf den Tanzflächen der Clubs und Discos in der Region weitergingen.

 

Orte, die Generationen geprägt haben, an denen Musik, Begegnungen und besondere Momente zusammenkamen. Viele dieser Treffpunkte sind inzwischen verschwunden – Anlass für einen Blick zurück auf legendäre Clubs und das, was von ihnen geblieben ist.

Delta in Donaueschingen

Das „Delta Tau Chi – The Animalhouse“, das rund 30 Jahre bestand, wurde im Jahr 2023 geschlossen. Geschäftsführer Oliver Ludwig erinnerte sich in einem Interview aus demselben Jahr an seine großen Momente: „Ganz besonders war sicher, als 1998 die Bands Guano Apes und Die Happy am selben Abend auf der Delta-Bühne standen.“

Das Delta in Donaueschingen. Foto: Guy Simon

Die Schließung war hauptsächlich auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, nachdem der der Club über 730 Tage hatte geschlossen bleiben müssen. Überbrückt wurde die Zeit mit „Delta-Radio“, bei dem zehn DJs Musik aus den normalen Betriebsabenden des Clubs auflegten.

Unter einem anderem Betreiber erfolgte kurzzeitig ein Neustart, doch auch dieser Traum platzte im September 2024. Nur knapp ein halbes Jahr später wagte sich ein weiteres Team an die Wiedereröffnung: Urs Fischbach und Julian Hischmann. Wo einst das Delta als Anlaufstelle für alternative Musikfans diente, öffnete am 29. März 2025 das Omega seine Türen. „Wir bleiben unserer Linie treu, aber das Omega soll mehr sein als nur ein Club“, erklärt Fischbach. Neben den klassischen Rock- und Metal-Abenden wird die Örtlichkeit nun auch als vielseitige Stätte für Veranstaltungen, Wintergarten-Café und Biergarten genutzt. 

Expressguthalle in Schwenningen

Ende 2024 traf es die Expressguthalle in Schwenningen. Betreiber Jan Christoph Uhl bezeichnete dies im Gespräch mit unserer Redaktion als eine „Vernunftsentscheidung“. Gesundheitliche Gründe, eine schwierige Zusammenarbeit mit den Behörden und nicht zuletzt das veränderte Ausgehverhalten der jungen Leute zwangen ihn zu diesem Schritt.

Es war Ende 2024 ein schwerer Rückschlag für die Clubszene und die Nachtschwärmer in der Doppelstadt : Die Expressguthalle in Schwenningen stellte ihren Betrieb ein. Foto: © glazok – stock.adobe.com

Jedoch feierte der Club am 12. April 2025 mit „Pressurex“, einem neuen elektronischen Veranstaltungsformat, sein Comeback. Das Konzept: eine offene, unpolitische Community für alle, die sich für elektronische Musik begeistern – egal ob House, Techno, Bassmusik oder Goa.

Fame in Zimmern

Das „Fame“ bestand mehr als 30 Jahre und erlebte mehrere Namenswechsel: von „Discoland“ über „Extra“ bis hin zu „Fame“. Die Disco befand sich in der Flözlinger Straße in Zimmern; auf dem Gelände entstanden später ein Bio-Lebensmittelmarkt, ein Café, ein Bistro und ein Motel mit 29 Zimmern.

Das „Fame“ in Zimmern ob Rottweil. Foto: psw

1985 wurde der Club von Gerhard Bamberger als Großdiskothek aufgebaut. Damals war das „Discoland“ die erste größere Disco in der Region. Bis Ende der 90er-Jahre war der Club in Zimmern ein Treffpunkt für viele Generationen und das Zentrum zahlreicher hochkarätiger Veranstaltungen. Vom legendären Peter-Illmann-Treff des ZDF, bei dem Größen wie Depeche Mode und A-ha live auftraten, bis hin zu den Deutschen Meisterschaften der Disco-Queens und -Kings, war das Discoland stets ein Highlight. Der Club schloss schließlich im Jahr 2017 seine Türen.

Komma in Gosheim

Der Club in seiner über 40-jährigen Geschichte hatte viele Namen: „Nachtwerk“, „Komma“, „Nachtzirkus“ und „Hitmanege“. Während der „Komma“-Zeit wurden dort viele Abipartys gefeiert. Der Nachtzirkus eröffnete im Oktober 2014 unter der Leitung von Betreiber Tobias Kreutter und veranstaltete alle zwei Monate beliebte Schlagerpartys.

