Während des Kriegs mussten die Frauen die Feldarbeit übernehmen – so auch in Allmannsweier Foto: privat

In einer Serie werden die Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg erzählt, an die sich Zeitzeugen 1985 im LZ-Gespräch erinnerten – darunter die Zerstörung in Allmannsweier.

Da Allmannsweier nicht direkt am Rhein liegt, wurden hier Ende der 1930er-Jahre keine Westwallbunker gebaut, aber bereits 1939 Artilleriestellungen eingerichtet. Vom Dorf aus wurde geschossen, aber, vor allem in den letzten beiden Kriegsjahren war auch das Dorf Ziel von feindlichem Beschuss. Die Munition kam dabei nicht nur aus französischen, sondern für wenige Tage auch aus deutschen Waffen. Insgesamt beschädigten oder zerstörten Artilleriebeschuss oder Tieffliegerangriffe rund ein Drittel der Häuser.

 

Vieles davon ereignete sich in den letzten Kriegstagen. Am 15. April 1945 hatten französische Truppen in Straßburg den Rhein überquert und drangen nun von Kehl aus auf der deutschen Seite entlang des Rheines nach Süden vor. Am 17. April rückten sie in Allmannsweier ein. Man hatte sie hier bereits erwartet. In der Nacht zuvor hatten die Bauern den deutschen Soldaten, die sich in den Kaiserswald und nach Kippenheim zurückgezogen hatten, beim Abtransport der Geschütze helfen müssen. Rund um das Dorf waren die Felder überflutet, da die Bäche aufgestaut worden waren, um ein Durchkommen der französischen Truppen zu verhindern. Auf der Hauptkreuzung des Dorfes waren Panzersperren errichtet worden. Die Brücken am Schutterentlastungskanal waren gesprengt.

Störche nisteten auf überfluteten Felder

Fritz Heimburger, damals 13 Jahre alt, erinnerte sich 1985, dass eine wahre Invasion von Störchen auf den überfluteten Feldern genistet habe. Sogar Möwen seien gesehen worden. Das Wasser konnte die französischen Einheiten dann doch nicht fernhalten. „Sie rückten ins Dorf ein und drohten zu schießen, falls die Panzersperren nicht weggeräumt würden“, erzählte Fritz Heimburger. „Die Leute wurden aus den Häusern geholt und gezwungen, die Sperren zu beseitigen.“ In fast jedem Hausgarten sei dann ein Panzer gestanden.

Viele Menschen hielten sich in den Kellern der Häuser versteckt. Zahlreiche Frauen und Kinder verbargen sich im Keller des Ortsgruppenleiters der NSDAP, der sich einige Tage zuvor in Sicherheit gebracht hatte. Aber auch hier drangen die Soldaten ein. Frauen und Kinder mussten sich an die Wand stellen. Zehn Personen wurden als Geiseln genommen. Die Drohung der französischen Soldaten war unmissverständlich: Sie würden diese Geiseln erschießen, falls einem Militärangehörigen etwas zustoßen würde.

Schutterentlastungskanal erwies sich als Hindernis

Der Schut terentlastungskanal, dessen Brücken gesprengt worden waren, erwies sich beim Vorrücken in Richtung Lahr für die Panzer als unüberwindliches Hindernis. Hinzu kam der Widerstand des Volkssturmes und der SS-Truppen. Trotzdem gelang es einer kleinen französischen Einheit, den Kanal zu überqueren. Die übrigen zogen sich ins Dorf zurück.

So wurde das besetzte Allmannsweier zur Zielscheibe für die deutsche Wehrmacht, die von Kippenheim aus schoss. Viele Häuser wurden dabei beschädigt, ein Haus wurde total zerstört. Über ein Dutzend französische Soldaten kamen ums Leben. Ihre Kameraden nahmen Rache, plünderten zahlreiche Häuser und vergewaltigten viele Frauen. Sie beschossen ihrerseits von Allmannsweier aus Burgheim und das Lahrer Krankenhaus. Einige Angehörige des Volkssturmes wurden gefangen genommen und im Saal des Gasthauses „Krone“ festgehalten. Fritz Heimburger wusste, dass auf diese Weise einige ältere Allmannsweierer in französische Kriegsgefangenschaft gerieten und zum Teil erst nach drei Jahren zurückkehrten. Manche entgingen diesem Schicksal, indem sie sich in den Wäldern verborgen hielten und zwei Tage später mit einer alten Jacke oder einem Rechen auf der Schulter als „Feldarbeiter“ ins Dorf zurückkamen.

Bürger verriet, wo Beobachtungsposten war

Da der Beschuss der deutschen Truppen auf das Dorf sehr stark war, verriet schließlich ein Allmannsweierer den Franzosen, wo sich der Beobachtungsposten der Wehrmacht im Wald verborgen hielt. Der Beobachtungsposten wurde getötet, der Ort blieb daraufhin von weiterem Beschuss verschont. In der Zwischenzeit war ein Teil der französischen Truppen über Friesenheim nach Lahr vorgedrungen. Auch aus Allmannsweier zogen die Soldaten nun weiter nach Lahr. Nach diesem Abzug wurde das Dorf nicht mehr neu besetzt.

Die Serie

2025 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal. Die Riedgemeinden entlang des Rheins hatten 1944/45 besonders unter dem Kriegsgeschehen zu leiden. Im Jahr 1985 sprach LZ-Mitarbeiterin Daniela Nußbaum-Jacob mit vielen, inzwischen verstorbenen Zeitzeugen, die die Ereignisse im Ried hautnah miterlebt hatten. Diese dienten als Grundlage für das mittlerweile ausverkaufe Buch „Wie war das damals?“ und werden nun in der LZ-Serie neu erzählt.