Donaueschinger erzählen von Eiseskälte und von Zeiten, als Straßen verschneit und die Flüsse gefroren waren. Sie schildern, wie sie mit dem Winterwetter klarkamen.
Franz Oschwald erinnert sich an die Winter seiner Kindheit nicht über die Temperaturen, sondern über Geräusche. Das Knacken des Ofens am Morgen, das leise Klackern der Kohle, wenn der Vater nachlegte.
Die Fensterscheiben waren von Eisblumen überzogen, so dicht, dass man mit dem Finger kleine Gänge freikratzen musste, um nach draußen zu sehen.
„Wenn die Glocken durch den Ort klangen, war klar: Jetzt kommt der Pflug mit den Pferden und als Kinder waren wir sofort draußen. Heute gibt es Räumfahrzeuge und Salz. Damals gab es Pferdestärken, um den Schnee von der Straße zu räumen. So war Winter“, schildert Franz Oschwald, Jahrgang 1952, frühere Zeiten.
Auch Barbara Leiber weiß um die gewieften Tricks aus ihrer Kindheit, um Autos durch Schneemassen zu bringen: „Wenn der Schnee zu hoch lag und der Schneepflug nicht kam, hat man einen Sandsack in den Kofferraum gelegt oder auch mal einen Amboss.“ Denn damals hatten viele Autos Hinterradantrieb und vorn liegende Motoren. Damit lastete nur wenig Gewicht auf der Antriebsachse, und auf Schnee oder Eis fehlte es an Haftung. „Das Auto musste man vorwärts in die Garage fahren, weil sonst der Kühler über Nacht eingefroren ist“, sagt Franz Oschwald.
Verhältnis zur Kälte hat sich grundlegend verändert
In den 1960er- und 1970er-Jahren gehörte Kälte zum Alltag. Schlafzimmer wurden kaum geheizt, Treppenhäuser gar nicht. Man lebte mit Decken, Wollpullovern und der Selbstverständlichkeit, dass Wärme etwas war, das man sich erarbeitete. Durch Feuer, durch Bewegung, durch Nähe. Heute, Jahrzehnte später, denkt Barbara Leiber an vergangene Winter zurück, wenn von „kalten Wohnungen“ die Rede ist. Nicht, weil es früher besser war, sondern weil sich das Verhältnis zur Kälte grundlegend verändert hat.
„Winter war Winter. Da musste man eben früher aufstehen und schippen. Heute muss man den Menschen den Fußweg bis an die Bettkante salzen und das Salz muss bitte Bio sein“, witzelt die ehemalige Arzthelferin, ebenfalls Jahrgang 1952.
„Wir haben bei minus 20 Grad die Ski den Buckel hochgeschleppt, ohne die Kleidung, die wir heute haben. Und wir waren zufrieden, obwohl die Skier einen halben Meter zu lang waren“, erzählt sie.
Im Kanal eingebrochen
„In der Regel bedeutete Winter permanent Schnee und das mindestens 30 Zentimeter“, erinnert sich Oschwald. Auch die Seen und Flüsse seien wochenlang zugefroren gewesen. „1963 habe ich als besonders kaltes Jahr im Kopf“, berichtet Oschwald. „Wir sind mit dem Schlitten den Hang hinunter auf den zugefrorenen Kanal gefahren.“ Dass dabei jemand einbrach, sei durchaus vorgekommen. „Einmal ich selbst. Klitschnass bin ich weitergefahren, ohne mir etwas anmerken zu lassen. Die Quittung war eine wochenlange Stirnhöhlenentzündung.“
Als alleinerziehende Mutter erinnert sich Barbara Leiber gut an die Skiausflüge mit ihren drei Kindern in den Achtzigern: „Ich hatte das Auto voll mit den Kindern und zwei Hunden und bin zum Skihang gefahren. Seit 1984 war ich Mitglied beim SC Baar im Skiclub. Damals galt nicht, wer die schönsten Schwünge fuhr, sondern wer als erstes unten war.“
Mitglied der Donaueschinger Eisstockschützen
Heute ist Franz Oschwald Mitglied der Donaueschinger Eisstockschützen. „2017“, erinnert er sich, „hatten wir hier 40 Tage lang eine geschlossene Eisdecke. Schon vor 50 Jahren waren die Leute auf dem Natureis. So wie in unserer Zeit waren Schlittschuhlaufen und das Eisstockspiel beliebt. Heute findet die Jugend vor allem das Eishockeyspiel gut. Am 27. Januar haben wir eine Eisstärke von 20 Zentimetern gemessen, ein Rekord seit mindestens zehn Jahren.“
Längere Kälteperioden, das gebe es immer noch, auch wenn sich die Schneemengen deutlich verringert haben. „Wir haben heute alle möglichen Annehmlichkeiten, um dem Winter zu trotzen und zu Hause frieren, das muss heute niemand mehr“, sagt Oschwald.
Echter Winter ist zurück
Statistik
Der Januar 2026 hat es in Donaueschingen wirklich in sich. Zumindest was die Temperaturen angeht, ist es im Stadtgebiet und den Ortsteilen so richtig winterlich. Mit laut Klimaatlas Baden-Württemberg im Schnitt minus 1,7 Grad Celsius ist der Januar 2026 der kälteste Jahresstart seit 2019. Kälter war es zuletzt im Jahr 2017, als die Menschen bei im Schnitt minus 5 Grad richtig froren. Meist bewegt sich der erste Monat des Jahres rund um den Gefrierpunkt. Einen Ausreißer-Winter in die andere Richtung gab es 2024, als der Februar im Schnitt satte 5,1 Grad warm war.