Mit Unterstützung von RTL wurde der „Nachtzirkus“ im Format „Der Discoretter“ in die „Hitmanege“ umgewandelt, die weiterhin Tanz- und Schlagerabende veranstaltete, jedoch mit Ü30-Motto. Im Oktober 2016 übernahmen neue Pächter die Location und verwandelten sie in den „Chaos Club“, der jedoch bereits im April 2018 plötzlich wieder geschlossen wurde.

WOM in Hechingen

Das „WOM“ – einst in Balingen etabliert auf dem Gelände des heutigen Mauk-Gartencenters - wurde 2023 an seinem späteren Standort in Hechingen abgerissen und wich damit der Produktion von Medizinprodukten. Das „WOM“ war bekannt für seine vielfältigen Veranstaltungen und zog prominente Künstler wie DJ Bobo, Patrick Lindner, Costa Cordalis, Drafi Deutscher, Hot Chocolate, Haddaway und Giovanni Zarrella an. Auch Hells-Angels-Hochzeiten wurden dort gefeiert und trugen zur lebendigen Atmosphäre des Clubs bei.

Top 10 in Balingen

Im Mai 2024 verkündete Betreiber Dirk Bamberger in den sozialen Netzwerken, das Top 10 in Balingen sei bald Geschichte. „Leider sind auch wir nach der Pandemie von stark rückläufigen Gästezahlen betroffen und so können wir den Betrieb nicht mehr wirtschaftlich aufrechterhalten“, erklärte Bamberger.

Das Top10 in Balingen. Foto: Jessica Müller

Dass die Partybranche risikobehaftet ist, sei kein Geheimnis, wie der Betreiber unserer Redaktion bereits vor sieben Jahren bestätigte. „Deutschlandweit halten sich Diskotheken oft nur ein paar Jahre“, sagte Bamberger, der auch einige seiner anderen Clubs schließen musste; darunter das Top 10 in Tübingen und das Berry’s in Konstanz.

Das Top 10 in Balingen, welches zuvor als „Treffpunkt“ bekannt war, bestand 32 Jahre und war 2009 umbenannt worden.

Nachdem zunächst unklar war, was mit dem Gebäude im Gewerbegebiet Gehrn passieren sollte, öffnete der Club im Mai doch wieder seine Pforten - wenn auch nur eingeschränkt. An zwei Samstagen pro Monat können Besucher im Top 10 tanzen und feiern. „Wir setzen künftig auf weniger Partys, hoffen aber, dass diese dann gut nachgefragt werden und wir damit besser wirtschaften“, erklärte Bamberger vor der Wiedereröffnung.

Top 10 in Tübingen

Der Club in der Reutlinger Straße bestand rund 13 Jahre und bot auf drei Floors Platz für 1600 Personen. Er öffnete 2008 und schloss 2021. Während seiner Betriebszeit nahmen Gäste teils lange Wartezeiten in Kauf, um Musik und Pizza zu genießen. Events wie „Tübingens next Topmodel“ und Auftritte von Stars wie DJ Antoine waren gut besucht. Aufgrund der Corona-Pandemie blieb der Club lange geschlossen. Anschließend lief der Mietvertrag aus und wurde nicht verlängert.

2023 kursierten Gerüchte über eine Wiedereröffnung, als auf Instagram ein Profil mit einem Bild einer beleuchteten Tanzbar und dem Schriftzug „Top 10 Tübingen“ auftauchte. Der ehemalige Clubbesitzer Dirk Bamberger bestätigte jedoch, dass es sich dabei um einen Fake gehandelt habe.

Milieu in Haslach

Das „Milieu“ - ursprünglich seit 1989 in Hausach ansässig und ab 2004 in Haslach - schloss Anfang 2016 seine Türen. In seiner Blütezeit traten dort Bands wie Saga, Uriah Heep und Sweet auf. Mit einem Generationenwechsel änderte sich auch die Musikrichtung hin zu Chart-Hits. Steigende GEMA-Gebühren und das veränderte Ausgehverhalten der Gäste führten zu sinkenden Umsätzen, so dass Betreiber Werner Vetter den Club schließen musste.

Das „Milieu“ in Haslach. Foto: Kleinberger

Kein halbes Jahr später übernahmen zwei neue Pächter das Gebäude und verwandelten es wieder in den „Blockhaus“-Club, der bereits vor dem Milieu an dessen Stelle existiert hatte. Heute werden auf den Tanzflächen MiRock, House, Elektro, Black und Hip-Hop gespielt.